Sonntag, Dezember 24, 2006

Freude


Zu Weihnachten wünsch ich euch, dass ihr euch freuen könnt; so wie es Kinder können. Mit glänzenden Augen, breitem Grinsen und einem Strahlen im Gesicht, das die Freude greifbar macht. Ohne Hintergedanken, ohne Zurückhaltung, ohne Angst enttäuscht zu werden. Einfach nur sich freuen. Das wünsch ich euch und, dass ihr wisst, warum ihr euch freuen könnt.

Andi

Sonntag, Dezember 10, 2006

Que viva Quito!

Am 6. Dezember 1534 gründete ein Spanier namens Sebastian de Belalcazar eine Stadt mitten in den Anden, auf über 2800 Metern. Er nannte die Stadt Quito, nach dem Ureinwohner Stamm der Quitu, die dort vor der Eroberung durch die Inkas lebten.
Gute 472 Jahre später ist das für alle Einwohner der Stadt ein Grund auszuflippen und die grösste Feier des Jahres steigen zu lassen.
Schon eine Woche vor dem Stadtgeburtstag beginnen über all im Stadtgebiet die verschiedensten Veranstaltungen. Konzerte, Lesungen, Flamencotänze und Ballet, Umzüge aller Art und offene Museen machen diese Woche zu einem kulturellen Spiesrutenlauf, für all diejenigen, die wirklich alles sehen wollen. Dazu fliesst Alkohol in Strömen, hauptsächlich auf den sogennanten Chivas. Chivas kann man sich am besten vorstellen wie die alten amerikanischen Schulbusse, die man aus vielen Filme und Fernsehserien kennt. Bunt bemalt, zumeist besetzt mit einer Blaskappelle, in der jeder spielt was er will, und mit vielen vergnügungssüchtigen Betrunken, gurken diese schrottigen Spassschlitten oft schon vom späten Nachmittag an lautstark durch die ganze Stadt und verkünden mit ihren „Que viva Quito“- Rufen den bevorstehenden Feiertag. Am Wochenende und am Tag vor dem Feiertag ist dann abends die gesamte Stadt auf den Beinen und die Strassen vor den bekannten Bars und Diskotheken füllen sich mit Partyvolk. Taxis verlangen das Doppelte als an „normalen“ Tagen und Taschendiebe reiben sich die Hände angesichts alkoholisierter, unachtsamer Menschenmassen. Was ich alles in diesen verrückten Tagen erlebt hab, will ich natürlich niemandem vorenthalten.

Am Freitag durfte ich staunender Beobachter eines ganz besonderen Spektakels sein. Eines der gefährlichsten Gefährte, das je von Menschenhand erbaut wurde, hatte seinen großen Auftritt. Der Beginn jeder grossen Rennfahrerkarriere, der Ursprung aller Rennsportarten, das, was kleine Jungenherzen wild klopfen lässt und mit dem man verzückte Mädchenherzen im Sturm erobert, die materialisierte Urangst jeder Mutter, der Stolz jeden Vaters und Symbol des Erfindungsreichtums der Menschheit, kurz: Die Seifenkiste!

In der Rio de Janeiro, mitten im Zentrum von Quito, fanden verschiedene Rennen dieser Teufelswagen statt. Und wenn ich Teufelswagen schreibe, dann übertreibe ich dabei keineswegs, wie ihr im Weiteren gleich erfahren werdet.
Doch als Charly, Sabrina (eine Au-Pair aus Deutschland) und ich am späten Freitagabend in der Rio de Janeiro ankamen, sah es zunächst gar nicht danach aus, als ob dort ein Rennen stattfinden sollte. Denn wo sollten die mutigen Fahrer auch ihre Kisten hindurchbugsieren, war doch die gesamte Strasse eine einzige vielköpfige Menschenmasse. Einzig ein Zielbanner, das hoch über den Köpfen der Leute angebracht war, liess darauf schliessen, dass hier tatsächlich Seifenkisten vorbei kommen sollten. Also warteten wir am Fusse der steilen Strasse und blickten erwartungsvoll den Hang hinauf. Nach vielleicht 10 eher ereignisarmen Minuten geschahen dann gleich mehrere Dinge kurz nacheinander.

Zunächst ertönnten zwei Pfiffe. Daraufhin ging ein Raunen durch die Menschenmenge, vereinzelt hörte man schrilles Gegilfe und die neugiereigen Zuschauer stoben, fast panikartig auseinander und drückten sich an die kahlen Häuserfronten. So entstand ein vielleicht gerade mal 5 Meter breiter Korridor, was auch wirklich gut war, denn keine 10 Sekunden nach den Pfiffen kamen, mit lautem Sirenengeheul und Blaulicht, drei Polizeimotorräder anbebraust, deren Geschwindigkeit deutlich über den vorgeschrieben 50 km/h lag. (Ich bezweifle mal, dass sie noch rechtzeitig hätten bremsen können, falls sich ein armer Zuschauer nicht nah genug an die Wände gedrückt hätte)
Nur einen Atemzug später bretterten die ersten Seifenkisten, nur unmerklich langsamer als die Motorräder, selbigen den Abhang hinterher.

Diese Seifenkisten waren so gebaut, dass sie kein Lenkrad sondern, mittig angebracht, einen grossen Hebel hatten, an dem sich die Fahrer festhalten und mit dem sie bremsen konnten. Manövriert wurde, soweit das bei dieser Geschwindigkeit überhaupt möglich war, mit den Füssen. Demenstprechend schlingernd, schludernd und schleudernd kamen die Wagen herabgeholpert, und das, man bedenken, ohne jegliche Absperrung oder Sicherheitsbarriere. So war auch das Gekreische jedes Mal gross, wenn wieder einer der Fahrer samt seines Gefährts den von Nervenkitzel berauschten Zuschauern gefährlich nahe kam. Als gefährlichste Stelle erwies sich dabei der Bereich hinter der Zieleinfahrt, also genau dort, wo wir uns befanden. Dort mussten die Fahrer wirklich scharf bremsen, was nicht selten dazu führte, dass deren Seifenkiste ausbrach, sich drehte und von links nach rechts und wieder zurück rotierend durch den Mob schlingerte, ehe sie am Schienbein eines bemitleidenswerten Zuschauers zum stehen kam. Dass das rote Kreuz, das wohlwissend gleich neben der Zieleinfahrt geparkt hatte, ausser aufgeschürften Knien und ein paar Verstauchungen nicht mehr zu behandeln hatte, ist für mich immer noch ein Wunder. Aber es verlief alles gut, die Zuschauer waren ganz aus dem Häusschen und bejubelten vor allem die spektakulärsten Krashfahrer am stärksten. Lokales Fernsehen war auch da und interviewte die Helden des Abends noch vor Ort. Charly, Sabrina und ich wurden leider nicht zu unsere Meinung gerfagt und so machten wir uns, mit hohem Adrenalinspiegel und um ein einprägsames Erlebnis reicher, auf den Heimweg.

Samstag hab ich lange überlegt. Soll ich oder soll ich nicht. Charly wollte unbedingt, ich war mir nicht sicher, immerhin kostete es 41 $, was ja, trotz günstigen Eurokurses nicht gerade wenig ist. Auch Liz meinte, ich könne mir das nicht entgehen lassen, zumal ich hier in Quito nie wieder die Möglichkeit dazu hätte. Letztendlich siegte die Neugier und da Charly und ich an diesem Abend eh noch nichts besonderes vor hatten, machten wir uns ca. 17.30 Uhr auf dem Weg um uns ein paar der letzten verbliebenen Karten zu sichern. Um Punkt sechs waren wir dann am Coliseu Rumiñhaui, einem grossen kesselartigen, überdachten Stadium, das Platz für ca. 16 000 Schaulustige bietet. Dort sollte es also stattffinden:
Das so lange und so gross angekündigte Shakira-Konzert!
Halb sieben, waren wir, Charly, Kristen, Claire, Caitlin, Ana und ich dann drin, und sicherten uns unsere Plätze, keine fünf Meter unter dem Stadiondach. Da es leider keine Vorband oder dergleichen gab, mussten wir uns noch geschlagene zwei Stunden gedulden. Das Stadion füllte sich, bis kaum noch freie Plätze zu sehen waren, die Spannung stieg, Laola-Wellen machten die Runde und die ersten Shakira, Shakira Rufe begannen immer lauter durchs Stadium zu schallen. Als fünf vor halb neun, das Licht ausging kulminierte das ganze dann in einen einzigen ohrenbetäubenden, mitreisenden Ruf, der immer wieder und wieder, wie aus einem Munde, vom Publikum gegen die Bühne geschleudert wurde.
Und dann kam sie.
Shakira. In dem Moment war mir klar, dass sich die 41 $ wirklich gelohnt hatten.Kleine Frau, aber wirklich ganz grosser Auftritt!
Was soll ich gross sagen. Das Konzert war fantastisch, die Stimmung ausgelassen. Wir tanzten wie Shakira, hüpften wild, wogten im Rhytmus, waren ergriffen als die Lieder ruhiger wurden und schrien uns am Ende die Kehlen nach einer Zugabe heiser. Da die meisten Lieder in spanisch waren sang fast immer das ganze Publikum mit, was eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugte.
Shakira selbst kann ich nicht besser beschreiben, als es Ana treffenderweise tat:
„She's fucking gorgeous!“ (Das lass ich jetzt mal lieber unübersetzt :-)

Ich glaub das sagt alles. Alles was man sonst noch hinzufügen könnten, wären nur noch kehlige, lautmalerische Ausrufe wie Wow, Ohohau, Wuhui; manche Dinge kann man eben nicht mit Worten ausdrücken.....
Ich bin jetzt auf jeden Fall Shakira Fan und freu mich daran sie mal live gesehen zu haben!

Sonntag Stierkampf (oder spanisch Corrida). Wohl keine andere Veranstaltung ist so traditionsreich und so umstritten wie der Stierkampf. Charly und ich wollten uns unsere eigene Meinung bilden und haben uns am Sonntag in die Plaza de los toros begeben.

Hütte, Lederhemden mit dicken Kordeln, Cowboystiefel, tiefschwarze Sonnenbrille, eine Flasche Wein oder viel Bier, sind so die Standardausrüstung für die Corrida.
Vor dem eigentlichen Wettkampf steht die gesamte Arena auf, nimmt die Hütte ab, legt die Hand aufs Herz, eine Blaskappelle setzt ein und fast jeder Zuschauer singt aus voller Brust das Stadtlied von Quito. Danach der Einmarsch der Hauptdarsteller: Die Matadore und ihre Helfer (zu Pferd und zu Fuss) betreten, begleitet von lautstarkem Jubel die Arena und stellen sich vor der Jury, die auf halber Stadionhöhe in einem roten Holzhäuschen Platz genommen hat, auf. Bei den Gladiatiorenkämpfen im alten Rom muss das ganze ziemlich genauso abgelaufen sein.

Nach diesem kurzen Vorspiel verschwinden die Helfer und Matadore hinter der Bande oder machen Aufwärmübungen mit ihrem Tuch. Ein weitere Helfer mit einem grossen Schild betritt die Arena und läuft einmal durchs Rund. Auf dem Schild steht der Name, Gewicht und weitere Angaben zum ersten Stier, dem sich die Matadore stellen müssen. Vor dem Holzhäuschen der Jury sitzen drei Trompeter und ein Trommler. Diese geben jetzt einen Fanfarenstoss ab, das Signal zum Einmarsch des Bullen.
Der erste Akt.
Der Bulle betritt die Arena, schaut sich um. In den vier Ecken der Arena sieht er die Hilfsmatadore mit rosa Tüchern stehen, gut geschützt hinter roten Holzwällen. Nacheinander tritt nun immer einer der Männer hervor und lockt den Stier in seine Richtung, wartet bis dieser auch wirklich Fahrt aufgenommen hat und bringt sich dann wieder hinter seinen Schutzwall in Sicherheit. Das ganze dient anscheinend dazu, die Agressivität des Bullen zu testen. Wenn einer der Matadore gut drauf ist, wedelt er auch schon mal mit seinem Tuch und lässt den Stier ins Leere laufen, sobald dieser angerannt kommt.
Wieder ertönt ein Signal vom Juryhäuschchen.
Der zweite Akt.
Zwei Pferde mit Reiter betreten die Arena. Die Pferde sind um den Bauch rundherum dickgepolstert und haben die Augen verbunden. Die Reiter tragen runde Hütte und eine ca. zwei Meter lange Lanze, die an ihre spitzen Spitze aussieht wie eine Gartenharke.
Der Stier wird so lange abgelenkt, bis die Pferde mitsamt Reitern in ihrer Position sind. Dann wird er auf die Pferde Aufmerksam gemacht. Er senkt den Kopf, galopiert wie wild auf eines der Pferde zu und rammt seine Hörner in die Polster, die sich in selbigen erstmal verharken. Der Reiter nutzt diese Zeit und haut dem Stier seine Lanze in den Rücken. Auf grund der gartenharkigkeit der Lanze dringt diese nicht sehr tief ein, muss aber ganz schön weh tun, denn jetzt wird der Stier erst richtig wild. Er schüttelt und rüttelt, so dass das Pferd ganz schön damit zu kämpfen hat stehen zu bleiben. Jetzt versteht man auch, warum die Pferde Augenbinden tragen.
Der Reiter versucht nun mit seinem Fuss den Stier wieder von seinem Pferd wegzudrücken und nach ein paar bangen Minuten gelingt ihm das auch. Sofort kommen die anderen Hilfsmatadore und lenken den Stier mit ihren rosa Tüchern wieder vom Pferd weg. Fanfarenstösse.
Der dritte Akt.
Nun betritt zum ersten Mal der richtige Matador die Arena. Bekleidet mit einem grünem Samtanzug, der über und über mit goldenen Kordeln und Scherben besetzt ist und prahlerischem Gehabe springt er über die Schutzmauer. In seiner Hand hat er zwei lange Messer, die fast vollständig von einer weisen Hülle umgeben sind. Die Menge begrüsst ihn mit grossem Applaus.
Er stellt sich auf. Vielleicht fünfundzwanzig, dreissig Meter vom Stier entfernt, der das ganze verharrend beobachtet. Der Matador hebt die Arme, beugt den Rücken zum Hohlkreuz, die Messer fest in beiden Händen. Die beiden fixieren sich.
Nun beginnt der Matador zu laufen, direkt auf den Stier zu. Dieser setzt sich ebenfalls in Bewegung, die Leute halten den Atem an. Kurz bevor ihn der Stier erwischt, macht der Matador einen kleinen Bogen, weicht den gefährlichen Hörnern aus und haut dem Stier im Vorbeigehen die Messer in den Rücken. Wieder nicht sehr tief, wieder sehr schmerzhaft. Der Stier schüttelt sich, will die Messer loswerden. Die Menge ist begeistert.
Trompeten und Trommeln.
Der vierte Akt.
Der Stier ist jetzt genug gereizt. Der Matador darf nun sein Können zeigen. Bewaffnet mit einem weinroten Tuch und einem langen, blanken, silbrigglänzenden Messer betritt er wieder die Arena. Nun beginnt das immegleiche Spiel. Der Matador nähert sich mit hochtrabenden, fast arroganten Schritten dem Stier. Er bringt sich in Position, wedelt mit seinem Tuch, stampft mit seinem Fuss. Der Stier reagiert, rennt mit gesenkten Hörnern auf das Tuch zu und der Matador zieht es im letzten Moment weg und vollführt dabei noch eine kleine Pirouette. So geht das immer und immer wieder. Mal wendet der Matador dem Stier den Rücken zu, dreht sich um die eigene Achse, mal zieht er nur das Tuch hoch. Wenn er ganz höhnisch sein will, kniet er sich hin und lässt den Stier ins Leere laufen. Umso knapper die Hörner den Matador verfehlen desto begeisterte ist das Publikum. Der Stier wird müder und müder, die Brust des Matadors breiter und breiter.
Wenn der Matador beschliesst, dass der Stier nun müde genug ist, setzt er zum finalen Stoss an. Das Tuch in der Linken wird gesenkt, liegt fast ausgebreitet auf dem Boden. In der rechten hoch erhoben und auf den Stiernacken ausgerichtet hat er den blanken Metallstab, das Messer. So nähert er sich nochmal dem Stier. Dieser schnauft schon kräftig, man sieht seine Flanken beben. Noch ein letztes Mal stampft der Matador mit seinem Fuss, der Stier, ob er will oder nicht, reagiert und stürzt sich auf das Tuch. Das Tuch erweist sich das letzte Mal als Falle und der Matador bohrt den langen Stab in den breiten Stiernacken, wenn es gut läuft mitten durch das Herz des müden Bullen. Der Stab bleibt stecken. Der Stier läuft aus, wird langsamer. Er geht auf die Schutzwand zu, drückt sich gegen sie. Mit einem Mal sacken seine Beine ein, sie können den mächtigen Leib nicht mehr tragen. Er legt sich hin. Blut läuft ihm aus dem Maul. Die Menge ist begeistert. Ein Mann springt über die Schutzmauer mit einem kleinem fiesem Messer. Er nähert sich vorsichtig dem halbtoten Bullen und gibt ihm mit seiner Waffe den Gnadenstoss. Applaus.
Der fünfte Akt.
Zwei starke Pferde ziehen einen kleinen Wagen in die Arena. Derweil werdem dem Stier die Ohren abgeschnitten. Je nach dem für wie gut die Jury den Matador befindet bekommt er ein oder gar beide Ohren als Siegertrophäe. Was der Stier bekommen hätte, wenn er gewonnen hätte wird man wohl nie erfahren.
Der Stier wird auf dem Wagen gehievt und aus der Arena hinausgeschleift. Eine Blutspur im Sand ist das letzte was man von ihm sieht.
Sofern er es sich verdient hat, wird dem Matador nun sein Stierohr überreicht. Nun beginnt sein Triumpfmarsch. Zunächst stellt er sich in die Mitte der Arena dreht sich langsam mit hoch erhobenem Haupt einmal um sich selbst, streckt dem Publikum das Ohr entgegen. Dann läuft er, den Moment auskostend, einmal durch die Arena. Männer schmeissen ihre Hütte, Frauen Rosen. Alles applaudiert.

