Donnerstag, August 31, 2006

Geschichten aus dem Indianerdorf oder Komm auf die Spassseite der Erde

Schwupps schon wieder mehr als einen Woche vorbei.

Als erstes möchte ich mich für die vielen Comments bedanken. Es freut mich wirklich sehr so viele positive Zuschriften zu bekommen und zu erfahren, dass es wirklich Leute gibt, die sich für das, was ich schreib interessieren. Muchas Gracias

Letzten Mittwoch war ich am Mitad del Mundo. Für alle nicht Spanischsprechenden: Das ist der Mittelpunkt der Welt. Ganz so gewichtig, wie der Name klingt, ist die Sache zwar nicht, es gibt schliesslich noch ca. 40 000 andere Kilometer auf der Erde, die sich so nennen dürfen, aber es war doch ganz schön interessant. Das hatte zwei Gründe und beide befanden sich in einem Museum mitten am Äquator. Dort ging es zum einen eben um den Äquator und zum anderen darum, wie die Ureinwohner, die Indigenas früher so gelebt und geliebt haben. Beides war sehr aufschlussreich.

Um meinem Blog mal etwas interaktiver zu machen: Jeder der mag, kann nun mal kurz auf die Toilette gehen, die Spülung betätigen und beobachten in welcher Richtung das Wasser abfliesst. Wenn ich mich nicht ire und ihr keinen Motor in eurer Toilette eingebaut habt, müsste das Wasser bei euch, da ihr euch auf der Nordhalbkugel befindet, gegen den Uhrzeigersinn ablaufen. So und jetzt dürft ihr mal raten, wie es hier auf der Südhalbkugel der Erde abläuft. Natürlich genau andersherum. Das war jetzt nicht so schwer zu erraten. Etwas schwerer ist es schon, verständlich zu erklären, warum das so ist, oder z.B was mit dem Wasser passiert, wenn man sich geanu am Äquator befindet. Letzteres könnt ihr (hoffentlich) bald auf meinem gmx-Account nachschauen, da wird es dann ein Video davon geben.
Wer ersteres so erklären kann, dass es auch nicht Physikstudenten verstehen können, den lade ich auf ein Eis ein, sobald ich wieder in Deutschland bin.

Neben dem Experiment mit dem Wasser konnte man natülich noch jede Menge anderen Schabernack mit dem Äquator treiben. Man konnte beispielsweise ein Ei auf einem Nagel balancieren oder das beliebte Spiel “Komm auf die Spasssseite der Erde” spielen. (Wer dern Film “Madagascar” gesehen hat, weiss wie spassig das ist J

Zu den Indigenas. Die lebten damals (wann immer das auch war) in Hütten, die sie aus trockenem Gras, Lehm, Holz und Palmen zusammenbastelten. Dort lebte, so wie es sich gehört, die ganze Familie unter einem Dach. Die Kinder durften sogar, bis sie zwei Jahren alt waren, alle! im Bett der Eltern schlafen. Und die Familien damals waren sehr kinderreich!
Das Secleben der Eltern wurde dadurch aber nicht gestört, denn die Indios glaubten daran, dass die Frau viel fruchtbarer ist, wenn sie die gute alte Mutter Erde berührt, während Mann und Frau sich vereinigen. Von daher hatten sie ihrem Spass unter freiem Himmel. Ist vielleicht ein gutter Tipp für ungewollt kinderlose Paare: Statt Genexperimenten und Samenzellen frosten einfach back to the roots und raus in Garten….

In ihren Hütten hielten sich die Indios Meerschweinchen aus zweierlei Gründen. Zum ersten sind Meerschweinchen extreme sensible, was Vulkanausbrüche angeht, zum zweiten hatten sie sie zum Fressen gern.

Meerschweinchen sind bis heute noch eine Delikatesse in Ecuador. Wenn man als süssehaustiereliebhabender Europäer mal frägt, wie man denn nur so ein putziges, süsses, kleines, kuscheliges Etwas essen könne, dann bekommt man meist die Antowort:

Es ist Fleisch, oder?

