Nach langer Zeit, ein kleines Lebenszeichen von mir. Ich bin in letzter
Zeit irgendwie ziemlich schreibfaul, weiss auch nicht warum. Aber ich
wollt euch doch ein paar Sachen erzählen, die ich in letzter zeit so
erlebt hab.
Ich war letzten Mittwoch bis Sonntag auf den Galapagos Inseln. Die
Galapagos Inseln gehören zu Ecuador und liegen ungefähr tausend
Kilometer vor der ecuadorianischen Küste. Da Charly mit seinen Eltern
im gleichen Zeitraum auch dort war, sie aber einen exklusiveren Urlaub
gemacht haben, den ich mir so nicht leisten wollte, bin ich mit einem
Freund von Charly, Colin, dorthin geflogen. Colin studiert auch an der
Uni hier in Quito und ist im selben Programm wie Charly, deswegen
kannten wir uns schon vorher.
Unser Plan sah folgendermassen aus: Wir wollten am Mittwoch, unserem
ersten Tag, in Porto Ayora bleiben und dann am nächsten Morgen eine
viertägige Kreuzfahrt quer durch das Archipel starten. Aber schon nach
einer Stunden nach unserer Landung auf der kleinen Insel Baltra wurden unsere Pläne durchkreuzt.
Porto Ayora liegt auf der Insel Santa Cruz, die sich direkt neben
Baltra befindet. Um aber von Baltra nach Santa Cruz zu kommen muss man einen kleine Meerespassage mit einer Fähre überbrücken. Dazu wird das Gepäck auf das Dach der Fähre gepackt. Als wir am der Anlegestelle
ankamen, waren dort zwei Fähren direkt nebeneinander, die eine war
schon relativ beladen, die andere noch beinahe leer. Unser Gepäck wurde auf erstere gehievt, da dort aber kein Platz mehr zum mitfahren war,
stiegen wir in die zweiten Fähre direkt daneben. Ist ja eigentlich kein
Problem, dachten wir.
Die erste Fähre legte ungefähr fünf Minuten vor unserer von Baltra ab
und um die selbe Zeit vorher an Santa Cruz an. Als wir dann austiegen
und unser Gepäck schnappen wollten, mussten mir leider feststellen,
dass Colins Tasche nicht mehr da war, mein Reiserucksack jedoch schon.
Was also tun? Wir sind dann gleich zum erstbesten Polizisten gegangen,
der dort etwas gelangweilt rumstand und haben ihn gefragt, ob er denn
etwas gesehen habe oder was man den machen könne. Er war zwar sehr freundlich, aber nicht sehr hilfreich. Er meinte nur, er habe nichts
gesehen, man müsse eben auf seine Sachen aufpassen und vielleicht, ja
ganz vielleicht hat ja einer der Passagiere der ersten Fähre die Tasche
verwechselt und ausversehen mitgenommen. Da wir relativ verzweifelt
waren (colin verständlicher Weise etwas mehr als ich) haben wir uns an
diesen einzigen Hoffnungsschimmer gehalten und uns nach den Passgieren der ersten Fähre umgeschaut. Leider hatten die alle ihr Gepäck schon in
einen Bus verladen und waren just in diesem Moment dabei mit dem Bus nach Porto Ayora aufzubrechen. Als wir ob dieser Tatsache etwas ratlos
zusammen mit dem Polizisten rumstanden und rumdiskutierten kam ein
weiterer Ecuadorianer dazu meinte, er haben einen Pickup Truck und wir
könnten ja damit dem Bus nachfahren, ihn noch vor Porto Ayora einholen und die Leute nach dem verlorenen Gepäckstück fragen. Das hörte sich
ziemlich gut und sehr zuvorkommend an. Wir schnappen uns also unser
verbliebenes Gepäck und gehen zu seinem Wagen. Dort angekommen meinte er: Die Fahrt nach Porto Ayora koste aber 15 $, was uns dann doch etwas
überraschte (oder sollte uns eigentlich nach 3 Monaten Ecuador
überhaupt noch etwas überraschen?). Naja, da es uns als die einzige
Möglichkeit erschien, willigten wir ein und stiegen ein.
