Klassenfahrten, Ausflüge, wie hab ich sie früher geliebt. Es gibt doch eigentlich wenig schöneres, als mit einer Gruppe gleichaltriger ein paar lustige Tage in einem schmuddeligen, mit Stockbetten bestückten Landschulheim irgendwo im Oberallgäu bei trübem Nieselwetter und kaltem Früchtetee zu verbringen. Da entstehen Freundschaft fürs Leben und Magen-Darm-Infekte, man lernt sich, die Mitschüler und die Lehrer noch mal ganz neu kennen und wenn man Glück hat, darf man am Ende sogar die Toiletten putzen (man denke dabei an den Magen-Darm-Infekt :-( )
Was ich mich dabei aber nie gefragt hab ist, wie so eine Klassenfahrt eigentlich für die Lehrer ist, die das Glück (oder Pech ?!?) haben die wilde Schülerhorde während ihrer Vergnügungsreise im Zaum halten zu müssen. Dieses Wochenende bekam ich die Antwort auf die Frage, die ich mir nie gestellt hatte; und das sogar in doppelter Weise.
Gleich zwei Klassen durfte ich auf ihrem Trip in die schuleigene Herberge nahe Otavalo begleiten. Liz verweilte mit ihrer zehnten Klasse (lauter Ecuadorianer) von Freitag morgen bis Samstag Mittag dort, Jens und seine Bande Zehntklässler (Deutsche und Ecuadorianer mit guten Deutschkenntnissen) von Samstag Mittag bis Montag Mittag. Da mich beide gefragt hatten, ob ich gerne mitgehen würde und es zeitlich so gut passte, bin ich auf beiden Klassenfahrten dabei gewesen. Welch interessante Erfahrung!
Szenischer Abriss:
Es gab die typischen Landschulheimausflüge, wie der Besuch eines Vogelparks und einer Bootsfahrt auf dem von Bergen umgebenen Lago San Pablo; es gab prächtig brutzelnde Parillada (=Barbecue) mit fetttriefendem Fleisch und kohligknusprigen Würstchen; es gab knisterndes Feuer im Kamin und unterm Sternenhimmel (der hier so ganz anders aussieht als zuhause), mit klebrig süßen, angebrannten Marschmelos und verrauchten Kleidern; es gab morgens Sonne und nachmittags Sintflut und eine Minigolfpartie, die in letzterer versank; es gab schmuddelige Duschen mit untertemperiertem Wasser, und einen kleinen Hund auf den jeder mal draufgetreten ist; es gab das obligatorische klassenmassenfussballspiel zwanzig gegen zwanzig, mit ehrgeizigen Jungs und gnadenlos kloppenden Mädels und „the roof is on fire“ in der Repeatschleife; Und dann waren da noch die nettesten Lehrer die sich eine Klasse nur wünschen kann :-)
Meine Erfahrungen mit den Schülern:
Junger Praktikant auf einer Klassenfahrt zu sein, erweist sich erst mal als ganz angenehm. Von den Teenies wird man mit offenen Armen aufgenommen, fast wie einer der ihren. Sie haben mir auf die Schulter geklopft, ich hab ihnen auf die Schulter geklopft. Sie nannten mich „Levis“, weil´s auf meinem Pullover stand, ich nannte sie Josef Petrus, in Abwandlung des spanischen José Pedro. Wir saßen zusammen am Lagerfeuer und haben im selben Gemeinschaftsschlafsaal im Schlafsack gelegen (den haben wir aber übrigens nicht geteilt :-/ ). Wir haben zusammen Kartengespielt und abgewaschen und uns beim Fußballspielen angefeuert. Das hat alles wirklich Spaß gemacht und war ne schöne Erfahrung.