So eine pragmatische Antwort könnte auch von Hajo stammen.

Einen Brauch der Indigenas fand ich noch sehr nachahmenswert. Bevor es einem Mann erlaubt war zu heiraten, musste er folgende kleine Aufgabe erledigen:
Er musste aus einem einzigen, langen Baumstamm ein Boot schnitzen und das Boot musste mit samt seiner ganzen Familie (Vater, Mutter, Geschwister…) an Bord auf dem Wasser schwimmen. Schaffte er es nicht, wars au nix mit heiraten. Bei so einem Brauch würde sich Tim Taylor die Hände reiben und Jörn immer noch Junggeselle sein.

Zwei Strassenszenen, die ich im vorbeifahren erlebt habe.

Am Montag fuhren Liz, Fabian und meine Wenigkeit in den Süden Quitos zu einem Einkaufszentrum. Auf unserem Weg kamen wir an einem der vielen kleinen Tante Emma Läden vorbei. Ein Mann lag davor auf der Srasse und ein Polizist stand daneben, ansonsten liefen ganz normal die Leute am Laden vorbei. “Muss wohl ein Toter sein” meinte Liz ernst….

Gestern Morgen bin ich mit Liz und einer anderen Lehrerin aus der deutschen Schule zu eben dieser gefahren. Mitten an einer Kreuzung gab es wohl ein Auffahrunfall, denn es standen dort zwei Autos, von denen das eine die Front und das andere das Heck ziemlich verbeutlt hatte. Als wir ankamen, liefen die beiden Fahrer gerade mitten auf der riesigen Kreuzung, umringt vom alltäglichen Verkehrschaos hupender und wartender Autos aufeinander zu, stritten sich wild gestikulierend, der eine gab dem anderen eins auf die Fresse, woraufhin dieser blutete. Erst dann stiegen sie wieder in ihre Autos um an den Rand zu fahren…

Am Wochenende war ich mit Charly und seinen Freunden noch mal in Otavalo auf dem Markt. Was mich dieses Mal besonders nachdenklich gemacht hat, bzw. Was mich auch schon das ein oder andere Mal in Quito nachdenklich geamcht hat, sind all die alten, jungen, dicken dünnen, kleinen und noch kleineren Leute, die betteln oder bettelarm sind.
Generell gibt es zwei Arten von armen Bettlern. Die einen hätten gerne Geld und bieten dafür eine Gegenleistung, wie Schuheputzen oder irgendeine artistische Einlagen an einer Strassenkreuzung, wie z.B. mit dem Ball jonglieren, die Anderen woollen nur Geld.

Was mich in Otavalo nachdenklich gestimmt hat, war ein wirklich unglaublich kleiner, wirklich unglaublich alter, in schmutzige Fetzen gehüllter, barfüssiger, schrumpeliger Mann, der mich mit einem dieser unendlich traurigen Blicken um etwas Geld bat.
Mein bisheriges Verhalten, was Bettler anging , war eher inconsequent. Den Leuten, die etwas vorführten, hab ich moistens etwas gegeben, allen anderen, nur ganz selten, wobei es eher willkürliche Gemütsschwankungen waren, die den Ausschlag gaben, wem ich etwas gab und wem nicht. Ich hatte mir zumindest auch noch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, wie ich damit umgehen will. An diesem Tag in Otavalo hab ich gemerkt, dass es an der Zeit ist, dass ich mir mal darüber im Klaren werde.

Ich habe den Mann zunächst, wie ich es schon so oft gemacht hab, mit einem lo siento (es tut mir leid) und einem Kopfschütteln abgewehrt. Normalerweise genügt das den leuten und sie trotten traurig weiter und man kann so tun als ob nichts gewesen sei. Dieser jedoch wolle wohl nicht so schnell aufgeben und hat mich mit seiner, für mich überraschend starken Hand, festgehalten, an mir gezerrt und mich immer weiter angeschaut. Und mit dieser Situation, war ich echt überfordert. Ich hab eigenlich immer nur no und lo siento gesagt und wollte ihn loswerden, aber es kostet doch einiges an Überwindung einen alten Mann mit Gewalt abzuwedeln. Naja nach einer kleinen Ewigkeit hat er dann losgelassen und ich bin woanders hingegangen.