Um das ganze mal etwas abzukürzen: Da wir mit ca. 120 km/h über eine holprige Strasse auf der 70 km/h oder manchmal gar 50 km/h
ausgeschrieben war, gebrettert sind haben wir den Bus tatsächlich noch
vor Porto Ayora eingeholt. Die Tasche jedoch, war nicht in dem Bus. Der nette Taxifahrer bot uns danach noch so einen seiner zunächst
freundlich wohlklingenden Gefallen an, der sich aber später als doch
nicht so günstig herausstellen sollte. Er nahm uns mit zur örtlichen
Radiostation (die aus einem kleinen Zimmer mit Computer und Mischpult bestand). Der Besitzer war offensichtlich ein Freund von ihm. Er meinte
wir könnten ja übers Radio einen Aufruf senden und unsere
Telefonnummer mit angeben. Nachdem der freundliche Radiomensch die Daten und Informationen zu Colins Tasche aufgenommen hatte, fragte er
uns wie oft wir das den gesendet haben möchten. "Naja ", meinten wir,"
wenns nicht zu viel Mühe macht, dann so oft es eben geht." Nein, das
mache überhaupt keine Mühe, entgegnete unser Gegenüber, es koste nur 3 $ für jedes gesendete Mal.
Was man daraus lernt:
Manche Ecuadorianer können die freundlichsten und hilfsbereitesten
Menschen der ganzen Welt sein, vorausgesetzt man hat genügend von
diesen zerknitterten, grünen Papierscheine mit den hübschen
amerikanischen Präsidenten drauf.
Trotz Busverfolgungsjagd und verzweifeltem Radioaufruf blieb Colins
Tasche bis heute unauffindbar.
Nun zu den schönen Seiten der Galapagos Inseln. Die Galapogs Inseln
sind wirklich wie eine andere Welt, manchmal so, als ob es die ganzen
Menschen auf der Welt, verschmutze, versmogte Städte und böse
Tierfänger gar nicht gäbe. Es scheint alles so zu sein, wie Gott es
sich anfangs vorgestellt hat. Die Tiere haben keine Scheu vor Menschen, die Natur ist noch ganz unberührt und jungfräulich, blieb bis jetzt
noch verschont von menschlichem Fortschrittsstreben. Ja, vor allem die
Natur zeigt sich hier in ihrer ganzen Vielfalt und Schöhnheit. Es gibt
so viele unterschiedliche Landschaften und jede Insel scheint aus einem
anderen Teil der Erde zu kommen. Es gibt spitzigschroffe Felsenküsten,
gegen die die Wellen mit ungelaublicher Kraft branden, aufschäumen und wieder verschwinden. Es gibt weiche, cremefarbene Sandstrände, an deren Rändern sattgrüne Mangrovenbäumen ihre langstieligen Wurzeln ins Meer strecken. Es gibt tiefschwarze, kluftige Lavalandschaften, deren
Obefläche wie das faltige Gesicht eines 90ig jährigen Einheimischen
aussieht. Es gibt hohe Berge, meist Anhäufungen von Gestein, das bei
einem der vielen Vulkanausbrüche durch die Lüfte geschleudert wurde
und es gibt die weiten, flachen Ebenen, von denen manche mit ihren
aschweissen Sträuchern und Bäumen und der terracotaroten Erde aussehen wie eine Landschaft von einem anderen Planeten.