Das ganze fängt aber an schwierig zu werden, wenn man irgendwann nachts um halb zwei vor die ganze Meute hinstehen und den Spaßverderber spielen muss, indem man ihnen klar macht, dass sie Rücksicht auf die anderen nehmen und leiser sein müssen. Und wenn man in seinem Auftritt dabei nicht Stärke ausstrahlt und den Eindruck vermittelt, dass man in diesem Punkt überhaupt nicht mit sich reden lässt, wenn man in seiner Lehrerrolle die kleinste Lücke lässt, dann nutzen sie diese. Alle Autorität ist dann dahin und die eben ausgesprochenen Ermahnungen verhallen wie ein Pups im Weltraum – ungehört. Aber von solchen Momenten kann man viel lernen und viel fürs spätere Lehrersein mit nehmen, auf wenn es dieselbigen auf dieser Klassenfahrt nicht so oft gab. Meistens hatte wir Lehrer keine Probleme mit den Schüler und vor allem mit der zweiten Klasse, war es wirklich eine angenehmen Sache.
Da ich auf zwei Klassenfahrten mit zwei unterschiedlichen Lehrern mit bin, konnte ich auch gut die unterschiedlichen Stile der zwei Lehrer beobachten; und es gab einige Unterschiede, die, so möchte ich meinen, nicht zu letzt auch an der unterschiedlichen Mentalität der deutschen, bzw. ecuadorianischen Lehrer lag.
Liz wählte eher den strengen Weg und gab genau vor, wann die Schüler ins Bett mussten. Bei der Durchsetzung ihrer Regeln war sie aber nicht so konsequent, bzw. bei allen Ermahnungen war unterschwellig immer noch ein kleines, „ach, könnt ihr nicht bitte...“ dabei; das die Schüler natürlich gerne überhörten.
Andererseits war es für Liz und die ecuadorianische Mutter, die auch noch als Begleitperson dabei war, selbstverständlich nach dem Essen das Geschirr alleine abzuspülen, während sich die Schüler im Aufenthaltsraum vergnügten.
Oder es wurde beispielsweise am letzten Tag den Jungs aufgetragen ihr Zimmer auszufegen. Als wir das dann kontrollierten und das Zimmer noch ziemlich ungefegt antrafen, was macht da nicht die gutmütige Mutter: Sie nimmt den Besen fest in beide Hände, fängt an zu fegen und meint zu mir: „Ach die Jungs können halt nicht so gut fegen..“
Ich glaube, dass dies Haltung eine ecuadorianische Eigenart ist. Die Kinder hier werden viel mehr umsorgt und „behütet“ als in Deutschland und man lässt sie erst viel später eigenständig und selbstverantwortliche Aufgaben übernehmen. Das kann man morgens schon im Schulbus beobachten. Viele Eltern tragen den Schulranzen ihrer Kinder bis an den Schulbus und hieven ihn dann noch hinein, damit das Kind ja nicht zu viel tragen muss. Nachmittags läuft die ganze Prozedur dann umgekehrt ab. Der Schulranzen wird aus dem Bus in Empfang, das Kind in die andere Hand genommen und so wird gemeinsam und wohlbehütet der Heimweg angetreten.
Jens hingegen war in den zwei Punkten ganz anders. Er hat den Schüler keinerlei Vorschriften gemacht, wann sie ins Bett mussten. Er hat ihnen nur die Vorgabe gegeben, dass sie auf die anderen, die vielleicht früher schlafen möchten, Rücksicht nehmen müssen. Damit hat er sich ne Menge an Nerven- und Stimmkraft gespart und ich muss sagen, dass das auch ganz gut funktionierte (mit kleineren Ermahnungen).
Beim Abwaschen war von Anfang an klar, dass die Gruppe die kocht, danach auch abwäscht. Und natürlich mussten die Teenies auch ihre Zimmer selbstständig fegen und aufräumen. Da das von Anfang an fest stand und jeder das wusste, gab es dann darüber auch nie Diskussionen und keiner hat gemotzt.