Seit dem mach ich mir einige Gedanken dazu wie man mit Bettler umgehen sole, wem man etwas geben sollte, wem nicht, oder ob man überhaupt etwas geben sollte, um sie nicht noch betteln zu ermutigen. Auch in wieweit man sich vom Leid anderer Menschen anrühren lassen sollte oder ob man sich vielleicht selbst schützen muss indem man so etwas nicht an sich ran lässt.

Falls jemand von euch dazu ne Meinung hat, würd ich mich freuen, wenn er einen kleinen Comment schreibt oder mir einfach ne Mail schickt (andy_latte@web.de) .

Diese Woche ist die Vorbereitungswoche and der deutschen Schule und ich bin dabei. Dass heist am Montag war ich das erste Mal an meiner neuen Wirkungsstätte. Die

Deutsche Schule liegt in Cumbaya, dass ist ein Tal, östlich von Quito, welches etwas tiefer als Quito liegt und welches deshalb um einiges warmer und grüner ist. Es ist auf jeden Fall eine sehr beliebte Wohngegend.

Die SChul an sich ist wirklich nur schwer mit einer Schule in Deutschland vergleichbar. Zumindest äusserlich. Das Gelände ist sehr gross, die Wege breit, mit Sandsteinen gepflastert und mit Blumenbetten und Palmen gesäumt. Alles ist wirklich sehr bunt, es ist fast wie auf einer dieser Hotelanlagen in der Südsee. Dieser Eindruck wird dadurch noch verstärkt, dass es nicht nur ein Gebäude gibt, sonder sehr viele, die alle vergleichbar mit Bungalows auf dem Gelände verteilt sind.
Das Schulgelände beherbergt einen Kindergarten, die Primaria (1. – 6. Klasse), die Sekundaria (7.-12. Klasse) und eine Berufschule. Zusätzlich gibt es noch extra ein Verwaltungsgebäude mit Bibliothek, Lehrerzimmer und Computerräumen, eine Cafeteria, eine grosse Sporthalle, ein Schwimmbad und einen Fussbalplatz. Auf dem gesamten Gelände rennen Bedienstete rum, die den Garten pflegen oder irgendwelche Instandsetzungsarbeiten erledigen. Man fühlt sich also wirklich wie in einem All Inklusive Hotel.

Die Lehrer sind bunt gemischt, aber es gibt überraschen viele junge (gut aussehende) Lehrerinnen und Lehrer. Die Mehrzahl sind Ecuadorianer, es gibt aber auch viele Deutsche hier. Mein Mentor, Jens Mitad, ist 38 kommt aus Hamburg und ist wirklich sehr nett. Ich versteh mich , so weit man das bisher sagen kann, gut mit ihm.
Ich fühl mich also ganz wohl hier. Mal sehen, ob das so bleibt, wenn die Schüler kommen…

So weit is gut für heut. Schon wieder so lange geworden.
Nächstes Mal erzähl ich ein bisschen mehr von meinem Schulalltag.
Bis dahin

Allen Alles Angenehme Andy

Montag, August 21, 2006

Vorlieben

Hola alle zusammen

Etwas mehr als eine starke Woche bin ich nun hier und es ist
manchmal echt erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue
Umgebung gewöhnt und wie schnell einem das Leben hier zum Alltag
wird. Wobei mir eigentlich jeden Morgen, spätestens wenn ich in den
Bus einsteige, wieder aufs Neue gewahr wird, dass ich doch nicht in
Deutschland bin, sondern in einer anderen Welt.