Sieben weitere Bullen finden an diesem Nachmittag den Tod. Manchmal müssen sie erst zweimal mit dem Messer erstochen werden, bevor sie endlich sterben können. Das kommt immer darauf an, wie gut der Matador trifft.
Kein Matador bekommt zwei Ohren, einige dürfen mit einem Ohr nach Hause gehen. Am Ende scheint das Publikum zufrieden. Charly und ich haben gemischte Gefühle. Ich kann verstehen, warum Menschen solche Stierkämpfe mögen. Es hat etwas sportliches, heldenhaftes, wie die Matadore den Stieren geschickt ausweichen. Man kann die Gefahr spüren, die von den Stieren ausgeht. Auch wenn jedes Mal der Stier verliert, so bleibt bei jedem Kampf eine kleine Unsicherheit, die Möglichkeit, dass der Stier doch mal einen der Kämpfer erwischt. Das bringt Spannung und Nervenkitzel. Dazu kommt, dass die Kämpfe eine unglaublich lange Tradition haben, das merkt man bei der ganzen Inszenierung. Alles atmet den Durft der Jahrhunderte, jede Handlung ist über die Zeit gewachsen und birgt in sich eine Bedeutung.
Doch letztlich ist das ganze nichts anderes als wie wenn eine Katze mit der Maus spielt bevor sie sie tötet, oder ein kleines Kind einer Heuschrecke erst noch die Beine ausreist bevor es sie zerquetscht. Der Stier hat nie die Möglichkeit dem Ganzen zu entfliehen. Alles läfut unweigerlich seinem Tod entgegen. Er kann dabei immer nur reagieren, ist darauf trainiert auf alles rote loszurennen. Er hat keine Wahl. Für mich ist das deswegen ziemlich grausam und ich werd wohl auch keiner weiteren Corrida mehr beiwohnen. Interessant war es allemal, ein Teil der lateinamerikanischen Kultur eben.

So, das war ein kleiner, persönlicher Einblick in die Fiestas de Quito. Allen eine schöne Woche, lasst euch wegen Weihnachten keinen Stress machen, sondern freut euch, das ist es Wert.

Alles Liebe

Shakira Schwärmer

Dienstag, November 28, 2006

Levis, du nervst

Klassenfahrten, Ausflüge, wie hab ich sie früher geliebt. Es gibt doch eigentlich wenig schöneres, als mit einer Gruppe gleichaltriger ein paar lustige Tage in einem schmuddeligen, mit Stockbetten bestückten Landschulheim irgendwo im Oberallgäu bei trübem Nieselwetter und kaltem Früchtetee zu verbringen. Da entstehen Freundschaft fürs Leben und Magen-Darm-Infekte, man lernt sich, die Mitschüler und die Lehrer noch mal ganz neu kennen und wenn man Glück hat, darf man am Ende sogar die Toiletten putzen (man denke dabei an den Magen-Darm-Infekt :-( )

Was ich mich dabei aber nie gefragt hab ist, wie so eine Klassenfahrt eigentlich für die Lehrer ist, die das Glück (oder Pech ?!?) haben die wilde Schülerhorde während ihrer Vergnügungsreise im Zaum halten zu müssen. Dieses Wochenende bekam ich die Antwort auf die Frage, die ich mir nie gestellt hatte; und das sogar in doppelter Weise.

Gleich zwei Klassen durfte ich auf ihrem Trip in die schuleigene Herberge nahe Otavalo begleiten. Liz verweilte mit ihrer zehnten Klasse (lauter Ecuadorianer) von Freitag morgen bis Samstag Mittag dort, Jens und seine Bande Zehntklässler (Deutsche und Ecuadorianer mit guten Deutschkenntnissen) von Samstag Mittag bis Montag Mittag. Da mich beide gefragt hatten, ob ich gerne mitgehen würde und es zeitlich so gut passte, bin ich auf beiden Klassenfahrten dabei gewesen. Welch interessante Erfahrung!

Szenischer Abriss:

Es gab die typischen Landschulheimausflüge, wie der Besuch eines Vogelparks und einer Bootsfahrt auf dem von Bergen umgebenen Lago San Pablo; es gab prächtig brutzelnde Parillada (=Barbecue) mit fetttriefendem Fleisch und kohligknusprigen Würstchen; es gab knisterndes Feuer im Kamin und unterm Sternenhimmel (der hier so ganz anders aussieht als zuhause), mit klebrig süßen, angebrannten Marschmelos und verrauchten Kleidern; es gab morgens Sonne und nachmittags Sintflut und eine Minigolfpartie, die in letzterer versank; es gab schmuddelige Duschen mit untertemperiertem Wasser, und einen kleinen Hund auf den jeder mal draufgetreten ist; es gab das obligatorische klassenmassenfussballspiel zwanzig gegen zwanzig, mit ehrgeizigen Jungs und gnadenlos kloppenden Mädels und „the roof is on fire“ in der Repeatschleife; Und dann waren da noch die nettesten Lehrer die sich eine Klasse nur wünschen kann :-)

Meine Erfahrungen mit den Schülern:

Junger Praktikant auf einer Klassenfahrt zu sein, erweist sich erst mal als ganz angenehm. Von den Teenies wird man mit offenen Armen aufgenommen, fast wie einer der ihren. Sie haben mir auf die Schulter geklopft, ich hab ihnen auf die Schulter geklopft. Sie nannten mich „Levis“, weil´s auf meinem Pullover stand, ich nannte sie Josef Petrus, in Abwandlung des spanischen José Pedro. Wir saßen zusammen am Lagerfeuer und haben im selben Gemeinschaftsschlafsaal im Schlafsack gelegen (den haben wir aber übrigens nicht geteilt :-/ ). Wir haben zusammen Kartengespielt und abgewaschen und uns beim Fußballspielen angefeuert. Das hat alles wirklich Spaß gemacht und war ne schöne Erfahrung.
Das ganze fängt aber an schwierig zu werden, wenn man irgendwann nachts um halb zwei vor die ganze Meute hinstehen und den Spaßverderber spielen muss, indem man ihnen klar macht, dass sie Rücksicht auf die anderen nehmen und leiser sein müssen. Und wenn man in seinem Auftritt dabei nicht Stärke ausstrahlt und den Eindruck vermittelt, dass man in diesem Punkt überhaupt nicht mit sich reden lässt, wenn man in seiner Lehrerrolle die kleinste Lücke lässt, dann nutzen sie diese. Alle Autorität ist dann dahin und die eben ausgesprochenen Ermahnungen verhallen wie ein Pups im Weltraum – ungehört. Aber von solchen Momenten kann man viel lernen und viel fürs spätere Lehrersein mit nehmen, auf wenn es dieselbigen auf dieser Klassenfahrt nicht so oft gab. Meistens hatte wir Lehrer keine Probleme mit den Schüler und vor allem mit der zweiten Klasse, war es wirklich eine angenehmen Sache.

Da ich auf zwei Klassenfahrten mit zwei unterschiedlichen Lehrern mit bin, konnte ich auch gut die unterschiedlichen Stile der zwei Lehrer beobachten; und es gab einige Unterschiede, die, so möchte ich meinen, nicht zu letzt auch an der unterschiedlichen Mentalität der deutschen, bzw. ecuadorianischen Lehrer lag.

Liz wählte eher den strengen Weg und gab genau vor, wann die Schüler ins Bett mussten. Bei der Durchsetzung ihrer Regeln war sie aber nicht so konsequent, bzw. bei allen Ermahnungen war unterschwellig immer noch ein kleines, „ach, könnt ihr nicht bitte...“ dabei; das die Schüler natürlich gerne überhörten.
Andererseits war es für Liz und die ecuadorianische Mutter, die auch noch als Begleitperson dabei war, selbstverständlich nach dem Essen das Geschirr alleine abzuspülen, während sich die Schüler im Aufenthaltsraum vergnügten.
Oder es wurde beispielsweise am letzten Tag den Jungs aufgetragen ihr Zimmer auszufegen. Als wir das dann kontrollierten und das Zimmer noch ziemlich ungefegt antrafen, was macht da nicht die gutmütige Mutter: Sie nimmt den Besen fest in beide Hände, fängt an zu fegen und meint zu mir: „Ach die Jungs können halt nicht so gut fegen..“

Ich glaube, dass dies Haltung eine ecuadorianische Eigenart ist. Die Kinder hier werden viel mehr umsorgt und „behütet“ als in Deutschland und man lässt sie erst viel später eigenständig und selbstverantwortliche Aufgaben übernehmen. Das kann man morgens schon im Schulbus beobachten. Viele Eltern tragen den Schulranzen ihrer Kinder bis an den Schulbus und hieven ihn dann noch hinein, damit das Kind ja nicht zu viel tragen muss. Nachmittags läuft die ganze Prozedur dann umgekehrt ab. Der Schulranzen wird aus dem Bus in Empfang, das Kind in die andere Hand genommen und so wird gemeinsam und wohlbehütet der Heimweg angetreten.

Jens hingegen war in den zwei Punkten ganz anders. Er hat den Schüler keinerlei Vorschriften gemacht, wann sie ins Bett mussten. Er hat ihnen nur die Vorgabe gegeben, dass sie auf die anderen, die vielleicht früher schlafen möchten, Rücksicht nehmen müssen. Damit hat er sich ne Menge an Nerven- und Stimmkraft gespart und ich muss sagen, dass das auch ganz gut funktionierte (mit kleineren Ermahnungen).
Beim Abwaschen war von Anfang an klar, dass die Gruppe die kocht, danach auch abwäscht. Und natürlich mussten die Teenies auch ihre Zimmer selbstständig fegen und aufräumen. Da das von Anfang an fest stand und jeder das wusste, gab es dann darüber auch nie Diskussionen und keiner hat gemotzt.

Auf der Fahrt hab ich von den Schülern auch ein neues Kartenspiel gelernt. Es nennt sich Trefflicherweise: „siete pega todo“, was frei übersetzt: „die sieben schlägt alle“ bedeutet. Bei dem Spiel geht es hauptsächlich darum einem Mitspieler so stark wie möglich auf die Hand zu schlagen. Jeder Spieler bekommt reihum eine Karten vor sich hingelegt, die festlegt ob er seinen rechten oder linken Nachbarn oder bei einer sieben eben alle anderen Mitspieler schlagen darf. Bemerkenswert war dabei zu beobachten, mit wie wenig Skrupel Schüler ihre Lehrer hauen. Bisweilen, wenn ein Schüler alle andern Mitspieler auf die Hände kloppen durfte, meinte man sogar erkennen zu können, das bei mir und Jens stärker als bei allen anderen zugeschlagen wurde. Ob das nur ein Phänomen ist, was auf Mathelehrer zutrifft, kann ich nicht sagen, aber ein bisschen beängstigend ist es schon...

Mit Jens hab ich mich prima verstanden. Wir haben zusammen gegen die Teenies „Quarenta“, das ecuadorianische Nationalkartenspiel gespielt und sie gnadenlos im Minigolf abgezockt. Es war auch mal eine gute Gelegenheit meinen Mentor etwas abseits der Schule kennen zu lernen und am Lagerfeuer über andere Dinge als Zahlen und Experimente zu reden. Das hat auch unsere Zusammenarbeit in der Schule, angenehmer und persönlicher gemacht und ist mit ein Grund, warum ich mich immer wohler hier in der Schule fühle.

