Montag, August 21, 2006

Vorlieben

Hola alle zusammen

Etwas mehr als eine starke Woche bin ich nun hier und es ist
manchmal echt erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue
Umgebung gewöhnt und wie schnell einem das Leben hier zum Alltag
wird. Wobei mir eigentlich jeden Morgen, spätestens wenn ich in den
Bus einsteige, wieder aufs Neue gewahr wird, dass ich doch nicht in
Deutschland bin, sondern in einer anderen Welt.

Das mit dem Bus funktioniert hier eigentlich ganz gut, falls man
sich auskennt. Man stellt sich einfach an den Straßenrand, und
streckt den Finger raus, wenn der richtige Bus kommt. Das Problem
dabei ist nur den richtigen Bus zu erkennen. Die Busse haben hier
hinter der Windschutzscheibe Schilder auf denen alle Straßen stehen,
die von dem Bus befahren werden. Problem Nummer 1: Wer kennt hier
schon alle Straßen. Problem Nummer 2: Es stehen unglaublich viele
Straßen in großer und kleiner Schrift auf dem Schildern. Problem
Nummer 3: Die Busse haben hier manchmal so einen Zahn drauf, dass es beinah unmöglich ist rechtzeitig alle Straßennahmen durchzulesen, zu
überlegen ob man diesen Bus nehmen kann und dann noch rechtzeitig
den Finger rauszustrecken.

Wenn man mal alle diese Hindernisse gemeistert hat, erwartet einem
im Bus eine, für Westeuropärer wirklich abstruse Welt. Es gibt
Busse, da sind alle Spiegel inklusive Lenkrad mit rosa oder blauem
Plüsch ausgestattet. Über dem Fahrer hängt eine Lichterkette, die
jedes mal leuchtet, wenn der Fahrer ruckartig bremst; und das ist
wirklich oft. Aus den Lautsprecher tönt schmalzige Andenmusik und an
den Fenster hängen Vorhänge die bei uns in den siebzigern schon
nicht mehr modern waren. Sehr oft hängt irgendwo noch ein sehr
kitschiges Bild von Jesus. That's really funny.
Überhaupt lieben es die Ecuadorianer sehr kitschig. Sie haben wunderbar alte, im
Kolonialstil erbaute Kirchen, aber innen drin hängen
Neonlichterketten, rosa Engel und die Wände glänzen pompös in Gold.
Für mich trieft dass alles etwas zu sehr, aber scheinbar stehen die
Leute hier drauf.

Ich möchte auch gerne dem Wunsch von Hajo nachkommen und die Gerüche
und Geräusche der Innenstadt etwas näher beschreiben, wobei ich mir
nicht sicher bin ob ich dabei nicht einige seiner romantischen
Vorstellungen zerstören. Aber er hat es ja so gewollt.

Ich würde mal behaupten in der Innenstadt riecht es meistens
genauso, wenn nicht noch mehr, wie in jeder größeren Stadt, nämlich
nach Smog und Abgasen. Die Ecuadorianer lieben große Benzinfressende
und umweltverpestende Autos. Das liegt wohl auch daran, dass das
Benzin hier nur ca. 75 Cent pro Gallone (= 3,8 Liter) kostet. Da
lässt es sich schon leichter das Benzin so einfach in die Luft
blasen.
An vielen Stellen in der Stadt hat man ziemlich Pech und zu
dem Untergrundsmoggeruch mischt sich noch der sauer beißende Geruch
von, Entschuldigung, Pisse. Da geht man dann doch lieber einen
Schritt schneller.
An anderen Stellen kann man aber auch Glück
haben. Zum Beispiel wenn man an einem der vielen
Fruchtverkaufsstände oder einem "Restaurant" vorbeiläuft. Dann kann
man den Geruch von frischen Zitronen, saftigen Orangen und rosa
Bananen genießen oder man bekommt einen Hauch von Meer in die Nase,
wenn die Küchenchefs eines der vielen Fisch- und
Meeresfrüchtegerichte zubereiten.

Auch die Geräuschkulisse lädt wenig zum verweilen ein. Eine wirklich
sehr große Leidenschaft der Einheimischen ist es bei jeder sinnigen
und unsinnigen Gelegenheit zu hupen. Egal ob der Bus vor einem
länger als zwei Sekunden hält, man eine Kreuzung mit 70 Sachen
überquert oder eine weibliche Schönheit am Wegesrand steht, es wird
hemmungslos aufs Lenkrad gedroschen. Gerade zur Hauptverkehrszeit
entwickelt sich so eine Kakophonie der unterschiedlichen
Hupgeräusche. Oft kommen zu den Hupen noch schreiende Verkäufer oder
Busschaffner die jedem der es wissen oder auch nicht wissen will,
ins Gesicht brüllen wohin der Bus gerade fährt.