Das mit dem Bus funktioniert hier eigentlich ganz gut, falls man
sich auskennt. Man stellt sich einfach an den Straßenrand, und
streckt den Finger raus, wenn der richtige Bus kommt. Das Problem
dabei ist nur den richtigen Bus zu erkennen. Die Busse haben hier
hinter der Windschutzscheibe Schilder auf denen alle Straßen stehen,
die von dem Bus befahren werden. Problem Nummer 1: Wer kennt hier
schon alle Straßen. Problem Nummer 2: Es stehen unglaublich viele
Straßen in großer und kleiner Schrift auf dem Schildern. Problem
Nummer 3: Die Busse haben hier manchmal so einen Zahn drauf, dass es beinah unmöglich ist rechtzeitig alle Straßennahmen durchzulesen, zu
überlegen ob man diesen Bus nehmen kann und dann noch rechtzeitig
den Finger rauszustrecken.

Wenn man mal alle diese Hindernisse gemeistert hat, erwartet einem
im Bus eine, für Westeuropärer wirklich abstruse Welt. Es gibt
Busse, da sind alle Spiegel inklusive Lenkrad mit rosa oder blauem
Plüsch ausgestattet. Über dem Fahrer hängt eine Lichterkette, die
jedes mal leuchtet, wenn der Fahrer ruckartig bremst; und das ist
wirklich oft. Aus den Lautsprecher tönt schmalzige Andenmusik und an
den Fenster hängen Vorhänge die bei uns in den siebzigern schon
nicht mehr modern waren. Sehr oft hängt irgendwo noch ein sehr
kitschiges Bild von Jesus. That's really funny.
Überhaupt lieben es die Ecuadorianer sehr kitschig. Sie haben wunderbar alte, im
Kolonialstil erbaute Kirchen, aber innen drin hängen
Neonlichterketten, rosa Engel und die Wände glänzen pompös in Gold.
Für mich trieft dass alles etwas zu sehr, aber scheinbar stehen die
Leute hier drauf.

Ich möchte auch gerne dem Wunsch von Hajo nachkommen und die Gerüche
und Geräusche der Innenstadt etwas näher beschreiben, wobei ich mir
nicht sicher bin ob ich dabei nicht einige seiner romantischen
Vorstellungen zerstören. Aber er hat es ja so gewollt.

Ich würde mal behaupten in der Innenstadt riecht es meistens
genauso, wenn nicht noch mehr, wie in jeder größeren Stadt, nämlich
nach Smog und Abgasen. Die Ecuadorianer lieben große Benzinfressende
und umweltverpestende Autos. Das liegt wohl auch daran, dass das
Benzin hier nur ca. 75 Cent pro Gallone (= 3,8 Liter) kostet. Da
lässt es sich schon leichter das Benzin so einfach in die Luft
blasen.
An vielen Stellen in der Stadt hat man ziemlich Pech und zu
dem Untergrundsmoggeruch mischt sich noch der sauer beißende Geruch
von, Entschuldigung, Pisse. Da geht man dann doch lieber einen
Schritt schneller.
An anderen Stellen kann man aber auch Glück
haben. Zum Beispiel wenn man an einem der vielen
Fruchtverkaufsstände oder einem "Restaurant" vorbeiläuft. Dann kann
man den Geruch von frischen Zitronen, saftigen Orangen und rosa
Bananen genießen oder man bekommt einen Hauch von Meer in die Nase,
wenn die Küchenchefs eines der vielen Fisch- und
Meeresfrüchtegerichte zubereiten.

Auch die Geräuschkulisse lädt wenig zum verweilen ein. Eine wirklich
sehr große Leidenschaft der Einheimischen ist es bei jeder sinnigen
und unsinnigen Gelegenheit zu hupen. Egal ob der Bus vor einem
länger als zwei Sekunden hält, man eine Kreuzung mit 70 Sachen
überquert oder eine weibliche Schönheit am Wegesrand steht, es wird
hemmungslos aufs Lenkrad gedroschen. Gerade zur Hauptverkehrszeit
entwickelt sich so eine Kakophonie der unterschiedlichen
Hupgeräusche. Oft kommen zu den Hupen noch schreiende Verkäufer oder
Busschaffner die jedem der es wissen oder auch nicht wissen will,
ins Gesicht brüllen wohin der Bus gerade fährt.