Klassenfahrten sind also auch für Lehrer (und Möchtegernlehrer) ne gute Sache !

Noch etwas Aktuelles:

Gestern waren hier in Ecuador die Stichwahlen für den Präsidenten. Alvaro Noboa, der reiche Chiquita Millionär hat allem Anschein nach gegen Raphael Correa, einem linksgerichteten Bush-Feind und Hugo Chavez-Freund verloren. Liz und Fabian waren ganz aus dem Häusschen vor Glück.

Correas ist hauptsächlich gegen alles. Er ist gegen den Eintritt Ecuadors in das Handelsabkommen mit den USA (TLC genannt). Er will gegen die Korruption hier im Lande ankämpfen (die hier so ganz nebenbei erwähnt eine der höchsten Raten in ganz Südamerika hat) und er will den ecuadorianischen Nationalkongress aufheben und mit einer neueinberufenen Versammlung die Verfassung ändern um die ausufernde Parteienlandschaft in Ecuador zu reformieren.. Mal schauen, wie er das hinbekommt.

Fabian meinte, wenn er bis nächsten Sommer keine Erfolge vorweisen kann, dann wird ihn dass Volk eben wieder aus dem Amtssessel werfen. Das drückt wohl ganz gut die ecuadorianische Einstellung bezüglich ihrer Präsidenten aus. Nicht ohne Grund wurden in den letzten zehn Jahren sieben Präsidenten verschlissen.


So weit aus dem kleinen Andenstaat

Ich wünsch euch ne schöne Woche und einen guten ersten Advent. (Bei Temperaturen bis zu 22 Grad ist bei mir hier in Quito leider noch nicht so viel Weihnachtsstimmung aufgekommen)

Levis

Samstag, November 11, 2006

Von den hübschen Schwestern Flora und Fauna

Nach langer Zeit, ein kleines Lebenszeichen von mir. Ich bin in letzter
Zeit irgendwie ziemlich schreibfaul, weiss auch nicht warum. Aber ich
wollt euch doch ein paar Sachen erzählen, die ich in letzter zeit so
erlebt hab.

Ich war letzten Mittwoch bis Sonntag auf den Galapagos Inseln. Die
Galapagos Inseln gehören zu Ecuador und liegen ungefähr tausend
Kilometer vor der ecuadorianischen Küste. Da Charly mit seinen Eltern
im gleichen Zeitraum auch dort war, sie aber einen exklusiveren Urlaub
gemacht haben, den ich mir so nicht leisten wollte, bin ich mit einem
Freund von Charly, Colin, dorthin geflogen. Colin studiert auch an der
Uni hier in Quito und ist im selben Programm wie Charly, deswegen
kannten wir uns schon vorher.

Unser Plan sah folgendermassen aus: Wir wollten am Mittwoch, unserem
ersten Tag, in Porto Ayora bleiben und dann am nächsten Morgen eine
viertägige Kreuzfahrt quer durch das Archipel starten. Aber schon nach
einer Stunden nach unserer Landung auf der kleinen Insel Baltra wurden unsere Pläne durchkreuzt.

Porto Ayora liegt auf der Insel Santa Cruz, die sich direkt neben
Baltra befindet. Um aber von Baltra nach Santa Cruz zu kommen muss man einen kleine Meerespassage mit einer Fähre überbrücken. Dazu wird das Gepäck auf das Dach der Fähre gepackt. Als wir am der Anlegestelle
ankamen, waren dort zwei Fähren direkt nebeneinander, die eine war
schon relativ beladen, die andere noch beinahe leer. Unser Gepäck wurde auf erstere gehievt, da dort aber kein Platz mehr zum mitfahren war,
stiegen wir in die zweiten Fähre direkt daneben. Ist ja eigentlich kein
Problem, dachten wir.

Die erste Fähre legte ungefähr fünf Minuten vor unserer von Baltra ab
und um die selbe Zeit vorher an Santa Cruz an. Als wir dann austiegen
und unser Gepäck schnappen wollten, mussten mir leider feststellen,
dass Colins Tasche nicht mehr da war, mein Reiserucksack jedoch schon.
Was also tun? Wir sind dann gleich zum erstbesten Polizisten gegangen,
der dort etwas gelangweilt rumstand und haben ihn gefragt, ob er denn
etwas gesehen habe oder was man den machen könne. Er war zwar sehr freundlich, aber nicht sehr hilfreich. Er meinte nur, er habe nichts
gesehen, man müsse eben auf seine Sachen aufpassen und vielleicht, ja
ganz vielleicht hat ja einer der Passagiere der ersten Fähre die Tasche
verwechselt und ausversehen mitgenommen. Da wir relativ verzweifelt
waren (colin verständlicher Weise etwas mehr als ich) haben wir uns an
diesen einzigen Hoffnungsschimmer gehalten und uns nach den Passgieren der ersten Fähre umgeschaut. Leider hatten die alle ihr Gepäck schon in
einen Bus verladen und waren just in diesem Moment dabei mit dem Bus nach Porto Ayora aufzubrechen. Als wir ob dieser Tatsache etwas ratlos
zusammen mit dem Polizisten rumstanden und rumdiskutierten kam ein
weiterer Ecuadorianer dazu meinte, er haben einen Pickup Truck und wir
könnten ja damit dem Bus nachfahren, ihn noch vor Porto Ayora einholen und die Leute nach dem verlorenen Gepäckstück fragen. Das hörte sich
ziemlich gut und sehr zuvorkommend an. Wir schnappen uns also unser
verbliebenes Gepäck und gehen zu seinem Wagen. Dort angekommen meinte er: Die Fahrt nach Porto Ayora koste aber 15 $, was uns dann doch etwas
überraschte (oder sollte uns eigentlich nach 3 Monaten Ecuador
überhaupt noch etwas überraschen?). Naja, da es uns als die einzige
Möglichkeit erschien, willigten wir ein und stiegen ein.

Um das ganze mal etwas abzukürzen: Da wir mit ca. 120 km/h über eine holprige Strasse auf der 70 km/h oder manchmal gar 50 km/h
ausgeschrieben war, gebrettert sind haben wir den Bus tatsächlich noch
vor Porto Ayora eingeholt. Die Tasche jedoch, war nicht in dem Bus. Der nette Taxifahrer bot uns danach noch so einen seiner zunächst
freundlich wohlklingenden Gefallen an, der sich aber später als doch
nicht so günstig herausstellen sollte. Er nahm uns mit zur örtlichen
Radiostation (die aus einem kleinen Zimmer mit Computer und Mischpult bestand). Der Besitzer war offensichtlich ein Freund von ihm. Er meinte
wir könnten ja übers Radio einen Aufruf senden und unsere
Telefonnummer mit angeben. Nachdem der freundliche Radiomensch die Daten und Informationen zu Colins Tasche aufgenommen hatte, fragte er
uns wie oft wir das den gesendet haben möchten. "Naja ", meinten wir,"
wenns nicht zu viel Mühe macht, dann so oft es eben geht." Nein, das
mache überhaupt keine Mühe, entgegnete unser Gegenüber, es koste nur 3 $ für jedes gesendete Mal.

Was man daraus lernt:
Manche Ecuadorianer können die freundlichsten und hilfsbereitesten
Menschen der ganzen Welt sein, vorausgesetzt man hat genügend von
diesen zerknitterten, grünen Papierscheine mit den hübschen
amerikanischen Präsidenten drauf.
Trotz Busverfolgungsjagd und verzweifeltem Radioaufruf blieb Colins
Tasche bis heute unauffindbar.

Nun zu den schönen Seiten der Galapagos Inseln. Die Galapogs Inseln
sind wirklich wie eine andere Welt, manchmal so, als ob es die ganzen
Menschen auf der Welt, verschmutze, versmogte Städte und böse
Tierfänger gar nicht gäbe. Es scheint alles so zu sein, wie Gott es
sich anfangs vorgestellt hat. Die Tiere haben keine Scheu vor Menschen, die Natur ist noch ganz unberührt und jungfräulich, blieb bis jetzt
noch verschont von menschlichem Fortschrittsstreben. Ja, vor allem die
Natur zeigt sich hier in ihrer ganzen Vielfalt und Schöhnheit. Es gibt
so viele unterschiedliche Landschaften und jede Insel scheint aus einem
anderen Teil der Erde zu kommen. Es gibt spitzigschroffe Felsenküsten,
gegen die die Wellen mit ungelaublicher Kraft branden, aufschäumen und wieder verschwinden. Es gibt weiche, cremefarbene Sandstrände, an deren Rändern sattgrüne Mangrovenbäumen ihre langstieligen Wurzeln ins Meer strecken. Es gibt tiefschwarze, kluftige Lavalandschaften, deren
Obefläche wie das faltige Gesicht eines 90ig jährigen Einheimischen
aussieht. Es gibt hohe Berge, meist Anhäufungen von Gestein, das bei
einem der vielen Vulkanausbrüche durch die Lüfte geschleudert wurde
und es gibt die weiten, flachen Ebenen, von denen manche mit ihren
aschweissen Sträuchern und Bäumen und der terracotaroten Erde aussehen wie eine Landschaft von einem anderen Planeten.

Dazu kommt, dass diese Landschaften mitnichten leblos sind. Sie werden von unzählgien verschiedenen kleinen, wie grossen, bunten wie schwarzen Tieren bevölkert. Während man sich im warmen Meer badet, umkreisen
einen die neugierigen, spielfreudigen Seelöwen und kommen einem so
nahe, dass man ihre weisen, langen barthaare zählen könnte. Es
umtauchen einen unzählige, in den verschiedensten Farben schillernde
Fische. Kleinere Haie und dickbauchige Seeschildkröten schimmen an
einem vorbei, als sei man einer der ihrigen und knabbern direkt neben
einem an den grünen Meerespflanzen. Lautlos gleiten Pelikan nur wenige Zentimeter über die Wasserobefläche, direkt dahinter stürzt sich ein
Fischreiher waghalsig ins Meer und schnappt sich einen der kleinen
Fischchen.
Wenn man dann noch Glück hat und den richtigen Moment erwischt, taucht die untergehende Sonne dieses ganze Szenario in ein dermassen
bezauberndes Licht, dass man nur ganz stil stehen kann und sich leise
wünschen kann, dass solche Momente für immer anhalten mögen.

Noch eine kleine geschichte aus dem schulalltag. Letzten Mittwoch, als
ich schon auf den Galapagos Inseln weilte, ereignete sich ein kleiner
Skandal in der Klasse, in der ich Mathe unterrichte. Eine Schülerin ist
während des Unterrichts betrunken umgekippt. Anscheinend hatten sich
ein paar aus der Klasse auf der schultoilette eine kleines Alkoholdepot
angelegt und immer, wenn sie während der Stunde auf die Toilette sind
mehr oder weniger stark daran genippt. Die Umfallerin offensichtlich
zuviel. Wenn man bedenkt, dass die erst in der 8. Klasse, also höchtens
15 Jahre alt sind, dann kommt man schon mal ins Grübeln, über diese
Schülergeneration. (Das hört sich jetzt vielleicht unglaublich altklug
an, aber als Lehrer muss ich so was sagen :-)
naja, anscheinend haben sie von der folgenden Standpauke und diversen Disziplinmassnahmen nicht so viel gelernt, denn als ich gestern ne
Doppelstunde mathe bei denen hatte musste wieder verdächtig viele,
verdächtig oft auf die Toilette....

Soweit von mir von hier. Liebe Grüsse an alle zuhause, ihr fehlt mir,
ehrlich. Da können die Galapagos Inseln noch so schön sein, Home is
where the heart is, and thats not in Ecuador...

(senti-)mentaler Moralapostel

Dienstag, Oktober 17, 2006

Von hippen Surfern und surfenden Hippies

Was mach ich eigentlich in meiner Freizeit, haben mich jetzt schon manche in Mails gefragt.

Welche Freizeit?

Ich schufte mich hier zu Tode, bereite Unterricht vor, schreibe Mails an Milliarden von Leuten, halte nebenbei noch meinen Haushalt auf dem Laufenden, putze, wasche, koche, mach mein Bett, kaufe ein, muss mir jeden morgen einen Tee kochen oder eine warme Milch machen und zu allem Überfluss hab ich auch noch Schnürschuhe und muss mir die jedes mal zu binden, wenn ich sie anziehen will. Ganz zu schweigen, von den unzähligen verzweifelten Anrufen für das Arbeitsamt, die ich entgegen nehmen muss und den Leuten die ich dabei seelsorgerlich, tröstend darauf hinweisen muss, dass sie leider eine falsche Nummer gewählt haben. Aber wer kümmert sich dabei um meine Seele und meine Bedürfnisse? Auch ich bin nur ein Mensch und habe Gefühle und kann nicht alles ertragen. Und dann fragen mich die Leute auch noch was ich in meiner Freizeit mache, zzz. Wacht mal auf und schaut raus aus eurem rosa glitzernden, gut behüteten Plüschpuppenhaus: Nicht jeder Mensch auf Gottes weiter Erde kann sich so einen Luxus wie Freizeit leisten! ;-)

Okay, genug auf den Putz gehauen. Ich arbeite mich hier wirklich nicht zu Tode. Ich hatte zwar bisher immer fünf Stunden die Woche, die ich unterrichten musste, aber die Vorbereitungen dafür halten sich in Grenzen. Das liegt zu einem daran, dass das Thema nicht all zu schwierig ist und zum anderen daran, dass die Kids in der achten Klasse noch viel Rechnen üben müssen. Das bedeutet, die Zeit in der ich etwas vortrage beschränkt sich vielleicht auf höchstens ein Viertel der Gesamtzeit, den Rest verbringt die Klasse damit Aufgaben zu rechnen und meine Aufgabe ist es dann nur noch rum zugehen und zu korrigieren. Von daher hab ich schon noch ein Fetzchen Zeit übrig, dass ich mit allerlei Vergnügungen und Zerstreuungen füllen kann. Das mache ich folgendermaßen:

Bei mir um die Ecke hab ich einen Bäcker. Das ist gleichzeitig Fluch und Segen. Segen, weil einem dort für ein Appel und ein Ei die süßesten, wohlschmeckensten Leckereien und Tortenstückchen um die Ohren geschmissen werden. Fluch, weil ich Tag für Tag gegen den kleinen Zuckerbäcker in mir ankämpfen muss, der mir immer wieder mit verführerischer Stimme ins Ohr flüstert:
„Iss das Tortenstück, nimm doch noch einen von diesen wunderbar fettigen Schokobällchen, oder probier doch mal diesen vor Zuckerguss triefenden Hefekringel. Das macht bestimmt nicht dick und du wirst dich danach so wunderbar wohlig fühlen.“
Wer diese, meine ureigenste Achillesverse von mir kennt, weiß wie schwer mir das fällt diesem Burschen zu widersprechen. Naja sei es wie es sei, auf jeden Fall ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, nachmittags nach der Schule und der Arbeit bei eben jenem Bäcker vorbei zugehen, ein, zwei süße Stückchen mit zu nehmen und mir es damit auf meiner Couch und einem dicken Buch gemütlich zu machen. Gott sei gelobt, für diese Momente.