Auf der Fahrt hab ich von den Schülern auch ein neues Kartenspiel gelernt. Es nennt sich Trefflicherweise: „siete pega todo“, was frei übersetzt: „die sieben schlägt alle“ bedeutet. Bei dem Spiel geht es hauptsächlich darum einem Mitspieler so stark wie möglich auf die Hand zu schlagen. Jeder Spieler bekommt reihum eine Karten vor sich hingelegt, die festlegt ob er seinen rechten oder linken Nachbarn oder bei einer sieben eben alle anderen Mitspieler schlagen darf. Bemerkenswert war dabei zu beobachten, mit wie wenig Skrupel Schüler ihre Lehrer hauen. Bisweilen, wenn ein Schüler alle andern Mitspieler auf die Hände kloppen durfte, meinte man sogar erkennen zu können, das bei mir und Jens stärker als bei allen anderen zugeschlagen wurde. Ob das nur ein Phänomen ist, was auf Mathelehrer zutrifft, kann ich nicht sagen, aber ein bisschen beängstigend ist es schon...
Mit Jens hab ich mich prima verstanden. Wir haben zusammen gegen die Teenies „Quarenta“, das ecuadorianische Nationalkartenspiel gespielt und sie gnadenlos im Minigolf abgezockt. Es war auch mal eine gute Gelegenheit meinen Mentor etwas abseits der Schule kennen zu lernen und am Lagerfeuer über andere Dinge als Zahlen und Experimente zu reden. Das hat auch unsere Zusammenarbeit in der Schule, angenehmer und persönlicher gemacht und ist mit ein Grund, warum ich mich immer wohler hier in der Schule fühle.
Klassenfahrten sind also auch für Lehrer (und Möchtegernlehrer) ne gute Sache !
Noch etwas Aktuelles:
Gestern waren hier in Ecuador die Stichwahlen für den Präsidenten. Alvaro Noboa, der reiche Chiquita Millionär hat allem Anschein nach gegen Raphael Correa, einem linksgerichteten Bush-Feind und Hugo Chavez-Freund verloren. Liz und Fabian waren ganz aus dem Häusschen vor Glück.
Correas ist hauptsächlich gegen alles. Er ist gegen den Eintritt Ecuadors in das Handelsabkommen mit den USA (TLC genannt). Er will gegen die Korruption hier im Lande ankämpfen (die hier so ganz nebenbei erwähnt eine der höchsten Raten in ganz Südamerika hat) und er will den ecuadorianischen Nationalkongress aufheben und mit einer neueinberufenen Versammlung die Verfassung ändern um die ausufernde Parteienlandschaft in Ecuador zu reformieren.. Mal schauen, wie er das hinbekommt.
Fabian meinte, wenn er bis nächsten Sommer keine Erfolge vorweisen kann, dann wird ihn dass Volk eben wieder aus dem Amtssessel werfen. Das drückt wohl ganz gut die ecuadorianische Einstellung bezüglich ihrer Präsidenten aus. Nicht ohne Grund wurden in den letzten zehn Jahren sieben Präsidenten verschlissen.
So weit aus dem kleinen Andenstaat
Ich wünsch euch ne schöne Woche und einen guten ersten Advent. (Bei Temperaturen bis zu 22 Grad ist bei mir hier in Quito leider noch nicht so viel Weihnachtsstimmung aufgekommen)
Levis
Dienstag, November 28, 2006
Samstag, November 11, 2006
Von den hübschen Schwestern Flora und Fauna
Nach langer Zeit, ein kleines Lebenszeichen von mir. Ich bin in letzter
Zeit irgendwie ziemlich schreibfaul, weiss auch nicht warum. Aber ich
wollt euch doch ein paar Sachen erzählen, die ich in letzter zeit so
erlebt hab.