Dazu kommt, dass diese Landschaften mitnichten leblos sind. Sie werden von unzählgien verschiedenen kleinen, wie grossen, bunten wie schwarzen Tieren bevölkert. Während man sich im warmen Meer badet, umkreisen
einen die neugierigen, spielfreudigen Seelöwen und kommen einem so
nahe, dass man ihre weisen, langen barthaare zählen könnte. Es
umtauchen einen unzählige, in den verschiedensten Farben schillernde
Fische. Kleinere Haie und dickbauchige Seeschildkröten schimmen an
einem vorbei, als sei man einer der ihrigen und knabbern direkt neben
einem an den grünen Meerespflanzen. Lautlos gleiten Pelikan nur wenige Zentimeter über die Wasserobefläche, direkt dahinter stürzt sich ein
Fischreiher waghalsig ins Meer und schnappt sich einen der kleinen
Fischchen.
Wenn man dann noch Glück hat und den richtigen Moment erwischt, taucht die untergehende Sonne dieses ganze Szenario in ein dermassen
bezauberndes Licht, dass man nur ganz stil stehen kann und sich leise
wünschen kann, dass solche Momente für immer anhalten mögen.
Noch eine kleine geschichte aus dem schulalltag. Letzten Mittwoch, als
ich schon auf den Galapagos Inseln weilte, ereignete sich ein kleiner
Skandal in der Klasse, in der ich Mathe unterrichte. Eine Schülerin ist
während des Unterrichts betrunken umgekippt. Anscheinend hatten sich
ein paar aus der Klasse auf der schultoilette eine kleines Alkoholdepot
angelegt und immer, wenn sie während der Stunde auf die Toilette sind
mehr oder weniger stark daran genippt. Die Umfallerin offensichtlich
zuviel. Wenn man bedenkt, dass die erst in der 8. Klasse, also höchtens
15 Jahre alt sind, dann kommt man schon mal ins Grübeln, über diese
Schülergeneration. (Das hört sich jetzt vielleicht unglaublich altklug
an, aber als Lehrer muss ich so was sagen :-)
naja, anscheinend haben sie von der folgenden Standpauke und diversen Disziplinmassnahmen nicht so viel gelernt, denn als ich gestern ne
Doppelstunde mathe bei denen hatte musste wieder verdächtig viele,
verdächtig oft auf die Toilette....
Soweit von mir von hier. Liebe Grüsse an alle zuhause, ihr fehlt mir,
ehrlich. Da können die Galapagos Inseln noch so schön sein, Home is
where the heart is, and thats not in Ecuador...
(senti-)mentaler Moralapostel
Samstag, November 11, 2006
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3 Kommentare:
aloah Andi,
ich habe schon gedacht du bist inzwischen verschollen:-)Galapagosinseln klingt schon verdächtig nach Abenteuer. Ich freue mich schon auf einen gemütlichen abend mit Weizenbier oder Rotwein wo wir alle zusammensitzen und deine Bilder mit Erfahrungsbericht erleben dürfen...
Servus Andi,
na so wie sich das alles anhört, scheint dir dein Abenteuer recht gut zu gefallen. Das freut mich echt total. Ich denke, das sind Erfahrungen, die einem keiner mehr nimmt. mir gehts im Job mittlerweile ähnlich mit den Erfahrungen, aber dazu mehr wenn du endlich wieder in unsrer Mitte bist und wir nen gemütlichen Skatabend machen können und dazu das eine oder andre Bierchen trinken können. also in diesem Sinne:
halt die Ohren steif und vergiss die Skatbrüder net ganz :-))
Viele liebe grüße aus Langensteinbach
Die Geschichte mit der Tasche hat mich doch stark an unseren Urlaub in Italien erinnert. Stichwort: "Ich kauf mir mal schnell ne Fanta...."
...und weg war die Kamera.
Die Galoppagalappa Inseln waren wenigstens für ein paar Tage ein angemessener Trost dafür, dass du nicht hier sein kannst. Dauert ja nicht mehr so lange. Und dann machen wir erstmal ein zweiwöchiges Integrationsprogramm für dich mit allem, was dazu gehört !!!
enjoy the time.
Ali Galoppali
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