Tagsüber ist es deshalb auch sehr schwer irgendwo ein ruhiges Plätzen zu finden, an
dem man mal durchschnaufen und sich ausruhen kann.

Trotz alle dem liebe ich es einfach nur in der Stadt rum zu laufen
um die unterschiedlichen Menschen und das ganze Chaos zu beobachten.
Ich liebe diese Andersartigkeit.

Mein Spanischlehrer ist mehr oder wenig so wie viele
ecuadorianische Männer. Mocabraun, ziemlich klein und im Besitz
eines unglaublichen Selbstbewusstseins. Wenn er unterrichtet
gebraucht er seinen ganzen Körper zum Kommunizieren. Er fuchtelt mit
den Händen, geht auf und ab, streckt die Brust raus oder klopft sich
auf selbige. Es macht wirklich Spass und ich merk auch, dass ich
schon einige Fortschritte gemacht hab. So langsam versteh ich sogar
schon die Tochter von Liz. Am Donnerstag hab ich ihr Mau Mau
beigebracht und seitdem will sie es die ganze Zeit mit mir spielen.
Würd ich zwar auch gern, wenn ich nur nicht immer verlieren würde….

Gestern (Samstag) war ich mit zwei anderen Schülern und einer
Lehrerin der Spanischschule in Otavalo. Dort gibt es einen rieisgen
Markt der Indigenas. Das sind sozusagen die Ureinwohner der Anden.
Man kann dort wirklich alles mögliche kaufen. Angefangen bei
Alpacateppichen, über Alpacachompas (Pullover) bis hin zu
Sonnenbrillen, nachgemachten Gemälden, allen möglichen
Kopfbedeckungen und selbstgemachtem Schmuck. Ach ja falls jemand ein
Schwein, eine Kuh oder andere Paarhufer benötigt, kann er gern auch
mal vorbeikommen und sich eins mitnehmen.

Nach dem Markt sind wir dann mit dem Bus zu einem Wasserfall
gefahren. Der Bus war so voll, dass ich mich mit beiden Händen an
der Tür abstützen musste um nicht raus zufallen. Man muss dazu
sagen, dass die hier meistens mit offener Tür fahren.
Zu Beginn der Busfahrt stand dicht an mich gepresst ein ziemlich übergewichtiger,
nicht ganz so gut duftender Einheimischer in weißem Trikot. Da wir
eh schon so engen Körperkontakt hatten, dachte er sich wohl, wäre es
auch nicht weiter schlimm wenn er mir mit seiner Hand in die
Hosentasche fährt und mir die schwere Last meiner 12 Dollar, die ich
dort hatte, abzunehmen. Ich habs zum Glück rechtzeitig gemerkt und
ihm das Geld wieder aus der Hand genommen. Danach hat er mir noch
irgendwas auf Spanisch ans Ohr gelabert, gemeint ich solle gut auf
mein Geld achten und ist an der nächsten Haltestelle ausgestiegen.
Man lernt immer wieder interessante Leute kennen…

Am Anfang der Woche war ich oft allein unterwegs und hab einsame
Abende lesend in meinem Apartment vebracht. Nach drei Tage hat mir
dass dann nich mehr so gut gefallen. Aber, oh wunder :-) , das hat sich
dann ziemlich schnell geändert. Am Dienstag ist zu Liz ins Haus ein
Amerikaner, Charly mit Vorname, eingezogen, der für ca. vier Monate
hier bleibt um hier zu studieren. Im zweiten Apartment von Liz wohnt
eine Engländerin, die wie ich hier einen Sprachkurs und
Freiwilligenarbeit macht. Mit beiden versteh ich mich echt gut.
Dienstag und Donnerstag waren wie bei Liz zusammen Essen und Karten
spielen. Am Mittwoch war ich mit Charly und seinen Studienkollegen
Salsa tanzen. Da ich ja mal einen Salsatanzkurs hatte (eine
bestimmte Person wird das bestimmt noch in Leidvoller Erinnerung
haben :-) ist es umso beschämender, dass ich wirklich nicht viel auf
die Reihe gebracht hab. Vielleicht lag es aber auch daran, dass
wirklich jeder Ecuadorianer hier eine Hüfte aus Gummi hat und man
dementsprechend neben denen ganz schön alt aussieht. Naja aber ihr
seht ich hab gute Gesellschaft, es muss sich also niemand Sorgen
machen.