Ich war letzten Mittwoch bis Sonntag auf den Galapagos Inseln. Die
Galapagos Inseln gehören zu Ecuador und liegen ungefähr tausend
Kilometer vor der ecuadorianischen Küste. Da Charly mit seinen Eltern
im gleichen Zeitraum auch dort war, sie aber einen exklusiveren Urlaub
gemacht haben, den ich mir so nicht leisten wollte, bin ich mit einem
Freund von Charly, Colin, dorthin geflogen. Colin studiert auch an der
Uni hier in Quito und ist im selben Programm wie Charly, deswegen
kannten wir uns schon vorher.
Unser Plan sah folgendermassen aus: Wir wollten am Mittwoch, unserem
ersten Tag, in Porto Ayora bleiben und dann am nächsten Morgen eine
viertägige Kreuzfahrt quer durch das Archipel starten. Aber schon nach
einer Stunden nach unserer Landung auf der kleinen Insel Baltra wurden unsere Pläne durchkreuzt.
Porto Ayora liegt auf der Insel Santa Cruz, die sich direkt neben
Baltra befindet. Um aber von Baltra nach Santa Cruz zu kommen muss man einen kleine Meerespassage mit einer Fähre überbrücken. Dazu wird das Gepäck auf das Dach der Fähre gepackt. Als wir am der Anlegestelle
ankamen, waren dort zwei Fähren direkt nebeneinander, die eine war
schon relativ beladen, die andere noch beinahe leer. Unser Gepäck wurde auf erstere gehievt, da dort aber kein Platz mehr zum mitfahren war,
stiegen wir in die zweiten Fähre direkt daneben. Ist ja eigentlich kein
Problem, dachten wir.
Die erste Fähre legte ungefähr fünf Minuten vor unserer von Baltra ab
und um die selbe Zeit vorher an Santa Cruz an. Als wir dann austiegen
und unser Gepäck schnappen wollten, mussten mir leider feststellen,
dass Colins Tasche nicht mehr da war, mein Reiserucksack jedoch schon.
Was also tun? Wir sind dann gleich zum erstbesten Polizisten gegangen,
der dort etwas gelangweilt rumstand und haben ihn gefragt, ob er denn
etwas gesehen habe oder was man den machen könne. Er war zwar sehr freundlich, aber nicht sehr hilfreich. Er meinte nur, er habe nichts
gesehen, man müsse eben auf seine Sachen aufpassen und vielleicht, ja
ganz vielleicht hat ja einer der Passagiere der ersten Fähre die Tasche
verwechselt und ausversehen mitgenommen. Da wir relativ verzweifelt
waren (colin verständlicher Weise etwas mehr als ich) haben wir uns an
diesen einzigen Hoffnungsschimmer gehalten und uns nach den Passgieren der ersten Fähre umgeschaut. Leider hatten die alle ihr Gepäck schon in
einen Bus verladen und waren just in diesem Moment dabei mit dem Bus nach Porto Ayora aufzubrechen. Als wir ob dieser Tatsache etwas ratlos
zusammen mit dem Polizisten rumstanden und rumdiskutierten kam ein
weiterer Ecuadorianer dazu meinte, er haben einen Pickup Truck und wir
könnten ja damit dem Bus nachfahren, ihn noch vor Porto Ayora einholen und die Leute nach dem verlorenen Gepäckstück fragen. Das hörte sich
ziemlich gut und sehr zuvorkommend an. Wir schnappen uns also unser
verbliebenes Gepäck und gehen zu seinem Wagen. Dort angekommen meinte er: Die Fahrt nach Porto Ayora koste aber 15 $, was uns dann doch etwas
überraschte (oder sollte uns eigentlich nach 3 Monaten Ecuador
überhaupt noch etwas überraschen?). Naja, da es uns als die einzige
Möglichkeit erschien, willigten wir ein und stiegen ein.
