| Am Samstag hatte ich mein erstes offizielles Fußballspiel mit der Mannschaft meines ehemaligen Spanischlehrers Efrain Condor. Die Mannschaft nennt sich Tottenham. Jedes Viertel in Quito hat seine eigene Liga, manchmal auch mehrere Ligen, so wie ich das bis jetzt mitbekommen hab, wobei ich da noch nicht ganz durchgestiegen bin. Das Viertel in dem Efrain wohnt und Fußball spielt befindet sich im Nordosten Quitos, nennt sich Comite del Pueblo und gehört eher zu den ärmeren Vierteln Quitos. Es gibt in dem Viertel etwas mehr als hundert Fussballmannschaften und zwei Fussbalfelder! Das hat zur Folge, dass man meist nur jedes zweite Wochenende ein Spiel hat. Man erfährt auch erst mittwochs zuvor auf welchem Fussballfeld man spielt. Das Spiel fand auf dem Spielfeld, mit dem aussagekräfitgen Namen „Nummer eins“ statt. Um von meiner Wohnung dahin mit dem Bus zu gelangen, hab ich heute etwas mehr als eine dreiviertel Stunde gebraucht. Den Unterschied zum touristischen und etwas reicheren Zentrum Quitos merkt man schon in den ersten Minuten, wenn man in das Viertel hinein fährt. Etwas mehr Chaos und Durcheinander, viel weniger angestrichenen Häuser, statt dessen blanker Betonputz. Es gibt im ganzen Viertel nur eine Ampel und keinen einzigen weisshäutigen, flipfloptragenden, fotoknipsenden Gringo. Da fühlt man sich schon mal etwas mehr wie ein Ausländer. Aber es war ne schöne Sache, nicht nur das für Touristen aufgeräumten Zentrum zu sehen, sondern dahin zu gehen, wo die Leute wirklich wohnen. Das Spielfeld besteht hauptsächlich aus Staub, kleineren bis mittelgroßen Steinen, Betonputz und grauem Sand. Hier traut sich, glaub ich, kein Grashalm her. Der Platz ist umgeben von zwei bis zweieinhalb Meter großen Betonwänden und hat eine kleine mit Eisengitter geschützte Tribüne. Ein typisches Hinterhofstraßenfussbalfeld also. I loved it. Jeder Spieler muss 25 Cent bezahlen um das Spielfeld benutzen zu können. Das Spiel sollte um vier Uhr nachmittags beginnen. Ich war um ca. zwanzig nach drei da. Ich war der dritte, nach dem Trainer und dem Manager der Mannschaft. Die ersten Spieler kamen dann so gegen viertel vor vier. Der Ball war hart und leicht, genau so wie er nicht sein sollte. Zusammen mit dem holprigen, steinigen Platz waren das also genau die Vorraussetzungen, die ich als Ausnahmetechniker benötige um meinen Zauberfussball zu zelebrieren. Es waren ungefähr zwanzig bis dreißig Zuschauer da, wobei die meisten wohl eher der gegnerischen Mannschaft, zugeneigt waren, das ließ sich aus ihren lautstarken Anfeuerungsrufen schließen. Auch während dem Spiel gab es, fast wie zuhause, die vielen Reinbrüller, die sich jederzeit mit kehligen Rufen Gehör verschafften. Was zur Abwechslung mal ganz angenehm war: Hier versteh ich die ganzen sinnentleerten Phrasen nicht. Die Gegner nannten sich „Esperanza“, was Hoffnung heißt. Hoffnung war auch das einzige was ihnen bis zum Ende blieb. Die Punkte behielt meine Mannschaft. Das Spiel endete 11 zu 9 für uns. Ich hab einen Elfmeter verursacht, ein Tor vorbereitet und eines geschossen. Lief also alles wie immer :-) Das Ergebnis spiegelt auch durchaus die Fähigkeiten ecuadorianischer Mannschaften wieder. Technisch sehr beschlagen, im Spiel nach vorne äußert spielfreudig und intelligent, in der Abwehr spielen sie aber so wie sie Auto fahren. Harakiri und totales Chaos. Da konnte selbst meine ordnende Hand nichts mehr retten… hüstel :-) Naja, um ehrlich zu sein, eigentlich hatte ich ziemlich zu kämpfen selbst die Übersicht zu behalten, zumindest in der ersten Hälfte, als ich in der Abwehr gespielt habe. In der Halbzeit stand es drei zu drei und es gab einen Campingplastikbecher voll