Was ich auch sehr schätze sind die gelegentlichen Abende in Liz’ Küche, an denen wir alle, Charly, der Amerikaner, Hiwi, die Engländerin, Ulrike, die Deutsche, Liz, Fabian und ich am Küchentisch sitzen, Tee trinken und uns über alles unterhalten, über das man ebenso spricht, wenn vier Nationalitäten an einem Tisch sitzen. Das ist echt immer gemütlich und meistens auch genauso unterhaltsam. Da kommt dann auch durchaus familiäre Stimmung auf.

Dann gibt es da noch die Dienstagnachmittage an denen sich, immer alle Fußballbegeisterten Lehrer treffen um auf dem wunderbar gepflegten Grün der deutschen Schule eine gepflegte Kugel zu schieben. Das macht immer einen riesigen Spaß, zumal das Niveau erfreulich hoch und das ganze nicht nur so eine Alte-Herren-Freizeit-Nummer ist. Da wird schon mal über Handspiel und strittige Fouls diskutiert und jedes Tor wird enthusiastisch gefeiert. Ehrgeiz ist also durchaus ein steter Begleiter der Partien. Nach dem Spiel gibt man sich dann aber wieder die Hand und beglückwünscht sich zu der guten Leistung.

Am Wochenende füll ich meine Abende meistens damit aus, mit Charly und seinen Freunden von der Universität auszugehen. Angefangen bei einfachen Kinoabenden, über schweißtriefende, rhytmenrumpelnde Salsanächte in stickigen Kneipen ohne Notausgang, bis hin zu geselligen Kochabenden bei Wein und Knoblauchbrot haben wir schon eine ganz schöne Bandbreite an unterschiedlichen Amüsements zusammen durchgemacht. Das war eigentlich immer ne schöne Sache und nie langweilig.
Ab und zu nutze ich das Wochenende auch, sattle meine Taschen und begeb mich auf einen Kurztrip zu einem der vielen lockenden, lokalen, sehenswürdigen Orte.

Letztes Wochenende war ich endlich, endlich das erste Mal an der Küste. Charly und Ulrike haben mich dabei begleitet. Unsere Wahl, welcher der vielen Küstenabschnitte es sein sollte, fiel auf Montanita. Das ist ein kleines Dörfchen, das sich irgendwo am südlichen Küstenstreifen, der „Ruta del Sol“ befindet. Die Fahrt dorthin, dauert von Quito mit dem Bus zwölf bis dreizehn Stunden. Was uns trotz dieser langen Fahrtzeit nach Montanita zog:
Montanita ist ein Pilgerort für viele Surfverrückte und Domizil für allerlei abgedrehte Hippies. Die besonders relaxte Atmosphäre des Ortes spürt man bereits wenn man ankommt. Zuerst mal besteht das Dörfchen hauptsächlich aus zwei breiten Straßen, an denen sich Bar an Bar, Hostel an Hostel und Surfshop an Surfshop reiht. Auf den Balkonen der Hostels baumeln gemütlich Touris in bunten Hängematten, an den Straßenrändern sitzen entspannt einige sonnengebräunte, langhaarige Surfer, deren überlange Hawaibadeshorts lässig unter der Hüfte hängen. In den Bars sitzt mancher vor seinem Bierchen oder Cocktail, aus den Bars wehen Lieder von Jack Johnson , und vor den Bars schlappen die Leute mit FlipFlops und Surfbrettern unter dem Arm vorbei. Beim Durchlaufen durch diese Straßen geht der Puls von alleine schon mal um zwanzig, dreißig Schläge runter.

Alles war eigentlich so wie wir es uns auch ausgemalt hatten. Nur eines hat uns etwas überrascht: Die ganzen drei Tage, dir wir dort waren, haben wir keinen einzigen Sonnenstrahl gefunden, auch nicht einmal blinzelte die Sonne durch die Wolken. An allen drei Tagen dasselbe Bild: Lange, graue, undurchsichtige Wolken überdeckten den ganzen Himmel und ließen in ihrer Tristheit auch nicht den Hauch einer Hoffnung, einmal von einem klitzekleinen Sonnenstrählchen die Nase geküsst zu bekommen. Das heißt aber nicht, dass es kalt war, ganz und gar nicht. Wir hatten durchgehend um die 25 Grad, was wirklich angenehm war. Es heißt auch nicht, dass man keinen Sonnenbrand bekommen kann, was ich am zweiten Tag etwas leidvoll erfahren durfte. Aber es war eben nicht das, was wir erwartet hatten. Hinterher hab ich dann in meinem Reiseführer gelesen, dass das Wetter dort um diese Jahreszeit anscheinend immer so ist. Naja, wenn man sich erstmal damit abgefunden hatte, war es eigentlich auch halb so schlimm und die Liebenswürdigkeit Montanitas hat das auch schnell wieder wettgemacht.

Unser Beschäftigungsprogramm war eigentlich durch die wunderbar hohen, aufbrausenden Wellen und die Strandlocation schon prädestiniert:
Am ersten Tag begnügten wir uns damit mit Bodyboards die Wellen zu bezwingen. Bodyboards sind etwa ein Meter lange, flache, stromlinienförmige Styroporrechtecke. Wenn man es geschickt anstellt kann man sich damit, Wampe voraus, vor eine Welle schmeißen und sich von selbiger Richtung Strand tragen lassen. Die filigransten unter den Bodyboardern bringen sogar das Kunststückchen fertig kniend auf einer Welle Pirouetten zu drehen.
Aber selbst Anfänger und nicht ganz so Geschickte schaffen es einigermaßen schnell den richtigen Zeitpunkt, um sich vor eine Welle zu werfen, abzuwarten und können schon bald die mächtige Kraft der Wellen genießen, die einen oft auf eine mehrere Augenblicke dauernde, rasante Fahrt gen Strand mitnimmt.
Schon am zweiten Tag aber, war uns dieses Surfen für Arme zu wenig. Wir wollten wie die großen Jungs (und Mädels, um emanzipatorisch korrekt zu sein) auf den großen Brettern stehen, die die Welt bedeuten. Wie mieteten uns also in unserem Hostel drei schöne Surfbretter und drei, mehr oder weniger ebenso schöne, typisch aussehende, einheimische Surflehrer die uns für zehn Dollar versprachen uns in zwei Stunden die Grundlage des Surfens beizubringen.

Der Anfang der Stunden begann für uns recht unerwartet. Im dunklen Sand liegend mussten wir uns den Ernstfall bildlich vorstellen und die entsprechenden Bewegung dazu machen, was hieß zuerst wild mit den Armen im Sand zu kraulen, dann sich leicht aufs Brett zustützen und schließlich mit einem Satz, möglichst perfekt in der richtigen Position und Haltung auf dem Brett zu stehen.
Das sah bestimmt nicht so cool aus, wie wir uns das Surfen vorgestellt hatten. Eher wie kleine, gestrandete Wale, die verzweifelt versuchen sich mit ihren Flossen wieder ins Meer zurück zubugsieren. Aber aller Anfang ist schwer und wer ein Wellenreitermeister sein will, muss auch diese Hürde nehmen.

Danach gings dann relativ schnell ins Meer und aufs Board. Die erste Erfahrung: Man ist das anstrengend das Brett immer wieder aufs Meer rauszupaddeln. Und man schluckt dabei mehr Meerwasser und Salz als man gerne hätte.
Die zweite Erfahrung: Wenn man mal, nach einigen Anläufen den richtigen Zeitpunkt und die richtige Welle erwischt hat, ist es unglaublich schwierig auf dem Brett aufzustehen. Nicht selten rutscht man aus, oder kommt mit einem Fuß erst gar nicht auf dem Brett zu stehen. Überschläge und umher fliegende Bretter sind deswegen auch keine Seltenheit.
Die dritte Erfahrung: Wenn man es aber mal geschafft hat, fühlt man sich wie der König der Wellen, wenngleich das ganze meist auch nur einige Sekunden dauert. Aber diese paar Sekunden motivieren einen immer wieder sich aufs Brett zu schmeißen und den Kräftezehrenden Weg raus aufs Meer auf sich zu nehmen. Auf diese Art und Weise haben wir die folgende zwei Tage verbracht, was mir neben dem schon erwähnten Sonnenbrand auch einen richtig schönen Muskelkater und eine rot aufgeschürfter Brust einbrachte.

Des Abends haben wir uns meist erstmal nach einem lauschigen, nicht allzu teuren Restaurant umgesehen. Nach dem wohlschmeckenden Mahl, welches oft aus Pizza oder einem Meeresfrüchtegericht bestand, schwadronierten wir dann an den vielen Straßenständen entlang, die in den Abendstunden reihenweise an der Hauptstraße aufgebaut wurden. Dort gab es haufenweise Ketten, Ohrringe, Pfeifen und mit Muscheln verzierte Schatzkästchen zu kaufen. Die meisten der Schmuckstücke waren aus Tagua gefertigt. Tagua ist die Frucht einer bestimmten Palmensorte, die hauptsächlich an der Küste beheimatet ist. Man nennt Tagua auch oft das pflanzliche Elfenbein, was das Aussehen der Frucht eigentlich schon ausreichend beschreibt. Dieser Rohstoff wird schon seit Jahrhunderten von den Einheimischen dazu benutzt allerlei Produkte wie Schmuck, Kämme, Zahnstocher oder Sägen zu fertigen.
Wie ich in meinem Reiseführer nachgelesen hab, wurde diese Frucht in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch tonnenweise nach Deutschland exportiert und diente dort vor allem dazu Knöpfe und Spielchips herzustellen, wurde aber später durch synthetische Materialien ersetzt.
Die handfertigsten unter den Tagua-Künstlern schnitzen aus dem Rohstof wunderschöne, kleine Miniatur-Schmuckstücke, die wirklich schön anzusehen sind und welche dann an einem der Stände feil geboten werden.

Nach dem Einkaufsbummel war es fast schon obligatorisch einen der Cocktailstände an der Hauptstraße oder eine der Strandbars zu besuchen. Beides hatte seine Reize. Bei ersterem haben wir uns mit dem Cocktailmixer halbwegs angefreundet, der uns darauf hin „Special Prices“ für seinen halblitrigen, mit Melone, Ananas und Erdbeere verzierten Pina Colada anbot. Bei letzterem, gab es mindestens ebenso wohlschmeckende Cocktails, dazu aber noch ein romatisches Lagerfeuer und das Meeresrauschen als sanfte Hintergrunduntermalung. Da genießt man die alkoholischen Fruchtgetränke doch gleich doppelt so gerne.

Alles im allem, war es also ein wirklich schönen Trip, und ich hoff ich komm irgendwann noch mal an diesem schöne Fleckchen Küste vorbei.

Zu Schluss noch eine kleine informative, politische Angelegenheit, die zumindest bei mir ein kleines, überraschtes Schmunzeln ausgelöst hat. Am Sonntag standen in Ecuador die Präsidentschaftswahlen an, also durchaus ein richtungweisender, wichtiger Tag für das Land. Nun gibt es aber einige kleine Unterschiede zu dem was wir gewohnt sind. Was zunächst noch nicht so ungewöhnlich ist: Der Präsident wird hier direkt von der Bevölkerung gewählt. Was dann aber schon etwas ungewöhnlicher ist, ist die Zahl der Kandidaten, die sich zur Wahl gestellt haben. Es gab dreizehn Männer und Frauen, die alle gerne das höchste Amt Ecuadors besetzt hätten. Der bekannteste unter ihnen ist Alvaro Noboa, Milliardär und Besitzer der Chiquita-Bananen-Firma. Von diesen dreizehn Kandidaten werden zunähst die zwei mit den meisten Stimme gesucht, welche dann in einem Monat in einem zweiten Wahlgang den endgültigen Sieger unter sich ausmachen.

Außer für Analphabeten und über 65ig Jährige ist es in Ecuador Pflicht zur Wahl zu gehen. Jeder Bürger bekommt ein Dokument, dass er sich bei der Wahl unterzeichnen lassen muss. Dieses Dokument muss man zum Beispiel vorzeigen, wenn man ins Ausland fliegen oder einen Kredit bei einer Bank haben will. Hat man nicht gewählt und ist das Dokument nicht unterzeichnet, kann man sich seine Wünsche sonst wohin stecken. Ein ganz wirksames System also, seine Bevölkerung zur Wahl zu zwingen. Es gibt sogar eine staatliche Institution (Tribunal Supremo Electoral), die das Ganze überwacht und die mit Fernsehwerbespots dafür wirbt zur Wahl zu gehen und damit die Demokratie zu sichern.

Das eigentlich Witzige bei der ganzen Geschichte sind nicht mal die übertrieben patriotischen Wahlwerbespots, die bunten Plakate oder die pathetisch schauenden Kandidaten darauf. Es ist das so genannte „leye seca“, das Trockengesetz (das heißt wirklich so). Das besagt, dass in den zwei Tagen vor der Wahl in keiner Disko, Bar und in keinem Restaurant auch nur ein Tropfen Alkohol ausgeschenkt werden darf. Über Sinn und Unsinn dieses Gesetzes ließe sich natürlich vortrefflich diskutieren, Tatsache für die Ecuadorianer ist aber, dass es von der Regierung sehr ernst genommen und auch strikt kontrolliert wird. So war heute in der Zeitung zu lesen, dass im Vergnügungsviertel von Quito um die zweihundert Leute festgenommen wurden, weil sie entweder Alkohol ausgeschenkt oder selbigen genossen hatten. Auf die bemitleidenswerten Gesetzesbrecher wartet jetzt zwei Wochen Knast in einer ecuadorianischen Haftanstalt. Das macht bestimmt nicht so viel Spaß und so mancher von den Inhaftierten wird sich fragen, ob es das Wert war und wird sich bis zur nächsten Wahl zu einem Vorzeigedemokraten entwickelt haben.

Als nächsten Schritt würde ich der Regierung in Ecuador vorschlagen ein Gesetz zu verabschieden, dass auch gleich jedem Bürger vorschreibt, wen er zu wählen hat. Das macht das Auszählen viel einfacher und man spart sich auch den teuren Wahlkampf. Wichtig ist doch nur das überhaupt gewählt wird und die Demokratie erhalten bleibt.

In diesem Sinne noch einen demokratischen Gruß nach Deutschland, wo jeder noch selber entscheiden darf ob er Demokrat ist oder NPD wählt.

Sinnender Surfer

PS: Bilder von Strand, keiner Sonne und Meer gibt’s wie immer bei bekanntem GMX-Account.