Um das ganze mal etwas abzukürzen: Da wir mit ca. 120 km/h über eine holprige Strasse auf der 70 km/h oder manchmal gar 50 km/h
ausgeschrieben war, gebrettert sind haben wir den Bus tatsächlich noch
vor Porto Ayora eingeholt. Die Tasche jedoch, war nicht in dem Bus. Der nette Taxifahrer bot uns danach noch so einen seiner zunächst
freundlich wohlklingenden Gefallen an, der sich aber später als doch
nicht so günstig herausstellen sollte. Er nahm uns mit zur örtlichen
Radiostation (die aus einem kleinen Zimmer mit Computer und Mischpult bestand). Der Besitzer war offensichtlich ein Freund von ihm. Er meinte
wir könnten ja übers Radio einen Aufruf senden und unsere
Telefonnummer mit angeben. Nachdem der freundliche Radiomensch die Daten und Informationen zu Colins Tasche aufgenommen hatte, fragte er
uns wie oft wir das den gesendet haben möchten. "Naja ", meinten wir,"
wenns nicht zu viel Mühe macht, dann so oft es eben geht." Nein, das
mache überhaupt keine Mühe, entgegnete unser Gegenüber, es koste nur 3 $ für jedes gesendete Mal.
Was man daraus lernt:
Manche Ecuadorianer können die freundlichsten und hilfsbereitesten
Menschen der ganzen Welt sein, vorausgesetzt man hat genügend von
diesen zerknitterten, grünen Papierscheine mit den hübschen
amerikanischen Präsidenten drauf.
Trotz Busverfolgungsjagd und verzweifeltem Radioaufruf blieb Colins
Tasche bis heute unauffindbar.
Nun zu den schönen Seiten der Galapagos Inseln. Die Galapogs Inseln
sind wirklich wie eine andere Welt, manchmal so, als ob es die ganzen
Menschen auf der Welt, verschmutze, versmogte Städte und böse
Tierfänger gar nicht gäbe. Es scheint alles so zu sein, wie Gott es
sich anfangs vorgestellt hat. Die Tiere haben keine Scheu vor Menschen, die Natur ist noch ganz unberührt und jungfräulich, blieb bis jetzt
noch verschont von menschlichem Fortschrittsstreben. Ja, vor allem die
Natur zeigt sich hier in ihrer ganzen Vielfalt und Schöhnheit. Es gibt
so viele unterschiedliche Landschaften und jede Insel scheint aus einem
anderen Teil der Erde zu kommen. Es gibt spitzigschroffe Felsenküsten,
gegen die die Wellen mit ungelaublicher Kraft branden, aufschäumen und wieder verschwinden. Es gibt weiche, cremefarbene Sandstrände, an deren Rändern sattgrüne Mangrovenbäumen ihre langstieligen Wurzeln ins Meer strecken. Es gibt tiefschwarze, kluftige Lavalandschaften, deren
Obefläche wie das faltige Gesicht eines 90ig jährigen Einheimischen
aussieht. Es gibt hohe Berge, meist Anhäufungen von Gestein, das bei
einem der vielen Vulkanausbrüche durch die Lüfte geschleudert wurde
und es gibt die weiten, flachen Ebenen, von denen manche mit ihren
aschweissen Sträuchern und Bäumen und der terracotaroten Erde aussehen wie eine Landschaft von einem anderen Planeten.
Dazu kommt, dass diese Landschaften mitnichten leblos sind. Sie werden von unzählgien verschiedenen kleinen, wie grossen, bunten wie schwarzen Tieren bevölkert. Während man sich im warmen Meer badet, umkreisen
einen die neugierigen, spielfreudigen Seelöwen und kommen einem so
nahe, dass man ihre weisen, langen barthaare zählen könnte. Es
umtauchen einen unzählige, in den verschiedensten Farben schillernde
Fische. Kleinere Haie und dickbauchige Seeschildkröten schimmen an
einem vorbei, als sei man einer der ihrigen und knabbern direkt neben
einem an den grünen Meerespflanzen. Lautlos gleiten Pelikan nur wenige Zentimeter über die Wasserobefläche, direkt dahinter stürzt sich ein
Fischreiher waghalsig ins Meer und schnappt sich einen der kleinen
Fischchen.