Ich wünsch euch allen ne gesegnete Woche

Andy

Ps: Es gibt übrigens auch wieder neue bilder auf meinem gmx account

Sonntag, August 13, 2006

Angekommen

Der erste Blogeintrag aus Quito. Where to begin? I don’t now…perhaps at the beginning:

Weil manche Leute mit einem ziemlich festgefahrenen und verworrenen Weltbild an irgendeinem Ort der Welt es einfach nicht lassen können Bomben in Flugzeuge zu schmuggeln um sich und 200 andere Menschen in die Luft zu sprengen, müssen wiederum andere Leute an einem ganz anderen Ort der Welt mit weißen Einwegplastikhandschuhe meine Käsefüße auf Sprengsätze untersuchen. Dass nen ich mal Globalisierung. Aber alles der Reihe nach:

Aufgrund der Ereignisse von London wurden die Sicherheitsvorkehrungen in alle Flughäfen verschärft, dass bedeutete für mich: Ich musste auf meinem Flug nach Ecuador ca. 5-7 Sicherheitskontrollen über mich ergehen lassen. Bei fast allen die gleiche Prozedur:
Rucksack und Laptoptasche auf ein Band legen, Laptoptasche öffnen, Gürtel, Armbanduhr Schlüsselanhänger und sonstige Tascheninhalte ablegen, Schuhe ausziehen. Ab und zu gab es dann noch ein Bonusprogramm, z.B Ganzkörperbefummeln (inklusive der bereits erwähnten Käsefüße) oder Taschen durchwühlen . Zumindest waren die meisten Sicherheitsbeamten ziemlich freundlich.

Die Flüge waren ganz angenehm. Es gab Hägendaz Eis, Pasta, die den Namen nicht verdiente, viele Amerikaner und holprige Landungen.
Von Atlanta nach Quito hab ich zwei sehr nette Mädels aus New Hampshire kennen gelernt: Alex und Rebecca. Sie sind siebzehn und gehen noch auf die Highschool.
Ein paar ihrer ersten Fragen:

Is Amsterdam in Germany?
Are there any Nazis in Germany?
Do you eat rats or guineapigs in Germany?
Do you have computers in Germany?

Ich weiß nicht was man denen auf der Highschool beibringt…
Naja, außer ihren komischen Vorstellungen von Deutschland waren sie wirklich freundlich und ich war froh, dass ich mich etwas unterhalten konnte, wobei mein English mir mal mehr, mal weniger im Weg stand. But it works.

Nach neunzehn Stunden bin ich dann endlich in Quito angekommen. Meine Vermieterin Liz Barigga hab ich gleich gefunden, wobei ein Schild mit meinem Namen drauf eine großen Beitrag dazu leistete.
Liz hat mich zusammen mit ihrem Mann Fabiàn und ihrer sechsjährigen, unglaublich süßen Tochter Alana abgeholt. Die Tochter hat mich gleich mal mit einem riesigen Wortschwall überhäuft. Leider konnte ich mit meinen zwei Sätzen „Me llamo Andreas“ und „Tengo veintitres anos“ nicht so sehr Konversation mit ihr treiben. Zum Glück ist Liz Englisch Lehrerin. Da lief das Gespräch dann schon zweiseitiger.

Mein Apartment ist wirklich in Ordnung. Es ist echt groß, hat ne Küche, einen kleinen „Wohnbereich“, ein Schlafzimmer und ein Mini Bad. Es ist sauber und gemütlich. Es ist meine erste eigene Wohnung. Unbelievable.