Samstag, September 30, 2006

Telefongespräche

Ich hab ein Telefon in meinem Apartment. Fabian, der Mann von Liz, hat auch ein Telefon in seinem Büro. Er arbeitet freiberuflich als Ingenieur und hat irgendwas mit Wasser zu tun. Die beiden Telefone hatten dieselbe Nummer. Deswegen klingelte ab und zu mein Telefon, obwohl ich noch niemandem meine Nummer gegeben hatte. Das habe ich noch nicht gemacht, weil ich das Telefon eigentlich gar nicht brauche. Telefonieren vom Internetcafé aus ist um ein Vielfaches günstiger.
Seinen Job, sich Gehör zu verschaffen, erledigt das Telefon in meinem Apartment überaus erfolgreich, sein Klingeln lässt sich wohl am besten mit markerschütternd beschreiben. Jedoch störten mich bisher die vereinzelten Anrufe von Fabians Kunden, nicht wirklich. Ich hab mich deshalb auch nie beschwert.
Umso überraschter war ich, als mir Fabian und Liz erzählten, dass sie beschlossen hätten, die beiden Leitungen zu trennen, und mir eine eigene Nummer zu geben. „Schön“, so dachte ich bei mir, „ich benutze das Telefon zwar nicht, aber es ist auch nicht das Schlechteste, wenn ich nun nicht mehr durch die vereinzelten Anrufe gestört werde“…..

Ich hab ein Telefon in meinem Apartment. Das ecuadorianische Arbeitsministerium hat auch ein Telefon. Die beiden Telefone haben wohl seit kurzem sehr ähnliche Nummern. Tatsache ist auf jeden Fall, seit ich die neue Nummer habe, bekomme ich ständig Anrufe von Leuten, die gerne mit jemandem vom Arbeitsministerium sprechen würden. Und diese Leute sind äußerst hartnäckig. Denn nimmt man mal einen Anruf nicht entgegen, so kann es schon vorkommen, dass man sich ein bis zwei Minuten an dem immer wiederkehrenden Bling, Bling, Bling des Telefons erfreuen darf. So bleibt mir also nichts anderes übrig, als die Anrufe anzunehmen und den überraschten Leuten zu erklären, dass sie mitnichten mit dem Arbeitsministerium sprechen. Ich bin mal gespannt wie lange es dauert, bis es alle Arbeitslosen geschnallt haben, dass das Ministerium eine andere Nummer hat. Bei 33% Arbeitslosigkeit hier im Land kann das aber noch etwas dauern…

Latacunga ist eine Stadt mit ca. 70 000 Einwohnern. Sie liegt ungefähr eineinhalb bis zwei Busstunden von Quito entfernt. Sie bietet eigentlich nicht sehr viele Attraktionen für Touristen. Das ändert sich schlagartig, an zwei bestimmten Daten im Jahr, an denen sich die Stadt in einem kleineren Ausnahmezustand befindet. An diesen Wochenenden im Jahr findet das traditionelle Fest „Mama Negra“ (=schwarze Mutter) statt. Zu diesem Fest strömen allerlei Menschen aus ganz Ecuador und unzählige Touristen in den Ort und besetzen alle Hostels, Hotels und andere Unterkünfte, so dass die Stadt, zumindest im Zentrum, aus vielen Nähten platzt. Ich hab mit das ganze Spektakel nicht entgehen lassen und bin zusammen mit Ulrike, einer Deutschen die auch bei Liz wohnt, und ein paar ihrer Kollegen nach Latacunga gepilgert.

Es stellt sich natürlich die Frage, was diese Fiesta denn so besonders und gleichsam anziehend für Touristen und Einheimische macht. Ich möchte mal behaupten, dass es unterschiedliche Gründe sind. Aber zunächst einmal zu dem Fest selbst.
Das Fest lässt sich wohl am ehesten als eine Mischung aus christlich katholischen und indianischen Ritualen beschreiben. Hier vermischen sich uralte Bräuche mit dem von den Spaniern eingeschlepptem christlichen Brauchtum. Hauptsächlich besteht das Fest aus einer großen Prozession, die sich durch die halbe Stadt schleppt. Hauptfigur dieses Umzuges ist die namens gebende „Mama negra“. Zu Pferde sitzend trägt sie eine schwarze Holzmaske, mit großen stechend schwarzen Augen, dicken, roten Lippen und einer tiefschwarzen Perücke. In der einen Hand wiegt sie ein ebenso schwarzes Baby mit Riesenschnuller, in der anderen befindet sich ein blasebalgähnliches Gummiding, mit dem die schwarze Mutter eine milchähnliche Flüssigkeit verspritzt. Um ihren Hals winden sich rosa Plastikperlenketten und bunt bestickte Tücher.
Begleitet wird diese abstruse Figur von allerhand anderen Gestalten, die ihr bisweilen in ihrer Schrägheit in nichts nach stehen. Es gibt Prinzen in lila Umhängen und mit großen Samtturbanen, es gibt zahllose Tänzergruppen, in unterschiedlichen Satinkostümen, die einstudierte Choreographien auf ihrem Weg durch die Menge zum Besten geben. Es gibt alle paar Meter eine Blaskapelle die ohne Unterlass das immergleiche, typisch südamerikanisch klingende Lied spielt. Es gibt Männer und Frauen in Soldatenuniformen, Pickelhaube und halbdurchsichtigen Masken, mit dickbäckigen rosa Wangen und Schnautzer.
Und dann ist da noch eine Gruppe von Leuten, die sich in weiße Hennenkostüme geschmissen hat, und aussieht, als sei sie der Hühner Ku-Klux-Klan und die ebenso weißen Maskenmänner mit orange-blauen Hütten und langen Tanzstäben.
Am herausragendsten aber sind diejenigen, die sich auf ihren Rücken eine ganz besondere Last geschnallt haben. Durch die Menge tanzend tragen sie einen Turm aus rohen, geschlachteten Meerschweinchen, Ecuadorfahnen und Whiskey- oder Rumflaschen. Überragt werden diese Elemente von einem dicken Schwein, vor dessen Schnauze meistens noch ein Bild der heiligen Jungfrau Mercedes befestigt ist. Diese Türme sind ein bis zwei Meter hoch und müssen wohl ziemlich schwer sein, denn immer direkt hinter den Träger laufen Männer mit kleinen Tischchen auf denen der Fleischalkoholturm zur Erholung abgestellt werden kann. Besonders an den steilen Hängen der Stadt ist dies auch bitter nötig und wird alle fünf bis zehn Meter durchgeführt.

Umgeben wird der Umzug von der mittanzenden und mitsingenden, interessierten Menge und unglaublich vielen, unglaublich unterschiedlichen Verkaufsständen. Die einen Verkaufen das gute, einheimische Pilsner Bier, andere gebratene Schweinsköpfe und wieder andere Bohrmaschinen und abgebrochene Puppenbeine.

Der Umzug startet morgens gegen zehn Uhr in der Frühe vor der Kirche La Merced, die ihren Namen von der schon erwähnten Jungfrau Mercedes hat. Dort bekommen die unterschiedlichen Gestalten den Segen der Jungfrau. Dazu versammeln sie sich vor dem Eingang der Kirche, vor dem eine lebensgroße Puppe der Jungfrau steht, und halten ab und zu eine kleine Rede oder bewegen sich rhythmisch zu den Klängen der Blaskapellen.
Danach beginnt dann der Marsch durch die Stadt. Dass ganze dauert bis nachmittags um fünf und zehrt wahrscheinlich ganz schön an den Kräften der Beteiligten.

Wenn man jemand fragt, was den bitte der Sinn hinter all den mysteriösen Handlungen ist, so erhält man oft sehr unterschiedliche Auskünfte. In meinem Reiseführer ist man sich nicht sicher ob es sich um eine Inszenierung der Einheimische über die Ausweisung der Mauren aus Spanien handelt, oder ob das Fest die Verbildlichung des starken psychologischen Schocks ist, den die Einheimischen erlitten, als die Spanier das erste Mal aneinander gekettete, afrikanische Sklaven durch Latacunga führten.
Der Mann an der Rezeption unsres Hotels erzählte uns hingegen, dass es bei dem Fest um die Verarbeitung der vielen Vulkanausbrüche des nahen Vulkans Cotopaxi geht, der die Stadt 1742, 1768, 1877 dreimal in ihrer Geschichte komplett zerstörte.
Meine Theorie zu dem ganzen ist diese: Die Ecuadorianer lieben es einfach zu feiern und suchen sich deshalb jede Gelegenheit in der das möglich ist. Dass nämlich bei dem ganzen Fest der Alkohol auch in Strömen fließt merkt man spätestens dann, wenn vereinzelte Betrunkene Schlägereien mit der ansässigen Bürgerwehr anfangen und die ersten Stühle fliegen.

Das wäre also der Grund der Einheimischen das Fest zu besuchen. Die Faszination für Touristen wie mich liegt wohl eher in dieser fremdartig anmutenden Prozession und dem verrückten Ablauf des Festes.

Am Abend des Festtages versammelt sich dann die halbe Welt auf einem großen Festplatz, der am Rand mit allerlei Vergnügungsspielebuden gesäumt ist und in dessen Mitte sich mehrere ca. fünf Meter hohe Türme befinden, die allesamt mit den unterschiedlichsten Feuerwerkskörpern behangen sind. Diese Türme werden unten angezündet. Die einzelnen Kracher entfachen sich dann von unten nach oben gehend selbst und bilden eine große Gesamtkomposition. An den Seiten sind meist große, hell leuchtende Feuerräder befestigt, die sich wild um sich selbst drehen. Den Abschluss an der Spitze bilden dann unterschiedliche Figuren die mehr oder weniger spektakulär in Brand gesetzt werden und oft auch noch Raketen in den Sternehimmel schießen. Dass es die Ecuadöner mit der Sicherheit nicht so ernst nehmen, wurde dabei schnell klar. Zum Beispiel gab es da einen Turm, an dessen Spitze sich eine Nachbildung der Mama negra befand. Einmal entzündet, begann selbige in wilden Bewegungen, die auffallend an Inspektor Gadget erinnerten, Raketen und Kracher in die umstehende Menge abzufeuern. Männern, die mit brennenden Feuerräder oder ähnlichem über ihren Köpfen wie verrückt umher rannten komplettierten das Chaos. Nicht verwunderlich war dann auch dass es einige Haarprachten oder Hemdärmel zu löschen gab. Es war auf jeden Fall ein riesen Spaß für die Überlebenden.
Von dem ganzen Spektakel in Latacunga gibt es viele Fotos und ein Video auf meinem geh-ehm-iks-Akaunt (wie der Ali ihm liebevoll getauft hat).

In den letzten zwei Wochen hab ich jeweils fünf Stunden pro Woche in der achten Klasse Mathe unterrichtet. Meine erste Stunde war schon noch ziemlich aufregend, aber mein Mentor war damals ganz zufrieden und meinte, dass es für den Anfang schon gut war. Die nächsten Stunden liefen dann immer flüssiger, und es macht echt Spaß mit der Klasse zu arbeiten. Die meisten sind eigentlich relativ gut in Mathe und sie sind auch wirklich interessiert und wollen was mitbekommen, und es ist nicht jedes Mal eine Qual bis man sie zum Arbeiten und Mitdenken gebracht hat. Ich musste auch noch nicht meine Rute herausholen und einige kleine Schülerhände wund und blau schlagen. Kleinere Ermahnungen waren bisher alles, was nötig war um die Bande im Zaum zu halten.

Es gab natürlich auch ein oder zwei Tiefpunkte. Letzten Freitag, zum Beispiel, hatte ich eine Doppelstunde, die ziemlich chaotisch war. Es war kurz vorm Wochenende und die Kids waren dementsprechend drauf und wollten nicht wirklich was arbeiten, sondern eher Poker spielen oder dergleichen. Mit der Situation wusste ich nicht so recht umzugehen und ich war relativ unflexibel, und hab stur an meinem Konzept festgehalten. Das war nicht so gut und hat auch nicht so viel Spaß gemacht, aber ich hab draus gelernt und die Doppelstunde gestern lief dann echt gut.

Was mich auch wirklich freut, ist, dass ich mich echt gut mit meinem Mentor verstehe. Unser Verhältnis wird eigentlich immer besser und beschränkt sich jetzt nicht immer nur darauf über den Unterricht oder die Schule zu reden oder strikt am Protokoll festzuhalten. Ab und zu diskutieren wir mehr oder weniger leidenschaftlich über Physikalische Probleme und rechnen zusammen daran rum um raus zu finden, wer Recht hat. Oder wir bauen zusammen ein Experiment auf und diskutieren wie man es noch verbessern kann. Und als ich ihm erzählt hab, dass ich nächstes Wochenende an den Strand will, war es erstmal überhaupt kein Problem den Freitag frei zu bekommen und er hat mir sogar noch angeboten sein Boogey Board auszuleihen. Das ist also eine schöne Sache.

Am Mittwoch war der erste Elternabend, den ich natürlich unbedingt sehen wollte. Ganz so spektakulär wie ich es mir vielleicht vorgestellt hatte, war es dann nicht, aber es war durchaus interessant. Jens, mein Mentor wollte den Elternabend eigentlich relativ kurz machen, kurz ein paar Sachen sagen, die Elternvertreter wählen und frühzeitig wieder zuhause sein. Den Eltern war dass anscheinend nicht so wichtig.

Die Elternvertreterwahl ist hier auch etwas Besonderes. Ich hab mich mit einer Mutter unterhalten und sie meinte, es sei auch schon vorgekommen, dass die anwesenden Eltern einfach ein Elternteil, das eben nicht anwesend war, einstimmig zum Vertreter bestimmt hätte, einfach weil sie meinten, derjenige hätte das noch nicht so oft gemacht und müsste sich jetzt eben mal opfern.

Bei der Wahl in Jens Klasse lief das zwar nicht so ab, war aber, wie so oft in Deutschland auch, relativ zäh. Die beiden Vertreter des letzten Jahres, die ziemlich engagiert wirkten, waren auch noch in anderen Komitees vertreten und wollten sich nicht noch mehr Arbeit aufhalsen. Mit derselben Ausrede, nämlich „mucho trabajo“ (=viel Arbeit), verzichteten dann auch die meisten anderen Eltern und es dauerte ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde bis sich zwei Elternteile dazu bereit erklärt hatten, dieses Joch zu tragen.

An dem was danach sollte, konnte man vielleicht ein klein wenig erkennen, oder auch nur erahnen, warum die Regierungen und Politiker hier nicht so viel auf die Reihe bekommen. Es gab allerlei Diskussionen über die Sicherheit der Kinder, ob man deutsche oder ecuadorianische Geschichte unterrichten sollte und wie schwer denn dass neue Schuljahr für die Schüler werden wird. Ein Merkmal dieser Diskussionen war, dass viele Leute gerne viele Worte machten und doch nicht vieles sagten, oder vieles einfach redundant war. So war es dann nichts für Jens mit früh heimkommen und auch ich war erst um zehn Uhr zuhause.