Wenn man dann noch Glück hat und den richtigen Moment erwischt, taucht die untergehende Sonne dieses ganze Szenario in ein dermassen
bezauberndes Licht, dass man nur ganz stil stehen kann und sich leise
wünschen kann, dass solche Momente für immer anhalten mögen.
Noch eine kleine geschichte aus dem schulalltag. Letzten Mittwoch, als
ich schon auf den Galapagos Inseln weilte, ereignete sich ein kleiner
Skandal in der Klasse, in der ich Mathe unterrichte. Eine Schülerin ist
während des Unterrichts betrunken umgekippt. Anscheinend hatten sich
ein paar aus der Klasse auf der schultoilette eine kleines Alkoholdepot
angelegt und immer, wenn sie während der Stunde auf die Toilette sind
mehr oder weniger stark daran genippt. Die Umfallerin offensichtlich
zuviel. Wenn man bedenkt, dass die erst in der 8. Klasse, also höchtens
15 Jahre alt sind, dann kommt man schon mal ins Grübeln, über diese
Schülergeneration. (Das hört sich jetzt vielleicht unglaublich altklug
an, aber als Lehrer muss ich so was sagen :-)
naja, anscheinend haben sie von der folgenden Standpauke und diversen Disziplinmassnahmen nicht so viel gelernt, denn als ich gestern ne
Doppelstunde mathe bei denen hatte musste wieder verdächtig viele,
verdächtig oft auf die Toilette....
Soweit von mir von hier. Liebe Grüsse an alle zuhause, ihr fehlt mir,
ehrlich. Da können die Galapagos Inseln noch so schön sein, Home is
where the heart is, and thats not in Ecuador...
(senti-)mentaler Moralapostel
Zeit irgendwie ziemlich schreibfaul, weiss auch nicht warum. Aber ich
wollt euch doch ein paar Sachen erzählen, die ich in letzter zeit so
erlebt hab.
Ich war letzten Mittwoch bis Sonntag auf den Galapagos Inseln. Die
Galapagos Inseln gehören zu Ecuador und liegen ungefähr tausend
Kilometer vor der ecuadorianischen Küste. Da Charly mit seinen Eltern
im gleichen Zeitraum auch dort war, sie aber einen exklusiveren Urlaub
gemacht haben, den ich mir so nicht leisten wollte, bin ich mit einem
Freund von Charly, Colin, dorthin geflogen. Colin studiert auch an der
Uni hier in Quito und ist im selben Programm wie Charly, deswegen
kannten wir uns schon vorher.
Unser Plan sah folgendermassen aus: Wir wollten am Mittwoch, unserem
ersten Tag, in Porto Ayora bleiben und dann am nächsten Morgen eine
viertägige Kreuzfahrt quer durch das Archipel starten. Aber schon nach
einer Stunden nach unserer Landung auf der kleinen Insel Baltra wurden unsere Pläne durchkreuzt.
Porto Ayora liegt auf der Insel Santa Cruz, die sich direkt neben
Baltra befindet. Um aber von Baltra nach Santa Cruz zu kommen muss man einen kleine Meerespassage mit einer Fähre überbrücken. Dazu wird das Gepäck auf das Dach der Fähre gepackt. Als wir am der Anlegestelle
ankamen, waren dort zwei Fähren direkt nebeneinander, die eine war
schon relativ beladen, die andere noch beinahe leer. Unser Gepäck wurde auf erstere gehievt, da dort aber kein Platz mehr zum mitfahren war,
stiegen wir in die zweiten Fähre direkt daneben. Ist ja eigentlich kein
Problem, dachten wir.
Die erste Fähre legte ungefähr fünf Minuten vor unserer von Baltra ab
und um die selbe Zeit vorher an Santa Cruz an. Als wir dann austiegen
und unser Gepäck schnappen wollten, mussten mir leider feststellen,
dass Colins Tasche nicht mehr da war, mein Reiserucksack jedoch schon.