Heute (Samstag) hab ich meine ersten Runden durch Quito gemacht. Am Nachmittag hat mich Fabiàn an einem Shopping Mall abgesetzt und abends sind wir zusammen mit Liz durch die Stadt gefahren, damit ich mal einen Überblick bekomme. Der erste Eindruck:

Es ist erstmal ein unglaublicher Ausblick, weil die Stadt rings um von riesigen schneebedeckten Bergen/ Vulkanen umgeben ist. Die Sonne scheint unglaublich stark. Es ist alles sehr trocken, die meisten Wiesen sind eher olivgrün bis braun. Die Leute sind manchmal so wie man sie sich vorstellt: Mit Poncho und typischer Kopfbedeckung. Manchmal sind sie aber auch mit ihrem Tommy Hilfiger Shirt, stylische Friseur und Blue Jeans kaum von einem Europäer zu unterscheiden. (Für meinen Onkel und Weltenbürger Mr. Kratschmann: Saure Yakmilch hab ich noch keine gesehen)

Man kommt auch nicht umhin den großen Unterschied zwischen Arm und reich zu bemerken. An jeder großen Straßenkreuzung sind Kinder oder Leute in Rollstühlen die betteln, oder andere die für etwas Kleingeld irgendeine Dienstleistung anbieten. Wenn man abends durch die Stadt fährt, sieht man an vielen Ecken die größeren und kleinere Müllberge der Bewohner, die von mehreren, Menschen, Alte wie auch Kinder, in der Hoffnung etwas nützliches zu finden, durchwühlt werden. Liz meinte dazu nur, dass wäre die ecuadorianische Art des Recyclings.

Es ist einfach vieles anders, und vieles ist doch überall gleich. Fußball zum Beispiel. Es gibt hier einen großen Park „parque la carolina“, auf dem gibt es ca. 5-10 staubtrockene und ziemlich holprige Fußballfelder auf dem sich alle Altersklassen treffen um zu bolzen. Wenn man da mal ne Weile zuschaut, fühlt man sich doch gleich wieder ein Stück mehr zuhause. Es gibt gute und schlechte Fußballer, es gibt die Schauspieler und Selbstdarsteller, es gibt die, die von außen reinbrüllen, es gibt Diskussionen und Rudelbildung und es gibt leidenschaftliche oder zumindest laut vorgetragene Ansprachen in der Halbzeitpause. Home is where soccer is…

So weit von hier. Hoff euch geht’s allen gut

Buenas noches

andy

PS: Da es irgendwie nicht funktioniert hier vom Internet Café Bilder in den Blog zu laden müsst ihr euch wohl oder übel die Bilder auf meinem Gmx Account anschauen. Dazu müsst ihr euch bei gmx.de mit andy_goes_ecuador@gmx.de und dem Passwort comein06 anmelden und dann auf der linke Seite auf Mediacenter klicken. Enjoy it!

Mittwoch, August 09, 2006

Abschied nehmen


„Alles, was auf der Erde geschieht, hat seine von Gott bestimmte Zeit:

….sich umarmen und sich aus der Umarmung lösen….“

Die letzten zwei Wochen waren unglaublich schön für mich. Ich bin wirklich dankbar für die vielen Menschen die sich von mir verabschiedet haben und die vielen guten Wünsche die sie mir auf meine Reise mitgaben. Es ist einfach sehr wertvoll für mich, zu wissen, dass es Menschen gibt, die einen in Gedanken auf der Reise begleiten. Dafür schon mal ein großes Danke!

All die schönen Momente, die ich bei meiner Verabschiedungstour erlebt hab, hätt ich gern länger festgehalten. All die lieben Leute, die ich zum Abschied umarmt hab, hätt ich gern länger umarmt.

Aber alles hat seine Zeit und der Wert eines schönen Augenblicks liegt vielleicht auch gerade in seiner Vergänglichkeit.

Deshalb bin ich einfach nur dankbar dafür, dass ich jetzt viele wertvolle Erinnerungen hab, die ich auch mit nach Ecuador nehmen kann.

Und so ist es jetzt Zeit „Auf Wiedersehen“ zu sagen, ich meld mich dann von Ecuador aus wieder...

oder um es mit den Worten eines österreichischen Philosophen auszudrücken:

Hasta la vista !

Andy