Zum Abschluss würd ich gerne noch einen kleinen Wettbewerb ins Leben rufen. Da ich ab und zu doch ein klein wenig Zeit hab, ich die meisten Bücher aber, die ich aus Deutschland mitgebracht hab, schon durchgelesen hab und die Bücher hier relativ teuer sind, greife ich doch von Zeit zu Zeit zu meinem Laptop um mich zu vergnügen. Da dieser für Vergnügungsfreudige nicht so viel zu bieten hat, muss ich mich mit so Spielen wie Minesweeper rumschlagen, was aber eigentlich auch viel Spass macht. Naja lange Rede, kurzer Sinn, ich werde meine Bestzeiten von Minesweeper auf den GMX-Account hochladen und wer mag kann versuchen, sie zu schlagen. Den Leuten die es schaffen, versprech ich jetzt schon mal, jedem ein halbes Kilo Kokain aus Kolumbien, oder wahlweise ein rasiertes Meerschweinchen mit zu bringen. Wobei eigentlich die Ehre und der unglaubliche Ruhm, der den Siegern zu Teil werden wird, Ansporn genug sein sollte.

Deswegen schließe ich heute auch mit dem sportlichen Gruß: „Waldmannsahoi“

Arbeitsamtangestellter


PS: Meinen ersten Besuch beim Frisör haben doch tatsächlich ein paar Haare überstanden und für vier Dollar hab ich einen ganz guten Schnitt bekommen. Beweisfotos folgen.

Dienstag, September 19, 2006

Mein Opa hat Geburtstag, tralalala...

... und dafür wünsch ich ihm alles alles gute und vor allem viel Gesundheit. Ich bezweifel zwar, dass er sich die Internetseite auf seinem Laptop anschaut, aber vielleicht kann ihm ja jemand meine Glückwünsche ausrichten.

Also Opa, alles gute und ich hoff du feierst schön, und lässt die Puppen tanzen :-)

Dein Andi

Sonntag, September 17, 2006

Das erste Mal

Ja, ja, das erste Mal birgt mancherlei Überraschung und Erfahrung, mit der man zuvor vielleicht gar nicht gerechnet hätte. Dabei können allerlei Missgeschicke passieren, und man kommt sich im Nachhinein ganz schön naiv vor. Es wäre manchmal vielleicht ganz gut gewesen, wenn man jemand gehabt hätte, mit dem man vorher darüber hätte reden können und der einen vor den gröbsten Schnitzern bewahrt hätte. Aber wem soll man sich in so einer heiklen Sache schon anvertrauen. Es sind wohl einfach Erfahrungswerte die man für sich selbst sammeln muss. Traurig aber wahr. Wovon ich eigentlich rede:

Mein erstes Mal mit der Wäscherei!

Da ich hier in meinem Apartment nicht selbst waschen kann, muss ich meine ganze Wäsche zu einer Wäscherei schleppen und dort waschen und bügeln lassen. Das muss ich so alle zwei Wochen machen. Mein erstes Mal ist also jetzt schon wieder ungefähr zwei Wochen her. Warum ich erst jetzt darüber schreibe, werdet ihr, denke ich bald verstehen.
Da ich mich mit den Gepflogenheiten der Wäschereien hier nicht so auskannte und auch etwas sehr faul bin, hab ich mein erstes Mal immer weiter hinausgezögert, bis mich, eines Tages, aus meinem Kleiderschrank nur noch zwei einsame Unterhosen und ein Paar Socken traurig anschauten. Es wurde also höchste Zeit, die Sache anzugehen.

Man hat vom ersten Mal ja schon einiges gehört, kann sich es aber nie so richtig vorstellen es auch selbst zu tun. Aber es gab jetzt wohl kein zurück mehr, wenn ich nicht ohne Unterhose in die Schule gehen wollte, und so weit ist mein Schamgefühl noch nicht zurückgebildet.

Ich pack also meine schmutzige Wäsche in zwei Plastiktüten, eine von Karstadt, eine vom Supermaxi (ist hier eine große Supermarktkette), und mach mich auf den Weg zur zwei Blocks entfernten lavanderia (=Wäscherei). Durch eine mit Gitterstäben geschützte Tür, begrüßt mich eine überaus freundliche Frau. Die Tür hat eine kleine Durchreiche, durch die man sein Hab und Gut an die Frau übergeben kann. Es dauert eine kleine Weile, bis ich ihr begreiflich machen kann, dass die eine Tüte nur zum Waschen, die andere zum Waschen und Bügeln ist. Aber irgendwann hat sie’s kapiert, wiegt meine Tüten und schreibt mir die Rechnung. Es kostet etwas weniger als zehn Dollar. Ein ganz annehmbarer Preis, finde ich und ziehe, sehr zufrieden mit meinem ersten Mal wieder von dannen. Siehste, is doch gar nich so schlimm wie alle sagen.

Zwei Tage später, wie von der Frau geheißen, komm ich wieder, bereit, meine blitzeblanke, flunderflachgebügelte Wäsche in Empfang zu nehmen. Wieder werde ich durch weiße Gitterstäbe mit weißen Strahlezähnen begrüßt. Die ungebügelte Wäsche ist in einem großen durchsichtigen Plastikbeutel gebündelt, die gebügelten Sachen sind sauber und ordentlich in mehreren kleineren Beuteln untergebracht. Es macht alles einen sehr sauberen Eindruck.

Aus dem einen Beutel grinsen mich rote Cavin Klein Eierbecher (das sind Unterhosen, für alle Unwissenden) an. Schön, denke ich, bis auf die Tatsache, dass ich solche gar nicht besitze. Ich weiße die Frau darauf hin und sie meint, ich solle doch erst mal alles nach Hause nehmen und dann einfach die Sachen raussuchen und wiederbringen, die mir nicht gehören.

Zuhause stelle ich fest, dass sich auch noch zwei mir unbekannte, olivgraugrüne, hässliche T-Shirts, in den Beuteln befinden. Dazu kommen noch fünf weitere Calvin Klein Unterhosen. Dafür fehlen meine wunderschönen H&M Boxershorts und zwei T-Shirts von mir. Auf höfliches Anfragen, bei der Frau mit dem Dauerlächeln, meint sie, ich solle doch morgen noch mal wieder kommen, sie kläre das bis dahin mit dem Mann von der Wäscherei, por favor.

Nach zwei weitere Tage bekomme ich die erste Anzahlung meiner Kleider. Die Boxershorts. Auf die T-Shirts warte ich noch mal ungefähr zehn Tage. Letzten Donnerstag dann hatte ich wieder alles zusammen.

Heute musste ich wieder meine Kleider hinbringen. Aber ich hab dieses Mal immerhin noch drei Reserveunterhosen und ich hab Buch geführt über jedes Stück, dass ich abgegeben hab. Man lernt ja schließlich aus dem ersten Mal und sagt man nicht es solle von Mal zu mal schöner werden…

Letzten Freitag hatte ich ein weiteres erstes Mal. Mein erstes Mal auf einer ecuadorianischen Behörde.

Wenn man, wie ich, ein Visum für Ecuador besitzt, muss man das bis spätestens dreißig Tage nach Ankunft registrieren lassen. Freitag war der achtundzwanzigste Tag.
Als ich in Deutschland mein Visum bekommen hab, bekam ich gleichfalls einen Zettel auf dem draufstand, wann ich wohin gehen muss, welche Unterlagen ich mitbringen muss und wie viel Geld ich für die Registrierung bezahlen muss.
Ich nehms mal vorne weg, bis auf die dreißig Tage hat keine der Angaben gestimmt, bzw. war keine der Angaben vollständig. Aber der Reihe nach.

Eigentlich wollte ich schon am Donnerstag zu der Einwanderungsbehörde gehen. Die hat hier den schönen Namen: La Direccion General del Extranjero del Gobierno.
Auf dem Zettel stand die Straßenecke an der das Gebäude sein sollte. Dort standen zwei Prachtbauten, die alle irgendwas mit Extranjero im Namen hatten. Ich war natürlich in beiden und in beiden war ich falsch. Die Behörde zu der ich hinsollte, war gegenüber auf der anderen Straßenseite, zu erreichen über einen kleinen Nebeneingang in einem Hochhaus von Toyota.

Als ich dann dort war, erklärte mir ein Polizist, dass die Behörde nur morgens von 9.30 Uhr bis 12 Uhr auf hat. Ich solle doch morgen früh wiederkommen, por favor.

Am nächsten Tag hatte die Behörde tatsächlich offen. Als ich im vierten Stock ankam, hab ich, wie es sich gehört, einen Zettel gezogen, und vielleicht zwanzig Minuten gewartet. Das geht ja schnell, frohlockte schon mein Unwissendes ich.
Doch der ältere Herr am Schalter gab mir auf meinen Erklärungen, was ich denn hier will, einen Zettel in die Hand, auf der die Adresse der Behörde stand zu der ich eigentlich sollte. Die war mehr oder weniger fünfzehn Blocks entfernt.

Also ab in den Bus und die fünfzehn Blocks abgefahren. Als ich an der anderen Behörde ankam, war es dann schon so kurz nach zehn.
Auch hier ist das Gebäude eher unscheinbar und auch hier muss man in den vierten Stock gehen. Oben angekommen muss man sich in ne etwas längere Schlange stellen. Nach einer Weile in der Schlange, fällt mir auf, dass so ziemlich alle Leute in der Schlange ihre Unterlagen in einem gelblichen DIN A4 Umschlag haben. Auf Nachfrage heißt es dann, dass die Behörde nur die Unterlagen annimmt, die in einem solchen Umschlag und einem Ordner präsentiert werden. Auch davon stand natürlich nichts auf meinem Zettel, den ich so hoffnungsvoll aus Deutschland mitgebracht hatte. Also bin ich wieder raus aus der Schlange, die vier Stockwerke nach unten und hab einen Schreibwarenladen gesucht.

Wie es der Zufall will, stehen am Eingang des Gebäudes, zwei über beide Ohren grinsende Einheimische, die Ordner und Umschlag zu je 25 Cent verkaufen, was natürlich für deutsche Verhältnisse, nicht sehr viel ist, für hier aber, und da bin ich mir sicher, ein Wucherpreis ist. Naja, ob diese beiden seriösen Geschäftsmänner nun ein Abkommen mit der Regierung haben oder nicht, war mir dann auch egal. Ich wollte nur so schnell wie möglich einen Ordner und einen Umschlag.

Mit diesen beiden Utensilien wartet man dann, mehr oder weniger eine halbe bis dreiviertel Stunden. Dann wird man zum ersten Beamten vorgelassen. Der schaut sich die Unterlagen kurz an, macht ein zwei Hacken, und gibt dir einen grünen Pappzettel zu deinem Umschlag (Codename: Passierschein A 38).

Damit geht man sich dann in die nächste Schlange anstellen. Diesmal ungefähr ne viertel bis halbe Stunde Wartezeit. Der Beamte hier, füllt wieder etwas aus, gibt dir einen Wisch für ne Bank mit, zu der du dann gehen musst und zehn Dollar (und nicht acht, wie auf meinem Zettel beschrieben) zahlen musst. Die Bank ist ungefähr sechs Blocks weg, dass dauert also auch noch mal ne dreiviertel Stunde. Zurückkommen, heißt dann wieder sich in die Schlange einreihen und wieder ne halbe Stunde warten, bis man dann schließlich fertig ist. Und das in einem wirklich ganzheitlichen Sinne.

Insgesamt, war ich von zehn bis halb zwei in der Behörde. Fürs erste hab ich eigentlich genug von den ersten Malen. Leider sollte ich nächste Woche mal zum Frisör gehen. Wieder so ein erstes Mal. Bin mal gespannt, was mich da für Überraschungen erwarten. Vielleicht bekomm ich ja bald ne Glatze…

Ach ja, so neben her geh ich auch noch zur Schule. Die letzten eineinhalb Wochen waren sogar schon Schüler da. Mein Tagesablauf sieht üblicherweise so aus:
Ich steh um 5.45 Uhr auf, versuche, die Kälte und die Leere in meinem Körper mit einem Tee und einem Müsli zu vertreiben, bevor ich um 6.30 Uhr an der Straße stehen muss, um den Schulbus zur Schule zu nehmen. Der Bus benötigt etwas weniger als ne dreiviertel Stunde nach Cumbaya, wo die deutsche Schule sich befindet.
In der Schule hab ich mir die letzten zwei Wochen so durchschnittlich 15 – 18 Stunden Unterricht angeschaut und versucht so viel wie möglich darüber zu lernen, was es heißt ein guter Lehrer zu sein. Die Lehrer sind eigentlich alle sehr offen für Unterrichtsbesuche, deswegen ist es auch eigentlich kein Problem, sich viele verschiedene Lehrer anzuschauen. Die Schüler reagieren von Ignorieren, über kurzes Nachfragen, bis Chips unter der Bank anbieten, ganz unterschiedlich auf mich, aber anscheinend sind es die meistens gewöhnt, dass ihnen jemand beim Unterricht zuschaut.

Das Schulleben, scheint mir doch etwas anders als in Deutschland. In Deutschland hatte ich oft das Gefühl, dass die Lehrer sehr darauf bedacht sind, die Distanz zu den Schülern zu wahren, und diese auch ja nie zu unterschreiten. Hier ist das ganze etwas persönlicher, möchte ich es mal nennen. Die Lehrer haben hier, glaub ich, nicht so viel Angst, ihre Autorität durch zu viel Nähe zu verlieren. Dass fängt schon damit an, dass das Lehrerzimmer ein großer, mit vielen Fenstern durchleuchteter Raum ist. Jeder Schüler kann reinschauen, und die Lehrer genauer begutachten. In den Pause, gibt es oft große, lange Schlange vor dem Lehrerzimmer und es ist niemand da der den Schüler die Tür vor der Nase zuschlägt und ihnen noch „In den Pausen nicht!“ hinterherschnauzt. Manche Lehrer bekommen High Five zur Begrüßung von den Jungs, und ein Küsschen auf die Wangen von den Mädchen. So was, wär in Deutschland glaub ich, schon sexuelle Belästigung.

Auch der Unterricht kann manchmal schon sehr anders sein. In höheren Klassen, kann es schon vorkommen, dass, sobald ein Mädchen an die Tafel geht um etwas vorzurechnen, alle Jungs anfangen ihr hinterherzupfeifen und Knutschgeräusche zu machen. Das Macho-Gen steckt also auch schon in den jungen Exemplaren der Spezies Latinoamerikaner.