Tagsüber ist es deshalb auch sehr schwer irgendwo ein ruhiges Plätzen zu finden, an
dem man mal durchschnaufen und sich ausruhen kann.

Trotz alle dem liebe ich es einfach nur in der Stadt rum zu laufen
um die unterschiedlichen Menschen und das ganze Chaos zu beobachten.
Ich liebe diese Andersartigkeit.

Mein Spanischlehrer ist mehr oder wenig so wie viele
ecuadorianische Männer. Mocabraun, ziemlich klein und im Besitz
eines unglaublichen Selbstbewusstseins. Wenn er unterrichtet
gebraucht er seinen ganzen Körper zum Kommunizieren. Er fuchtelt mit
den Händen, geht auf und ab, streckt die Brust raus oder klopft sich
auf selbige. Es macht wirklich Spass und ich merk auch, dass ich
schon einige Fortschritte gemacht hab. So langsam versteh ich sogar
schon die Tochter von Liz. Am Donnerstag hab ich ihr Mau Mau
beigebracht und seitdem will sie es die ganze Zeit mit mir spielen.
Würd ich zwar auch gern, wenn ich nur nicht immer verlieren würde….

Gestern (Samstag) war ich mit zwei anderen Schülern und einer
Lehrerin der Spanischschule in Otavalo. Dort gibt es einen rieisgen
Markt der Indigenas. Das sind sozusagen die Ureinwohner der Anden.
Man kann dort wirklich alles mögliche kaufen. Angefangen bei
Alpacateppichen, über Alpacachompas (Pullover) bis hin zu
Sonnenbrillen, nachgemachten Gemälden, allen möglichen
Kopfbedeckungen und selbstgemachtem Schmuck. Ach ja falls jemand ein
Schwein, eine Kuh oder andere Paarhufer benötigt, kann er gern auch
mal vorbeikommen und sich eins mitnehmen.

Nach dem Markt sind wir dann mit dem Bus zu einem Wasserfall
gefahren. Der Bus war so voll, dass ich mich mit beiden Händen an
der Tür abstützen musste um nicht raus zufallen. Man muss dazu
sagen, dass die hier meistens mit offener Tür fahren.
Zu Beginn der Busfahrt stand dicht an mich gepresst ein ziemlich übergewichtiger,
nicht ganz so gut duftender Einheimischer in weißem Trikot. Da wir
eh schon so engen Körperkontakt hatten, dachte er sich wohl, wäre es
auch nicht weiter schlimm wenn er mir mit seiner Hand in die
Hosentasche fährt und mir die schwere Last meiner 12 Dollar, die ich
dort hatte, abzunehmen. Ich habs zum Glück rechtzeitig gemerkt und
ihm das Geld wieder aus der Hand genommen. Danach hat er mir noch
irgendwas auf Spanisch ans Ohr gelabert, gemeint ich solle gut auf
mein Geld achten und ist an der nächsten Haltestelle ausgestiegen.
Man lernt immer wieder interessante Leute kennen…

Am Anfang der Woche war ich oft allein unterwegs und hab einsame
Abende lesend in meinem Apartment vebracht. Nach drei Tage hat mir
dass dann nich mehr so gut gefallen. Aber, oh wunder :-) , das hat sich
dann ziemlich schnell geändert. Am Dienstag ist zu Liz ins Haus ein
Amerikaner, Charly mit Vorname, eingezogen, der für ca. vier Monate
hier bleibt um hier zu studieren. Im zweiten Apartment von Liz wohnt
eine Engländerin, die wie ich hier einen Sprachkurs und
Freiwilligenarbeit macht. Mit beiden versteh ich mich echt gut.
Dienstag und Donnerstag waren wie bei Liz zusammen Essen und Karten
spielen. Am Mittwoch war ich mit Charly und seinen Studienkollegen
Salsa tanzen. Da ich ja mal einen Salsatanzkurs hatte (eine
bestimmte Person wird das bestimmt noch in Leidvoller Erinnerung
haben :-) ist es umso beschämender, dass ich wirklich nicht viel auf
die Reihe gebracht hab. Vielleicht lag es aber auch daran, dass
wirklich jeder Ecuadorianer hier eine Hüfte aus Gummi hat und man
dementsprechend neben denen ganz schön alt aussieht. Naja aber ihr
seht ich hab gute Gesellschaft, es muss sich also niemand Sorgen
machen.