Was also tun? Wir sind dann gleich zum erstbesten Polizisten gegangen,
der dort etwas gelangweilt rumstand und haben ihn gefragt, ob er denn
etwas gesehen habe oder was man den machen könne. Er war zwar sehr freundlich, aber nicht sehr hilfreich. Er meinte nur, er habe nichts
gesehen, man müsse eben auf seine Sachen aufpassen und vielleicht, ja
ganz vielleicht hat ja einer der Passagiere der ersten Fähre die Tasche
verwechselt und ausversehen mitgenommen. Da wir relativ verzweifelt
waren (colin verständlicher Weise etwas mehr als ich) haben wir uns an
diesen einzigen Hoffnungsschimmer gehalten und uns nach den Passgieren der ersten Fähre umgeschaut. Leider hatten die alle ihr Gepäck schon in
einen Bus verladen und waren just in diesem Moment dabei mit dem Bus nach Porto Ayora aufzubrechen. Als wir ob dieser Tatsache etwas ratlos
zusammen mit dem Polizisten rumstanden und rumdiskutierten kam ein
weiterer Ecuadorianer dazu meinte, er haben einen Pickup Truck und wir
könnten ja damit dem Bus nachfahren, ihn noch vor Porto Ayora einholen und die Leute nach dem verlorenen Gepäckstück fragen. Das hörte sich
ziemlich gut und sehr zuvorkommend an. Wir schnappen uns also unser
verbliebenes Gepäck und gehen zu seinem Wagen. Dort angekommen meinte er: Die Fahrt nach Porto Ayora koste aber 15 $, was uns dann doch etwas
überraschte (oder sollte uns eigentlich nach 3 Monaten Ecuador
überhaupt noch etwas überraschen?). Naja, da es uns als die einzige
Möglichkeit erschien, willigten wir ein und stiegen ein.
Um das ganze mal etwas abzukürzen: Da wir mit ca. 120 km/h über eine holprige Strasse auf der 70 km/h oder manchmal gar 50 km/h
ausgeschrieben war, gebrettert sind haben wir den Bus tatsächlich noch
vor Porto Ayora eingeholt. Die Tasche jedoch, war nicht in dem Bus. Der nette Taxifahrer bot uns danach noch so einen seiner zunächst
freundlich wohlklingenden Gefallen an, der sich aber später als doch
nicht so günstig herausstellen sollte. Er nahm uns mit zur örtlichen
Radiostation (die aus einem kleinen Zimmer mit Computer und Mischpult bestand). Der Besitzer war offensichtlich ein Freund von ihm. Er meinte
wir könnten ja übers Radio einen Aufruf senden und unsere
Telefonnummer mit angeben. Nachdem der freundliche Radiomensch die Daten und Informationen zu Colins Tasche aufgenommen hatte, fragte er
uns wie oft wir das den gesendet haben möchten. "Naja ", meinten wir,"
wenns nicht zu viel Mühe macht, dann so oft es eben geht." Nein, das
mache überhaupt keine Mühe, entgegnete unser Gegenüber, es koste nur 3 $ für jedes gesendete Mal.
Was man daraus lernt:
Manche Ecuadorianer können die freundlichsten und hilfsbereitesten
Menschen der ganzen Welt sein, vorausgesetzt man hat genügend von
diesen zerknitterten, grünen Papierscheine mit den hübschen
amerikanischen Präsidenten drauf.
Trotz Busverfolgungsjagd und verzweifeltem Radioaufruf blieb Colins
Tasche bis heute unauffindbar.