Das Klassensystem hier ist sehr verwirrend, selbst ich bin jetzt nach knapp drei Wochen noch nicht so ganz durchgestiegen. Es gibt zum einen Nationale Klassen, in denen nur ecuadorianische Schüler sind. Diese werden fast ausschließlich auf Spanisch unterrichtet, haben Deutsch als Fremdsprache und ab und zu einen Fachunterricht auf Deutsch.
Dann gibt es Deutsche Klassen, in denen nur auf Deutsch unterrichtet wird und in denen, zumindest bis zur zehnten Klasse nur deutschstämmige Burschen und Mädels vertreten sind. Dann gibt es neben den deutschen Klassen noch so genannte DF Klassen, in denen Seiteneinsteiger drin sind. Das sind sehr gute ecuadorianische Schüler, die einen Spezialkurs bekommen und nach der zehnten in eine deutsche Klasse wechseln können.

Nach der zehnten Klasse, werden dann nach bestimmten Auswahlkriterien, die besten Ecuadorianische Schüler ausgewählt und haben die Möglichkeit das deutsche Abitur zu machen.

Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass es meist auch schon in den unteren Klassen in den deutschen Kurse einige Schüler gibt, die zwar deutschstämmig sind, also eine deutsche Mutter oder einen deutschen Vater haben, aber nicht so gut deutsch sprechen. Das heißt man muss in seinem Fachunterricht sehr aufpassen, welche Worte man wählt, man muss vieles von den Schülern wiederholen lassen, um zu überprüfen, ob sie auch verstanden haben, was man sagen möchte. Auch bei vielen Textaufgaben, muss man erst mal überprüfen, ob die die Worte verstanden haben, bevor man sich daran machen kann, ihnen Mathe oder Physik beizubringen. Es geht also alles etwas langsamer und das Leistungsniveau ist auch um einiges niedriger als an vielen Gymnasien in Deutschland.

Am nächsten Montag werd ich meine erste Stunde halten. Einer achten Klasse werde ich versuchen beizubringen, wie man Terme umformt, vereinfacht, aufstellt, auswertet usw.
Momentan bin ich grad in den Vorbereitungen. Das erweist sich schwieriger als man denkt, wenn man so was noch nie gemacht hat. Aber mein Mentor hilft mir einiges, und hat sich heut auch Zeit genommen, sich mit mir hinzusetzen und über meine Pläne zu diskutieren. Das hat Spass gemacht und hat mir auch was gebracht. Er meinte die Vorbereitungen, bzw. die Ideen wären gut und er sei gespannt, wie der Unterricht am Montag dann wird. Ich meinte, man kann auch die besten Vorbereitungen noch ordentlich in den Sand setzen. Er meinte: Stimmt! und hat gelacht.

Soweit von mir. Ich freu mich wie immer natürlich über jede Rückmeldung. Ach ja, der Frage wegen, wer denn das Eis für die verständlichste Erklärung bekommt: Ich finde Hansi und Martin haben sich beide eins verdient, von daher muss ich wohl schon mal sparen bis ich wieder komm. In diesem Sinne, lasst es euch gut gehen und always keep the head up

Lernender Lehrer

PS: Am Wochenende war ich im alten, kolonialen Teil von Quito und hab ein paar Bilder geschossen und die natürlich wieder auf meinen gmx-Account hochgeladen. Für alle die zu faul sind des Passwords wegen nach unten zu scrollen, sei es hier noch mal aufgeführt:
andy_goes_ecuador@gmx.de">andy_goes_ecuador@gmx.de
comein06

Sonntag, September 03, 2006

Das Spielfeld der Ehre

Am Samstag hatte ich mein erstes offizielles Fußballspiel mit der Mannschaft meines ehemaligen Spanischlehrers Efrain Condor. Die Mannschaft nennt sich Tottenham.

Jedes Viertel in Quito hat seine eigene Liga, manchmal auch mehrere Ligen, so wie ich das bis jetzt mitbekommen hab, wobei ich da noch nicht ganz durchgestiegen bin. Das Viertel in dem Efrain wohnt und Fußball spielt befindet sich im Nordosten Quitos, nennt sich Comite del Pueblo und gehört eher zu den ärmeren Vierteln Quitos.
Es gibt in dem Viertel etwas mehr als hundert Fussballmannschaften und zwei Fussbalfelder! Das hat zur Folge, dass man meist nur jedes zweite Wochenende ein Spiel hat. Man erfährt auch erst mittwochs zuvor auf welchem Fussballfeld man spielt.

Das Spiel fand auf dem Spielfeld, mit dem aussagekräfitgen Namen „Nummer eins“ statt. Um von meiner Wohnung dahin mit dem Bus zu gelangen, hab ich heute etwas mehr als eine dreiviertel Stunde gebraucht. Den Unterschied zum touristischen und etwas reicheren Zentrum Quitos merkt man schon in den ersten Minuten, wenn man in das Viertel hinein fährt. Etwas mehr Chaos und Durcheinander, viel weniger angestrichenen Häuser, statt dessen blanker Betonputz. Es gibt im ganzen Viertel nur eine Ampel und keinen einzigen weisshäutigen, flipfloptragenden, fotoknipsenden Gringo. Da fühlt man sich schon mal etwas mehr wie ein Ausländer. Aber es war ne schöne Sache, nicht nur das für Touristen aufgeräumten Zentrum zu sehen, sondern dahin zu gehen, wo die Leute wirklich wohnen.

Das Spielfeld besteht hauptsächlich aus Staub, kleineren bis mittelgroßen Steinen, Betonputz und grauem Sand. Hier traut sich, glaub ich, kein Grashalm her. Der Platz ist umgeben von zwei bis zweieinhalb Meter großen Betonwänden und hat eine kleine mit Eisengitter geschützte Tribüne. Ein typisches Hinterhofstraßenfussbalfeld also. I loved it.

Jeder Spieler muss 25 Cent bezahlen um das Spielfeld benutzen zu können. Das Spiel sollte um vier Uhr nachmittags beginnen. Ich war um ca. zwanzig nach drei da. Ich war der dritte, nach dem Trainer und dem Manager der Mannschaft. Die ersten Spieler kamen dann so gegen viertel vor vier.

Der Ball war hart und leicht, genau so wie er nicht sein sollte. Zusammen mit dem holprigen, steinigen Platz waren das also genau die Vorraussetzungen, die ich als Ausnahmetechniker benötige um meinen Zauberfussball zu zelebrieren.

Es waren ungefähr zwanzig bis dreißig Zuschauer da, wobei die meisten wohl eher der gegnerischen Mannschaft, zugeneigt waren, das ließ sich aus ihren lautstarken Anfeuerungsrufen schließen.
Auch während dem Spiel gab es, fast wie zuhause, die vielen Reinbrüller, die sich jederzeit mit kehligen Rufen Gehör verschafften. Was zur Abwechslung mal ganz angenehm war: Hier versteh ich die ganzen sinnentleerten Phrasen nicht.

Die Gegner nannten sich „Esperanza“, was Hoffnung heißt. Hoffnung war auch das einzige was ihnen bis zum Ende blieb. Die Punkte behielt meine Mannschaft.

Das Spiel endete 11 zu 9 für uns. Ich hab einen Elfmeter verursacht, ein Tor vorbereitet und eines geschossen. Lief also alles wie immer :-)
Das Ergebnis spiegelt auch durchaus die Fähigkeiten ecuadorianischer Mannschaften wieder. Technisch sehr beschlagen, im Spiel nach vorne äußert spielfreudig und intelligent, in der Abwehr spielen sie aber so wie sie Auto fahren. Harakiri und totales Chaos. Da konnte selbst meine ordnende Hand nichts mehr retten… hüstel :-) Naja, um ehrlich zu sein, eigentlich hatte ich ziemlich zu kämpfen selbst die Übersicht zu behalten, zumindest in der ersten Hälfte, als ich in der Abwehr gespielt habe.

In der Halbzeit stand es drei zu drei und es gab einen Campingplastikbecher voll Wasser. Da es aber nur einen Becher für alle gab, musste man sich etwas gedulden, bis man seine staubtrockene Kehle etwas benetzen konnte.

Ach ja was auch ganz witzig war: Die Torwarte hier. Nette Kerle, wirklich, aber man freut sich über jeden Ball den sie mal fangen. Ein beliebter Trick ist hier deswegen auch: Einfach mal beim Anspiel aufs Tor schießen. Der Torwart wird ihn sich dann schon selbst irgendwie reinfummeln. Hat auch tatsächlich einmal geklappt. Leider war unsere Mannschaft die Leidtragende.

Was mir auch noch sehr heimatliche Gefühle verursacht hat: In der letzten Minute musste natürlich noch jemand wegen Meckerns vom Platz und es gab noch einen Elfmeter. Der änderte zwar nichts mehr am Ergebnis, war aber noch ne schöne Sache für die Zuschauer. Als Schiri ist man ja auch immer etwas Entertainer und verantwortlich für die Unterhaltung der Zuschauer.

Duschen gab es natürlich keine. Das bedeutete mit staubigen, schweißnassen Füßen in die Socken und Jeans. Mann, was ein schön schmieriges Gefühl…

Im Moment, so ca. drei Stunden nach dem Spiel, schmerzen mir meine Fersen, von dem harten Spielfeld, ich hab beide Ellebogen aufgerissen und bin froh einen schönen, erfahrungsreichen Tag hinter mir zu haben.
Vielleicht geh ich heut Abend noch Salsa tanzen. Gegen den Muskelkater. Sozusagen das Auslaufen nach dem Spiel…

Bis bald

Ballverliebter Bub

Donnerstag, August 31, 2006

Geschichten aus dem Indianerdorf oder Komm auf die Spassseite der Erde

Schwupps schon wieder mehr als einen Woche vorbei.

Als erstes möchte ich mich für die vielen Comments bedanken. Es freut mich wirklich sehr so viele positive Zuschriften zu bekommen und zu erfahren, dass es wirklich Leute gibt, die sich für das, was ich schreib interessieren. Muchas Gracias

Letzten Mittwoch war ich am Mitad del Mundo. Für alle nicht Spanischsprechenden: Das ist der Mittelpunkt der Welt. Ganz so gewichtig, wie der Name klingt, ist die Sache zwar nicht, es gibt schliesslich noch ca. 40 000 andere Kilometer auf der Erde, die sich so nennen dürfen, aber es war doch ganz schön interessant. Das hatte zwei Gründe und beide befanden sich in einem Museum mitten am Äquator. Dort ging es zum einen eben um den Äquator und zum anderen darum, wie die Ureinwohner, die Indigenas früher so gelebt und geliebt haben. Beides war sehr aufschlussreich.

Um meinem Blog mal etwas interaktiver zu machen: Jeder der mag, kann nun mal kurz auf die Toilette gehen, die Spülung betätigen und beobachten in welcher Richtung das Wasser abfliesst. Wenn ich mich nicht ire und ihr keinen Motor in eurer Toilette eingebaut habt, müsste das Wasser bei euch, da ihr euch auf der Nordhalbkugel befindet, gegen den Uhrzeigersinn ablaufen. So und jetzt dürft ihr mal raten, wie es hier auf der Südhalbkugel der Erde abläuft. Natürlich genau andersherum. Das war jetzt nicht so schwer zu erraten. Etwas schwerer ist es schon, verständlich zu erklären, warum das so ist, oder z.B was mit dem Wasser passiert, wenn man sich geanu am Äquator befindet. Letzteres könnt ihr (hoffentlich) bald auf meinem gmx-Account nachschauen, da wird es dann ein Video davon geben.
Wer ersteres so erklären kann, dass es auch nicht Physikstudenten verstehen können, den lade ich auf ein Eis ein, sobald ich wieder in Deutschland bin.

Neben dem Experiment mit dem Wasser konnte man natülich noch jede Menge anderen Schabernack mit dem Äquator treiben. Man konnte beispielsweise ein Ei auf einem Nagel balancieren oder das beliebte Spiel “Komm auf die Spasssseite der Erde” spielen. (Wer dern Film “Madagascar” gesehen hat, weiss wie spassig das ist J

Zu den Indigenas. Die lebten damals (wann immer das auch war) in Hütten, die sie aus trockenem Gras, Lehm, Holz und Palmen zusammenbastelten. Dort lebte, so wie es sich gehört, die ganze Familie unter einem Dach. Die Kinder durften sogar, bis sie zwei Jahren alt waren, alle! im Bett der Eltern schlafen. Und die Familien damals waren sehr kinderreich!
Das Secleben der Eltern wurde dadurch aber nicht gestört, denn die Indios glaubten daran, dass die Frau viel fruchtbarer ist, wenn sie die gute alte Mutter Erde berührt, während Mann und Frau sich vereinigen. Von daher hatten sie ihrem Spass unter freiem Himmel. Ist vielleicht ein gutter Tipp für ungewollt kinderlose Paare: Statt Genexperimenten und Samenzellen frosten einfach back to the roots und raus in Garten….

In ihren Hütten hielten sich die Indios Meerschweinchen aus zweierlei Gründen. Zum ersten sind Meerschweinchen extreme sensible, was Vulkanausbrüche angeht, zum zweiten hatten sie sie zum Fressen gern.

Meerschweinchen sind bis heute noch eine Delikatesse in Ecuador. Wenn man als süssehaustiereliebhabender Europäer mal frägt, wie man denn nur so ein putziges, süsses, kleines, kuscheliges Etwas essen könne, dann bekommt man meist die Antowort:

Es ist Fleisch, oder?

So eine pragmatische Antwort könnte auch von Hajo stammen.

Einen Brauch der Indigenas fand ich noch sehr nachahmenswert. Bevor es einem Mann erlaubt war zu heiraten, musste er folgende kleine Aufgabe erledigen:
Er musste aus einem einzigen, langen Baumstamm ein Boot schnitzen und das Boot musste mit samt seiner ganzen Familie (Vater, Mutter, Geschwister…) an Bord auf dem Wasser schwimmen. Schaffte er es nicht, wars au nix mit heiraten. Bei so einem Brauch würde sich Tim Taylor die Hände reiben und Jörn immer noch Junggeselle sein.

Zwei Strassenszenen, die ich im vorbeifahren erlebt habe.

Am Montag fuhren Liz, Fabian und meine Wenigkeit in den Süden Quitos zu einem Einkaufszentrum. Auf unserem Weg kamen wir an einem der vielen kleinen Tante Emma Läden vorbei. Ein Mann lag davor auf der Srasse und ein Polizist stand daneben, ansonsten liefen ganz normal die Leute am Laden vorbei. “Muss wohl ein Toter sein” meinte Liz ernst….