Wasser. Da es aber nur einen Becher für alle gab, musste man sich etwas gedulden, bis man seine staubtrockene Kehle etwas benetzen konnte. Ach ja was auch ganz witzig war: Die Torwarte hier. Nette Kerle, wirklich, aber man freut sich über jeden Ball den sie mal fangen. Ein beliebter Trick ist hier deswegen auch: Einfach mal beim Anspiel aufs Tor schießen. Der Torwart wird ihn sich dann schon selbst irgendwie reinfummeln. Hat auch tatsächlich einmal geklappt. Leider war unsere Mannschaft die Leidtragende. Was mir auch noch sehr heimatliche Gefühle verursacht hat: In der letzten Minute musste natürlich noch jemand wegen Meckerns vom Platz und es gab noch einen Elfmeter. Der änderte zwar nichts mehr am Ergebnis, war aber noch ne schöne Sache für die Zuschauer. Als Schiri ist man ja auch immer etwas Entertainer und verantwortlich für die Unterhaltung der Zuschauer. Duschen gab es natürlich keine. Das bedeutete mit staubigen, schweißnassen Füßen in die Socken und Jeans. Mann, was ein schön schmieriges Gefühl… Im Moment, so ca. drei Stunden nach dem Spiel, schmerzen mir meine Fersen, von dem harten Spielfeld, ich hab beide Ellebogen aufgerissen und bin froh einen schönen, erfahrungsreichen Tag hinter mir zu haben. Vielleicht geh ich heut Abend noch Salsa tanzen. Gegen den Muskelkater. Sozusagen das Auslaufen nach dem Spiel… Bis bald Ballverliebter Bub |
Sonntag, September 03, 2006
Das Spielfeld der Ehre
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

4 Kommentare:
Hallo Andy!
Sagenhaft, ich denke schon wieder ich würde direkt auf dem Platz stehen! Dein Duktus ist echt der Hammer, meine flache Sprache wohl eher nicht :)
Aber mach so weiter, dein Blog ist besser als die Dokusendungen von der BBC. Und wenn ich mir dann noch vorstelle, wie begeistert du da überall mitmachst... Super Sache!
Ach ja, die Corioliskraft wollte ich auch noch ansprechen, jetzt kam mir ein echter Physiker zuvor. Da zieh ich natürlich den Hut vor soviel Wissen. Aber dennoch ein kleiner Vergleich: der Einfluss auf die Richtung des Strudels ist derart gering (verglichen mit der Oberfläche, Geometrie usw. des Gefäßes) dass man das gar nicht messen kann. Wäre ungefähr so, als würde man sagen es sei immer mehr als die eine Hälfte der Erdkugel von der Sonne beschienen weil nach Einstein die Lichtstrahlen durch die Anziehungskraft auch geringfügig die Rückseite erreichen :) Nur hier ist es wirklich so und nicht von Zufällen abhängig.
Nimm mal eine volle Badewanne und trage sie (während des Abfließens) von 50 cm nördlich nach 50 cm südlich des Äquators. Dann filme das bitte und wenn ich sehe, dass der Strudel genau in der Mitte die Richtung ändert, dann darfst du die nächstes Mal in der Home.Com ein Salzstängele mehr nehmen :)
Grüße auch von Anja und dem Rest der Connection, wir vermissen dich.
Bye, Hajo
da fällt mir doch glatt dieser Fussballerspüchekatalog ein, aus dem ich die Besten hier preis geben möchte....
äähhh... isch sag ma:
vom feeling her hatte ich heut kein gutes Gefühl auf dem Rasen zu spielen(Möller)
Ich hoffe für dich, dass das heute nicht dein einziges Debüt bleibt(Deisler)
Beim Elfmeterschiessen hatten wohl dann alle die Hosen voll, zum Glück lief es bei dir ganz flüssig(Breitner)
Aber bei allem Ärger immer dran denken: man darf ihn jetzt nicht übers Knie brechen (Völler)
Anderen Fussballern geht es genauso: Ich weiß auch nicht, wo bei uns der Wurm hängt (Fabrizio Heyer)
Und der Elfmeter war sicher auch garkeiner: Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert (Olaf Thon)
Wenn du lieber wechseln möchtest helfen dir vielleicht Peter Pacults weise Worte weiter: Ja, der FC Tirol hat eine Obduktion auf mich.