Nun zu den schönen Seiten der Galapagos Inseln. Die Galapogs Inseln
sind wirklich wie eine andere Welt, manchmal so, als ob es die ganzen
Menschen auf der Welt, verschmutze, versmogte Städte und böse
Tierfänger gar nicht gäbe. Es scheint alles so zu sein, wie Gott es
sich anfangs vorgestellt hat. Die Tiere haben keine Scheu vor Menschen, die Natur ist noch ganz unberührt und jungfräulich, blieb bis jetzt
noch verschont von menschlichem Fortschrittsstreben. Ja, vor allem die
Natur zeigt sich hier in ihrer ganzen Vielfalt und Schöhnheit. Es gibt
so viele unterschiedliche Landschaften und jede Insel scheint aus einem
anderen Teil der Erde zu kommen. Es gibt spitzigschroffe Felsenküsten,
gegen die die Wellen mit ungelaublicher Kraft branden, aufschäumen und wieder verschwinden. Es gibt weiche, cremefarbene Sandstrände, an deren Rändern sattgrüne Mangrovenbäumen ihre langstieligen Wurzeln ins Meer strecken. Es gibt tiefschwarze, kluftige Lavalandschaften, deren
Obefläche wie das faltige Gesicht eines 90ig jährigen Einheimischen
aussieht. Es gibt hohe Berge, meist Anhäufungen von Gestein, das bei
einem der vielen Vulkanausbrüche durch die Lüfte geschleudert wurde
und es gibt die weiten, flachen Ebenen, von denen manche mit ihren
aschweissen Sträuchern und Bäumen und der terracotaroten Erde aussehen wie eine Landschaft von einem anderen Planeten.
Dazu kommt, dass diese Landschaften mitnichten leblos sind. Sie werden von unzählgien verschiedenen kleinen, wie grossen, bunten wie schwarzen Tieren bevölkert. Während man sich im warmen Meer badet, umkreisen
einen die neugierigen, spielfreudigen Seelöwen und kommen einem so
nahe, dass man ihre weisen, langen barthaare zählen könnte. Es
umtauchen einen unzählige, in den verschiedensten Farben schillernde
Fische. Kleinere Haie und dickbauchige Seeschildkröten schimmen an
einem vorbei, als sei man einer der ihrigen und knabbern direkt neben
einem an den grünen Meerespflanzen. Lautlos gleiten Pelikan nur wenige Zentimeter über die Wasserobefläche, direkt dahinter stürzt sich ein
Fischreiher waghalsig ins Meer und schnappt sich einen der kleinen
Fischchen.
Wenn man dann noch Glück hat und den richtigen Moment erwischt, taucht die untergehende Sonne dieses ganze Szenario in ein dermassen
bezauberndes Licht, dass man nur ganz stil stehen kann und sich leise
wünschen kann, dass solche Momente für immer anhalten mögen.
Noch eine kleine geschichte aus dem schulalltag. Letzten Mittwoch, als
ich schon auf den Galapagos Inseln weilte, ereignete sich ein kleiner
Skandal in der Klasse, in der ich Mathe unterrichte. Eine Schülerin ist
während des Unterrichts betrunken umgekippt. Anscheinend hatten sich
ein paar aus der Klasse auf der schultoilette eine kleines Alkoholdepot
angelegt und immer, wenn sie während der Stunde auf die Toilette sind
mehr oder weniger stark daran genippt. Die Umfallerin offensichtlich
zuviel. Wenn man bedenkt, dass die erst in der 8. Klasse, also höchtens
15 Jahre alt sind, dann kommt man schon mal ins Grübeln, über diese
Schülergeneration. (Das hört sich jetzt vielleicht unglaublich altklug
an, aber als Lehrer muss ich so was sagen :-)
naja, anscheinend haben sie von der folgenden Standpauke und diversen Disziplinmassnahmen nicht so viel gelernt, denn als ich gestern ne
Doppelstunde mathe bei denen hatte musste wieder verdächtig viele,
verdächtig oft auf die Toilette....
Soweit von mir von hier. Liebe Grüsse an alle zuhause, ihr fehlt mir,
ehrlich. Da können die Galapagos Inseln noch so schön sein, Home is
where the heart is, and thats not in Ecuador...
(senti-)mentaler Moralapostel
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