Gestern Morgen bin ich mit Liz und einer anderen Lehrerin aus der deutschen Schule zu eben dieser gefahren. Mitten an einer Kreuzung gab es wohl ein Auffahrunfall, denn es standen dort zwei Autos, von denen das eine die Front und das andere das Heck ziemlich verbeutlt hatte. Als wir ankamen, liefen die beiden Fahrer gerade mitten auf der riesigen Kreuzung, umringt vom alltäglichen Verkehrschaos hupender und wartender Autos aufeinander zu, stritten sich wild gestikulierend, der eine gab dem anderen eins auf die Fresse, woraufhin dieser blutete. Erst dann stiegen sie wieder in ihre Autos um an den Rand zu fahren…

Am Wochenende war ich mit Charly und seinen Freunden noch mal in Otavalo auf dem Markt. Was mich dieses Mal besonders nachdenklich gemacht hat, bzw. Was mich auch schon das ein oder andere Mal in Quito nachdenklich geamcht hat, sind all die alten, jungen, dicken dünnen, kleinen und noch kleineren Leute, die betteln oder bettelarm sind.
Generell gibt es zwei Arten von armen Bettlern. Die einen hätten gerne Geld und bieten dafür eine Gegenleistung, wie Schuheputzen oder irgendeine artistische Einlagen an einer Strassenkreuzung, wie z.B. mit dem Ball jonglieren, die Anderen woollen nur Geld.

Was mich in Otavalo nachdenklich gestimmt hat, war ein wirklich unglaublich kleiner, wirklich unglaublich alter, in schmutzige Fetzen gehüllter, barfüssiger, schrumpeliger Mann, der mich mit einem dieser unendlich traurigen Blicken um etwas Geld bat.
Mein bisheriges Verhalten, was Bettler anging , war eher inconsequent. Den Leuten, die etwas vorführten, hab ich moistens etwas gegeben, allen anderen, nur ganz selten, wobei es eher willkürliche Gemütsschwankungen waren, die den Ausschlag gaben, wem ich etwas gab und wem nicht. Ich hatte mir zumindest auch noch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, wie ich damit umgehen will. An diesem Tag in Otavalo hab ich gemerkt, dass es an der Zeit ist, dass ich mir mal darüber im Klaren werde.

Ich habe den Mann zunächst, wie ich es schon so oft gemacht hab, mit einem lo siento (es tut mir leid) und einem Kopfschütteln abgewehrt. Normalerweise genügt das den leuten und sie trotten traurig weiter und man kann so tun als ob nichts gewesen sei. Dieser jedoch wolle wohl nicht so schnell aufgeben und hat mich mit seiner, für mich überraschend starken Hand, festgehalten, an mir gezerrt und mich immer weiter angeschaut. Und mit dieser Situation, war ich echt überfordert. Ich hab eigenlich immer nur no und lo siento gesagt und wollte ihn loswerden, aber es kostet doch einiges an Überwindung einen alten Mann mit Gewalt abzuwedeln. Naja nach einer kleinen Ewigkeit hat er dann losgelassen und ich bin woanders hingegangen.

Seit dem mach ich mir einige Gedanken dazu wie man mit Bettler umgehen sole, wem man etwas geben sollte, wem nicht, oder ob man überhaupt etwas geben sollte, um sie nicht noch betteln zu ermutigen. Auch in wieweit man sich vom Leid anderer Menschen anrühren lassen sollte oder ob man sich vielleicht selbst schützen muss indem man so etwas nicht an sich ran lässt.

Falls jemand von euch dazu ne Meinung hat, würd ich mich freuen, wenn er einen kleinen Comment schreibt oder mir einfach ne Mail schickt (andy_latte@web.de) .

Diese Woche ist die Vorbereitungswoche and der deutschen Schule und ich bin dabei. Dass heist am Montag war ich das erste Mal an meiner neuen Wirkungsstätte. Die

Deutsche Schule liegt in Cumbaya, dass ist ein Tal, östlich von Quito, welches etwas tiefer als Quito liegt und welches deshalb um einiges warmer und grüner ist. Es ist auf jeden Fall eine sehr beliebte Wohngegend.

Die SChul an sich ist wirklich nur schwer mit einer Schule in Deutschland vergleichbar. Zumindest äusserlich. Das Gelände ist sehr gross, die Wege breit, mit Sandsteinen gepflastert und mit Blumenbetten und Palmen gesäumt. Alles ist wirklich sehr bunt, es ist fast wie auf einer dieser Hotelanlagen in der Südsee. Dieser Eindruck wird dadurch noch verstärkt, dass es nicht nur ein Gebäude gibt, sonder sehr viele, die alle vergleichbar mit Bungalows auf dem Gelände verteilt sind.
Das Schulgelände beherbergt einen Kindergarten, die Primaria (1. – 6. Klasse), die Sekundaria (7.-12. Klasse) und eine Berufschule. Zusätzlich gibt es noch extra ein Verwaltungsgebäude mit Bibliothek, Lehrerzimmer und Computerräumen, eine Cafeteria, eine grosse Sporthalle, ein Schwimmbad und einen Fussbalplatz. Auf dem gesamten Gelände rennen Bedienstete rum, die den Garten pflegen oder irgendwelche Instandsetzungsarbeiten erledigen. Man fühlt sich also wirklich wie in einem All Inklusive Hotel.

Die Lehrer sind bunt gemischt, aber es gibt überraschen viele junge (gut aussehende) Lehrerinnen und Lehrer. Die Mehrzahl sind Ecuadorianer, es gibt aber auch viele Deutsche hier. Mein Mentor, Jens Mitad, ist 38 kommt aus Hamburg und ist wirklich sehr nett. Ich versteh mich , so weit man das bisher sagen kann, gut mit ihm.
Ich fühl mich also ganz wohl hier. Mal sehen, ob das so bleibt, wenn die Schüler kommen…

So weit is gut für heut. Schon wieder so lange geworden.
Nächstes Mal erzähl ich ein bisschen mehr von meinem Schulalltag.
Bis dahin

Allen Alles Angenehme Andy

Montag, August 21, 2006

Vorlieben

Hola alle zusammen

Etwas mehr als eine starke Woche bin ich nun hier und es ist
manchmal echt erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue
Umgebung gewöhnt und wie schnell einem das Leben hier zum Alltag
wird. Wobei mir eigentlich jeden Morgen, spätestens wenn ich in den
Bus einsteige, wieder aufs Neue gewahr wird, dass ich doch nicht in
Deutschland bin, sondern in einer anderen Welt.

Das mit dem Bus funktioniert hier eigentlich ganz gut, falls man
sich auskennt. Man stellt sich einfach an den Straßenrand, und
streckt den Finger raus, wenn der richtige Bus kommt. Das Problem
dabei ist nur den richtigen Bus zu erkennen. Die Busse haben hier
hinter der Windschutzscheibe Schilder auf denen alle Straßen stehen,
die von dem Bus befahren werden. Problem Nummer 1: Wer kennt hier
schon alle Straßen. Problem Nummer 2: Es stehen unglaublich viele
Straßen in großer und kleiner Schrift auf dem Schildern. Problem
Nummer 3: Die Busse haben hier manchmal so einen Zahn drauf, dass es beinah unmöglich ist rechtzeitig alle Straßennahmen durchzulesen, zu
überlegen ob man diesen Bus nehmen kann und dann noch rechtzeitig
den Finger rauszustrecken.

Wenn man mal alle diese Hindernisse gemeistert hat, erwartet einem
im Bus eine, für Westeuropärer wirklich abstruse Welt. Es gibt
Busse, da sind alle Spiegel inklusive Lenkrad mit rosa oder blauem
Plüsch ausgestattet. Über dem Fahrer hängt eine Lichterkette, die
jedes mal leuchtet, wenn der Fahrer ruckartig bremst; und das ist
wirklich oft. Aus den Lautsprecher tönt schmalzige Andenmusik und an
den Fenster hängen Vorhänge die bei uns in den siebzigern schon
nicht mehr modern waren. Sehr oft hängt irgendwo noch ein sehr
kitschiges Bild von Jesus. That's really funny.
Überhaupt lieben es die Ecuadorianer sehr kitschig. Sie haben wunderbar alte, im
Kolonialstil erbaute Kirchen, aber innen drin hängen
Neonlichterketten, rosa Engel und die Wände glänzen pompös in Gold.
Für mich trieft dass alles etwas zu sehr, aber scheinbar stehen die
Leute hier drauf.

Ich möchte auch gerne dem Wunsch von Hajo nachkommen und die Gerüche
und Geräusche der Innenstadt etwas näher beschreiben, wobei ich mir
nicht sicher bin ob ich dabei nicht einige seiner romantischen
Vorstellungen zerstören. Aber er hat es ja so gewollt.

Ich würde mal behaupten in der Innenstadt riecht es meistens
genauso, wenn nicht noch mehr, wie in jeder größeren Stadt, nämlich
nach Smog und Abgasen. Die Ecuadorianer lieben große Benzinfressende
und umweltverpestende Autos. Das liegt wohl auch daran, dass das
Benzin hier nur ca. 75 Cent pro Gallone (= 3,8 Liter) kostet. Da
lässt es sich schon leichter das Benzin so einfach in die Luft
blasen.
An vielen Stellen in der Stadt hat man ziemlich Pech und zu
dem Untergrundsmoggeruch mischt sich noch der sauer beißende Geruch
von, Entschuldigung, Pisse. Da geht man dann doch lieber einen
Schritt schneller.
An anderen Stellen kann man aber auch Glück
haben. Zum Beispiel wenn man an einem der vielen
Fruchtverkaufsstände oder einem "Restaurant" vorbeiläuft. Dann kann
man den Geruch von frischen Zitronen, saftigen Orangen und rosa
Bananen genießen oder man bekommt einen Hauch von Meer in die Nase,
wenn die Küchenchefs eines der vielen Fisch- und
Meeresfrüchtegerichte zubereiten.

Auch die Geräuschkulisse lädt wenig zum verweilen ein. Eine wirklich
sehr große Leidenschaft der Einheimischen ist es bei jeder sinnigen
und unsinnigen Gelegenheit zu hupen. Egal ob der Bus vor einem
länger als zwei Sekunden hält, man eine Kreuzung mit 70 Sachen
überquert oder eine weibliche Schönheit am Wegesrand steht, es wird
hemmungslos aufs Lenkrad gedroschen. Gerade zur Hauptverkehrszeit
entwickelt sich so eine Kakophonie der unterschiedlichen
Hupgeräusche. Oft kommen zu den Hupen noch schreiende Verkäufer oder
Busschaffner die jedem der es wissen oder auch nicht wissen will,
ins Gesicht brüllen wohin der Bus gerade fährt.

Tagsüber ist es deshalb auch sehr schwer irgendwo ein ruhiges Plätzen zu finden, an
dem man mal durchschnaufen und sich ausruhen kann.

Trotz alle dem liebe ich es einfach nur in der Stadt rum zu laufen
um die unterschiedlichen Menschen und das ganze Chaos zu beobachten.
Ich liebe diese Andersartigkeit.

Mein Spanischlehrer ist mehr oder wenig so wie viele
ecuadorianische Männer. Mocabraun, ziemlich klein und im Besitz
eines unglaublichen Selbstbewusstseins. Wenn er unterrichtet
gebraucht er seinen ganzen Körper zum Kommunizieren. Er fuchtelt mit
den Händen, geht auf und ab, streckt die Brust raus oder klopft sich
auf selbige. Es macht wirklich Spass und ich merk auch, dass ich
schon einige Fortschritte gemacht hab. So langsam versteh ich sogar
schon die Tochter von Liz. Am Donnerstag hab ich ihr Mau Mau
beigebracht und seitdem will sie es die ganze Zeit mit mir spielen.
Würd ich zwar auch gern, wenn ich nur nicht immer verlieren würde….

Gestern (Samstag) war ich mit zwei anderen Schülern und einer
Lehrerin der Spanischschule in Otavalo. Dort gibt es einen rieisgen
Markt der Indigenas. Das sind sozusagen die Ureinwohner der Anden.
Man kann dort wirklich alles mögliche kaufen. Angefangen bei
Alpacateppichen, über Alpacachompas (Pullover) bis hin zu
Sonnenbrillen, nachgemachten Gemälden, allen möglichen
Kopfbedeckungen und selbstgemachtem Schmuck. Ach ja falls jemand ein
Schwein, eine Kuh oder andere Paarhufer benötigt, kann er gern auch
mal vorbeikommen und sich eins mitnehmen.

Nach dem Markt sind wir dann mit dem Bus zu einem Wasserfall
gefahren. Der Bus war so voll, dass ich mich mit beiden Händen an
der Tür abstützen musste um nicht raus zufallen. Man muss dazu
sagen, dass die hier meistens mit offener Tür fahren.
Zu Beginn der Busfahrt stand dicht an mich gepresst ein ziemlich übergewichtiger,
nicht ganz so gut duftender Einheimischer in weißem Trikot. Da wir
eh schon so engen Körperkontakt hatten, dachte er sich wohl, wäre es
auch nicht weiter schlimm wenn er mir mit seiner Hand in die
Hosentasche fährt und mir die schwere Last meiner 12 Dollar, die ich
dort hatte, abzunehmen. Ich habs zum Glück rechtzeitig gemerkt und
ihm das Geld wieder aus der Hand genommen. Danach hat er mir noch
irgendwas auf Spanisch ans Ohr gelabert, gemeint ich solle gut auf
mein Geld achten und ist an der nächsten Haltestelle ausgestiegen.
Man lernt immer wieder interessante Leute kennen…

Am Anfang der Woche war ich oft allein unterwegs und hab einsame
Abende lesend in meinem Apartment vebracht. Nach drei Tage hat mir
dass dann nich mehr so gut gefallen. Aber, oh wunder :-) , das hat sich
dann ziemlich schnell geändert. Am Dienstag ist zu Liz ins Haus ein
Amerikaner, Charly mit Vorname, eingezogen, der für ca. vier Monate
hier bleibt um hier zu studieren. Im zweiten Apartment von Liz wohnt
eine Engländerin, die wie ich hier einen Sprachkurs und
Freiwilligenarbeit macht. Mit beiden versteh ich mich echt gut.
Dienstag und Donnerstag waren wie bei Liz zusammen Essen und Karten
spielen. Am Mittwoch war ich mit Charly und seinen Studienkollegen
Salsa tanzen. Da ich ja mal einen Salsatanzkurs hatte (eine
bestimmte Person wird das bestimmt noch in Leidvoller Erinnerung
haben :-) ist es umso beschämender, dass ich wirklich nicht viel auf
die Reihe gebracht hab. Vielleicht lag es aber auch daran, dass
wirklich jeder Ecuadorianer hier eine Hüfte aus Gummi hat und man
dementsprechend neben denen ganz schön alt aussieht. Naja aber ihr
seht ich hab gute Gesellschaft, es muss sich also niemand Sorgen
machen.

Ich wünsch euch allen ne gesegnete Woche

Andy

Ps: Es gibt übrigens auch wieder neue bilder auf meinem gmx account