Ich wünsch euch allen ne gesegnete Woche

Andy

Ps: Es gibt übrigens auch wieder neue bilder auf meinem gmx account

7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Andy,
ich habe mir gerade Deine Bilder angesehen. Wirklich sehr interesant
Wie ich in Deinem zweiten Bericht lesen konnte hast Du in der vergangenen Woche schon eine Menge erlebt und neue Lebensweisen kennengelernt. Ich freue mich für Dich, dass es Dir so gut gefällt. Mach weiterhin viele Bilder und bring uns dadurch die Kultur von Ecuador in unsere Zimmer.
Gruss Pappa

Anonym hat gesagt…

Hi Andy,
gestern habe ich 40 liter für 59 € getankt. Wenn du also noch ein bisschen Platz im Koffer hast, bring mir doch ein paar Gallonen mit ;-)
Die am Flughafen werden das bestimmt verstehen.... what the fuck... U wanna kill us or what?...
Beim Rückreiseformular musst du dann halt angeben, dass du mit dem Benzin KEINEN Anschlag auf den Präsidenten planst.
Bei dem ganzen gehupe weiß man ja dann gar nicht mehr, ob das jetzt für so ne knackige Equadorianerin oder für nen fetten Taschendieb in nem weißen Trikot bestimmt war.. jedoch Vorsicht: beides kann einem das Geld aus der Tasche ziehen !
Dein Spanischlehrer müsste dich ja eigentlich schon ins Herz geschlossen haben. Schlisslich scheint ihr beide Hyperkinesen zu sein.
Ansonsten freut sich Hansi bestimmt über noch ne Ziege mit der er spazieren gehen kann.. Neulich ist er mit Anja´s unterwegs gewesen, als diese weit entfernt von zuhause den Dienst verweigert hat und den Rückweg nicht antreten wollte. Kurzerhand hat er sie stehen lassen ud sein Auto geholt und sie im KOfferraum zurückgebracht ;-)
..unser Hansi....einmalig !
Dein BlubBlubBlog is jedenfalls ne gute Sache. Weiter so.
Pocco Brocko

Anonym hat gesagt…

Ich habe einen neuen Lieblingsblog:-)

sehr cool, wie du das ganze beschreibst, es macht echt Spaß zu lesen. Kannst du uns nicht durchs Internet ein paar Gallonen Billigsprit schicken? Lad sie doch einfach bei GMX hoch:-)

I wish you what, dein einsamer Golfer...

Anonym hat gesagt…

Das Fußballvideo ist klasse. Weiter so....dein treuer Leser.

El Juliano.

Anonym hat gesagt…

G'Day Andy,
quite funny and interesting to read your page ;-) keep going!
My time in Australia & New Zealand is unfortunately almost over, but as you've written: everytime there's an end but it's important, what you do with your time or how you use it!
Wish you all the best in Ecuador and many experiences (hope the most are very good!), cu back in Germany - if I'm not travelling again :-)
Cheers
Dani

Anonym hat gesagt…

Salute Andy!

Ich bin mal wieder total baff. Das was du momentan um dich herum siehst und erlebst wird dir wohl ewig in Erinnerung bleiben.
Vielen Dank für deine detaillierten Beschreibungen und auch noch die Erläuterungen meiner Fragen. Allzu romantische Vorstellungen hatte ich nicht wirklich, dass es da auch stinkt war mir schon klar. Aber so ein Gemüse- und Gewürzmarkt, das ist doch echt der Knaller, auch wegen der vielen Farben. Und deine Fotos umfassen echt eine super Vielfalt dessen was du täglich siehst. Was mich erstaunt hat sind die relativ doch sehr sauberen Straßen, kaum Müll. Oder hast du vorher extra gefegt? Gibs zu :)
Dein Hut hat Stil, cooles Ding.
Achso ja, noch was zu den Fotos aus dem Flugzeug: wenn ich an deiner Stelle diese "Aussichten" vorgefunden hätte, meine Herrn, ich wäre wohl durchgedreht. Soll man da rausgucken oder auf den Sitz neben sich???

Nochmals großes Lob, top Blog und top Bilder. Bist ein feiner Kerl.

Vaya con dios, amigo!

Hajo

DinoLustig hat gesagt…

Hi Leute

Zunächst freu ich mich, dass unsere Erste, entgegen aller Erwartungen, dass erste Spiel gewonnen hat.
Dann möchte ich euch um etwas Geduld bitten, was den nächsten Blogeintrag angeht. Ich war dass ganze Wochenende über in Otavalo und heute hatte ich meinen ersten Tag an der Deutschen Schule.
Mein Betreungslehrer ist wirklich sehr nett, morgen werde ich mit ein paar anderen Lehrern schon mal dass erste Fussballmatch spielen. Es läuft also alles nach plan:-)

Ich meld mich bald wieder. Versprochen.
Bis dahin allen eine gute Zeit

Andy