Franz Beckenbauer hat es außerdem viel schwerer gehabt: In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgespielt
Uli Hoeneß würde das Spiel wahrsacheinlich folgendermaßen kommentieren: Ich denke nicht, dass wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre
Torsten Legat hat auch schon einst festgestellt: unsere Chancen liegen bei 70:50
Aber: lieber ein Schrecken mit Ende als ein Ende mit Schrecken (Littbarski)
vielleicht lag es ja nur an der Kommunikation: Das muss man verstehen, dass er Schwierigkeiten hat sich einzugewöhnen. Er ist die deutsche Sprache noch nicht mächtig(Jürgen Wegmann)
so ist es halt: Mal verliert man und mal gewinnen die Anderen (Rehhagel)
man muss sich einfach die Grundlegenden DInge vor Augen führen: das nächste Spiel ist immer das nächste (Sammer)
Vor der Saison haben alle gedacht, dass wir gegen Bayern kleine Brötchen kochen müssen. Aber wie man sieht backen die auch nur mit Wasser (Helmut Schulte)
Christoph Daum weiß um die Wichtigkeit eines sicheren Rückhaltes: Man muss nicht immer die absolute Mehrheit hinter sich haben, manchmal reichen auch 51 Prozent.
Ihr braucht einfach mehr Körpereinsatz: wir haben mit der notwendigen fairen Brutalität gespielt (Christian Beeck)
wunderschön, wie er seinen Körper zwischen sich und den Gegner schiebt (Lattek)
schliesslich: gibt es nur eine Möglichkeit. Sieg, Niederlage oder Unentschieden (Beckenbauer)
wir können sowas nicht trainieren sondern nur üben (Ballak)
denn: Wenn der Mann in schwarz pfeifft, kann der Shciedsrichter auch nichts mehr machen(Brehme)
Der Grund war nicht die Ursache sondern der Auslöser (Beckenbauer)
ihr müsst euch einfach alle zusammenreißen und alle Unterschiede vergessen. Ich schliesse diesen Gedanken und die Mail mit einem Zitat von Christoph Daum:
Mir ist egal ob einer Brasilianer, Pole, Kroate, Nord- oder Süddeutscher ist.Die Leistung entscheidet und nicht irgendeine Blutgruppe
Hallo Andi,
habe gerade die Beschreibung Deines ersten Fußballspiels gelesen. Du machst das wirklich toll, wie Du bis ins kleinste Detail das Spielfeld und den Ablauf des Spiels beschreibst. Also ich könnte das nicht so gut. Nach Deiner Beschreibung des Spielfeldes müßte es ja bei jedem Spiel etliche verletzte geben. Ihr habt Euer Spiel ja gewonnen. Auerbach hat gegen Bulach letzten Sonntag zu Hause 1:4 verloren. Es war ein schlechtes Siel, und es gab drei rote Karten eine für Bulach und zwei für Auerbach. Heute werden wir den Flug zu Dir buchen. Genaueres in einenm e-Mail an Dich. Steffen hat auch schon gebucht. Ich wünsche Dir eine aufregende Woche.
Dein Papa
Servus Andi,
nach einiger Zeit habe ich nun auch endlich über zahlreiche Ecken den Weg zu dir hierher gefunden. Ist echt super, wie du das alles schreibst. Naja, das neueste Ergebnis deiner Auerbacher haste ja schon mitgeteilt bekommen.
Die Spiele sind eben doch n bissl anders als unsre unerbittlichen Derbys, was :-)
Aber das weist du ja selbst am besten. Ich bin auch erst am Sonntag morgen aus dem Urlaub gekommen. Tina und ich waren 10 Taeg auf Kos. Echt erholsam.
Folglich habe ich noch kein Spiel diese Runde gemacht. Ich steig wohl am nächsten Wochenende ein. Mal schaun wo und gegen wen.
Hier haste mal noch ne Adresse, dass du immer auf dem Laufenden bist, was die Ergebnisse in deiner Heimat angeht: www.sport-mix.de
Wirste sicher kennen.
So, nun werd ich mal wieder.
Viele Grüße aus Langensteinbach!!
Marcel und der Rest der Familie.
P.S.: Wann kommste Skat spielen?
Kommentar veröffentlichen